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Schleswig-Flensburg : Sexueller Missbrauch im Altenheim: 54-jähriger Pfleger unter Verdacht

vom

Alte, hilflose Menschen im Pflegeheim sind leichte Opfer. In SH soll ein Pfleger drei 80-Jährige missbraucht haben.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2015 | 10:07 Uhr

Flensburg/Kiel | Es ist ein furchtbarer Vorwurf: Im Kreis Schleswig-Flensburg soll ein Pfleger in einem Altenheim insgesamt drei Mal Frauen im Alter von etwa 80 Jahren sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt derzeit in dem Fall. „Das ist eher was Seltenes“, sagt Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt zu den Tatvorwürfen gegen den 54 Jahre alten Mann.

In solchen Fällen handele es sich meist um sehr alte Menschen, die oft auch beeinträchtigt seien. „Sie können nicht so Widerstand leisten, auf sich aufmerksam machen, sind unsicher, wie sie sich verhalten sollen.“ Auch die frühere Direktorin des Instituts für Sanktionenrecht und Kriminologie der Universität Kiel, Monika Frommel, geht davon aus, dass Fälle wie der in Schleswig-Flensburg angezeigte eher selten vorkommen. Eine hohe Dunkelziffer vermutet sie nicht. Es würden eher Jüngere zu Opfern. Hinter den Taten stünden Menschen mit einer sexuellen Störung.

Beim Landeskriminalamt Schleswig-Holstein liegen nur allgemeine Daten zu sogenannten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung bei über 60 Jahre alten Opfern vor. Es sind fast ausschließlich ältere Frauen, die 2013 im Norden zum Opfer wurden. Es war nur ein Mann unter den insgesamt 34 Betroffenen im Seniorenalter. Dagegen waren 18 Frauen im Alter zwischen 60 und 70 Jahren betroffen, zwölf bis 80 Jahre alte sowie drei mehr als 80 Jahre alte Frauen.

Verdächtige - ausschließlich Männer - finden sich in allen Altersgruppen, sowohl bei Über-60-Jährigen als auch bei Männern in den Zwanzigern. „Bei uns gab es das Thema in den letzten Jahren glücklicherweise nicht“, sagt der Sprecher des DRK-Landesverbands Schleswig-Holstein, Paul Herholz. In der Ausbildung der Pflegekräfte werde die Problematik thematisiert, etwa auf die Wahrung des Schamgefühls hingewiesen. Auch wende man sich an Patienten - sie sollten es ansprechen, wenn etwas vorgekommen sein sollte. „Über kurz oder lang fliegen solche Täter auf“, glaubt Herholz.

Auch bei der Caritas Schleswig-Holstein habe es bislang keine Fälle von sexueller Gewalt in der Pflege gegeben, berichtet Pressesprecherin Astrid Heyer. „Aber wir nehmen das Thema sehr ernst.“ 2014 wurden in allen drei stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen der Caritas in Lübeck, Rendsburg und Itzehoe Fortbildungen zum Thema „Sexuelle Gewalt in stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen“ abgehalten. „Ziel war es, unsere Pflegekräfte für das Thema zu sensibilisieren und ihnen Hilfen an die Hand zu geben, worauf im Pflegealltag zu achten ist und welche Maßnahmen im Verdachtsfall oder zur Prävention sinnvoll sind.“

„Grundsätzlich ist es ein Thema, zu sensibilisieren“, sagt auch Anke Homann, Geschäftsführerin im Leitungsbereich Soziales bei der Diakonie Schleswig-Holstein, über die Ausbildung der Pflegekräfte. „Darauf achten wir.“ Der Verdachtsfall im Kreis Schleswig-Flensburg sei „unfassbar“. Bei einem Verdacht empfiehlt Homann den Angehörigen, Ombudsleute anzusprechen oder sich an die Pflegedienstleitung zu wenden.

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