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Volkskrankheiten : SH: 10.000 sollen zum Gesundheits-Check

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine bundesweit einmalige Langzeitstudie startet in Schleswig-Holstein: Freiwillige lassen sich auf Volkskrankheiten wie Krebs oder Diabetes untersuchen. Sie sollen anschließend zehn bis 20 Jahre beobachtet werden.

shz.de von
erstellt am 20.Mai.2014 | 19:24 Uhr

Kiel | Für die bundesweit größte Gesundheitsstudie aller Zeiten werden in den kommenden Monaten auch 10.000 Schleswig-Holsteiner gemessen, gewogen, gepiekst und befragt. Bundesweit sollen in 18 Forschungsstützpunkten insgesamt 200.000 Freiwillige untersucht und anschließend 10 bis 20 Jahre lang auf die Entwicklung von Krankheiten hin beobachtet werden. Die von ihnen gesammelten Daten und Bioproben wie Blut, Urin und Speichel sollen dann zeigen, welche Faktoren Zuckerkrankheit, Krebserkrankungen, Arterienverkalkung, typische Alterserkrankungen oder Infektionskrankheiten beeinflussen.

Das nördlichste deutsche Studienzentrum für diese NaKo-Studie (National Kohorte) ist Kiel. „Wir hoffen auf eine große Unterstützung aus der Bevölkerung“, sagte zum Auftakt der Pilotphase CAU-Professor Wolfgang Lieb. Nur mit umfangreichen Wissen sei es möglich, Volkskrankheiten früher als bisher zu erkennen und gezielter zu behandeln. Der Professor für Epidemiologie hofft auch, Erkenntnisse über den Einfluss erblicher Faktoren, Umweltbedingungen und des sozialen Umfeld zu erlangen.

Zwischen 2013 und 2017 werden insgesamt 10.000 freiwillige Teilnehmer im Alter von 20 bis 70 Jahren in Kiel untersucht. Ausgewählt werden sie durch eine Zufallsstichprobe aus den Einwohnermelderämtern von Kiel, Plön, Rendsburg, Eckernförde, Neumünster und Preetz sowie umliegenden Gemeinden. Alle fünf Jahre wird die Untersuchung wiederholt. Die Probanden erhalten eine Aufwandsentschädigung von elf Euro. „Zum Umfang der Untersuchungen gehören neben der Erhebung von körperlichen Daten wie EKG, Ultraschall von Herz und Halsschlagader, Lungenfunktion, Zahl der Zähne und Fitness auch Sozial-Daten und die Frage nach Lebensgewohnheiten und Vorerkrankungen“, berichtet Lieb und schätzt die Studie als „weltweit einzigartig ein“.

In den kommenden zehn Jahren werde die Kohorte von Bund und Ländern mit 140 Millionen Euro und von der Helmholtz-Gesellschaft mit 70 Millionen Euro gefördert. Allein in der Kieler Kinderklinik, wo die Untersuchungen durchgeführt werden, wurden 500.000 Euro in die technische Ausstattung der Räume investiert.

Prof. Michael Krawczak vom Kieler Institut für Medizinische Statistik versichert, dass alle im Rahmen der Studie gewonnen Daten nur anonymisiert ausgewertet werden. Zudem erhofft er sich nicht nur Antworten auf nationale sondern auch auf lokale Forschungsfragen. „So wird sich unter anderem zeigen, welche Krankheiten in Schleswig-Holstein besonders häufig vorkommen“, so Krawczak.

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