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Fehlende Kommunikation : SH im November: Leere Briefkästen und kein Vodafone

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Viele Post-Mitarbeiter sind heute in eigener Sache unterwegs. Deshalb warteten Tausende in SH vergeblich auf Briefe. Ein Erlebnisbericht von der kommunikativen Halbinsel SH.

Ob analog oder digital – um die Kommunikationswege ist es im ohnehin wortkargen Ex-Land der Horizonte bekanntlich nicht gut bestellt. Noch dazu scheinen die technischen Verständigungssysteme allmählich menschliche Züge anzunehmen. Sie erweisen sich zunehmend als wetterfühlig. Ausgerechnet seit das Gammelwetter den Himmel mit kalten Wolken zuschnürt, und der Bedarf nach bunten Geschichten von außerhalb ins Unermessliche gewachsen ist, brechen auch die letzten Drähte zur Außenwelt ab.

Vergangenen Mittwoch streikte mein Telefon-, Internet- und Kabelanschluss von morgens bis abends. Wie sollte ich hier im Ländlichen nun herausfinden, ob die Bahner wieder streikten? Die Antwort fand ich im Smartphone. Denn etwa 20 Meter vor meiner Eingangstür entfernt – hinter dem Baum und nicht zu nah am Teich – herrscht gewöhnlich brauchbarer mobiler Internetempfang. Jedenfalls wenn es trocken ist. Zwar regnete es leicht, doch es klappte nach zwei, drei Minuten dann doch mit dem Fahrplancheck.

Der Zug würde also fahren – und die leichte Verspätung würde mir nun sogar zugute kommen. So bekam ich nämlich die Zeit, vor dem Fahrkartenautomaten mit einer älteren Dame noch Geld zu wechseln. Der Automat akzeptierte keinen 20-Euro-Schein und der EC-Kartenschlitz wollte nicht reagieren. Die einzig denkbare Alternative an diesem grauen Morgen wäre wohl eine beim Lokführer vorangekündigte Schwarzfahrt gewesen. Allemal: Ich kam mit Fahrkarte ans Ziel.

Samstag und Sonntag kappte dann ein Stromausfall das gesamte Vodafone-Netz. Auch ich war vom Totalausfall betroffen, so dass ich von der Hysterie glücklicherweise gar nichts mitbekam. Keine SMS mehr, kein Anruf, kein Nichts. Über Stunden unbemerkt befand ich mich inmitten einer technisch bedingten Zwangsisolation. Im besagten Funkloch-Loch vor der Tür rief mich schließlich das dänische Netz zu sich, und es verfolgte für mich für den Rest dieses Samstags bis ins Haus. Ein Notruf hätte also funktioniert und allzu gern hätte ich ihn auch getätigt.

Heute ist wieder Mittwoch, das verheißt nichts Gutes. Der Briefkasten ist von innen nass. Post gab es keine. Gut möglich, dass mir einfach niemand geschrieben hat – noch nicht mal Rechnungen? Falsch, denn ich bin wohl einer von vielen Tausend Besitzern eines Briefkastens in diesem Bundesland, die heute erst gar keinen Besuch eines Zustellers erhielten. Ein Großteil der Post-Mitarbeiter tagt auf einer Betriebsversammlung in Neumünster, um ihren Ärger gegen schlechte Arbeitsbedingungen, Personalnot und widrige Beschäftigungsverhältnisse kundzutun.

„Man kann nicht nicht kommunizieren!“, postulierte der vielzitierte Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick einst. Das werde ich am Wochenende mal ausprobieren. Ping!

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erstellt am 19.Nov.2014 | 15:26 Uhr

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