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Änderungen im Zahlungsverkehr : SEPA – was jetzt zu tun ist

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ab Februar haben Bankleitzahl und Kontonummer für Unternehmen und Vereine ausgedient – doch viele unterschätzen die neuen Anforderungen des Zahlungsverkehrs noch immer.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 15:57 Uhr

Kiel | Ab 1. Februar werden die nationalen Zahlungsverfahren von den neuen SEPA-Regeln abgelöst. SEPA ist die Abkürzung für „Single Euro Payments Area“ – den einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum. Damit hat der Gesetzgeber in Europa neue, einheitliche Regeln für Überweisungen und Lastschriften in Euro festgelegt.

Doch was heißt das nun und was muss jeder Einzelne tun?

Für alle Privatleute gilt, dass sie bis Ende Januar 2016 noch wie bisher Überweisungen mit Kontonummer und Bankleitzahl vornehmen können. Trotzdem muss sich jeder schon jetzt mit den neuen Verfahren beschäftigen: Bei vielen Banken und in den Online-Banking-Programmen sind schon geänderte Formulare zu benutzen. Außerdem werden Firmen künftig in ihren Rechnungen nur noch die neuen Kontokennungen IBAN und BIC angeben oder sie werden ihre Kunden nach diesen Angaben fragen.

Die IBAN („International Bank Account Number“) ersetzt die bisherige Kontonummer. Jeder, der seine eigene IBAN noch nicht kennt, sollte auf seine Kontoauszüge schauen, wer eine relativ neue Scheckkarte hat, findet auch dort seine IBAN und den BIC seiner Bank. Der BIC ist die Abkürzung für „Business Identifier Code“. Damit wird künftig die Bankleitzahl ersetzt und auf ein international einheitliches Format gebracht.

Was bedeutet SEPA?

Das Kürzel steht für Single Euro Payments Area, also einen einheitlichen Zahlungsraum für Transaktionen in Euro. Dort werden Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen standardisiert und gleich abgewickelt - egal ob sie ins Inland oder über Grenzen gehen. Die nationalen Zahlungsverfahren werden nach und nach abgeschafft.

Seit wann gibt es SEPA?

Seit Anfang 2008 bieten Banken ihren Kunden SEPA-Überweisungen an, seit 2009 auch SEPA-Lastschriften. In der Praxis nutzen die meisten Bankkunden diese aber nur bei Transfers ins Ausland, insbesondere die Deutschen hängen an ihrem System. Die EU hat daher einen Termin gesetzt: Ab 1. Februar 2014 wird die internationale Kontonummer IBAN Pflicht - auch für Überweisungen und Lastschriften im Inland. Zu SEPA gehören seit dem 1. Juli 33 Länder, das sind die 28 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und die Schweiz.

Welche Vorteile bieten die neuen SEPA-Regeln?

Wer ins Ausland Geld überweisen muss, kann das schneller und billiger tun. Eine Überweisung soll beim SEPA-Verfahren nur noch einen Bankgeschäftstag dauern - heute kann es bei Auslandstransfers bis zu einer Woche sein. Die EU rechnet mit Einsparungen von 123 Milliarden Euro binnen sechs Jahren. Wer etwa in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet, kann sich sein Gehalt auf sein Konto in der Heimat überweisen lassen. Bisher waren mehrere Konten nötig. Auch die Miete für die Ferienwohnung auf Mallorca lässt sich bequem über ein deutsches Konto zahlen. Unternehmer können fällige Rechnungsbeträge von Kunden in Hamburg genau so wie in Mailand einziehen.

Wer ist von der Umstellung auf SEPA betroffen?

Jeder Kontoinhaber, egal ob Privatperson oder Unternehmen.

In welcher Währung sind SEPA-Zahlungen möglich?

Nur in Euro. Überweist ein Bankkunde in anderen Währungen, muss er eine Auslandsüberweisung vornehmen.

Was ändert sich konkret für den Bankkunden?

Bei Überweisungen muss er künftig mehr Kästchen als sonst ausfüllen. Statt der inländischen Kontonummer mit meist 10 Stellen muss der Verbraucher die internationale Kontonummer IBAN eintragen. Die Länge der IBAN ist von Land zu Land unterschiedlich und darf maximal 34 Zeichen umfassen. Derzeit variiert in der Praxis die Anzahl von 15 in Norwegen bis 31 in Malta. In Deutschland hat die IBAN immer 22 Stellen.

Wie setzt sich die IBAN zusammen?

Die IBAN besteht aus Buchstaben und Zahlen. Sie beginnt mit dem Ländercode (für Deutschland: DE) und einer zweistelligen Prüfziffer des Geldinstituts. Danach folgt eine nationale Komponente, in Deutschland sind das die Bankleitzahl und die Kontonummer. Wirklich neu an dieser Kombination ist also nur die Prüfziffer.

Wo findet der Kunde die IBAN?

Schon seit 2003 steht die IBAN auf jedem Kontoauszug, manchmal auch auf Bankkarten. Beim Online-Banking kann der Kunde sich die gespeicherten Daten aus einer Liste auswählen, um Fehler zu vermeiden (etwa unter "Meine Daten" oder "Kontodetails").

Was passiert bei einem Vertipper?

Verschreibt sich der Bankkunde - etwa beim Online-Banking - bei der Nummer, wird die Überweisung automatisch gestoppt. Es erscheint eine Fehlermeldung. Die IBAN schützt den Verbraucher somit nach Bankenangaben vor Falschüberweisungen durch Zahlendreher.

Wozu dient der BIC?

Der internationale Code zur Identifizierung der Bank (BIC) ersetzt bei SEPA die Bankleitzahl. Statt Zahlen gibt es eine Buchstabenfolge, die die Zielbank eindeutig identifiziert. Der Code, manchmal auch SWIFT-Code genannt, besteht aus acht beziehungsweise elf Zeichen. Allerdings ist die alte Bankleitzahl ja schon in der IBAN enthalten. Deshalb soll der BIC ab Februar 2014 bei Transfers im eigenen Land wegfallen, ab Februar 2016 auch bei Zahlungen ins Ausland.

Wann muss der Kunde auf SEPA umsteigen?

Vom 1. Februar 2014 an ist die Umstellung Pflicht. Bis dahin gelten SEPA und die nationalen Zahlungssysteme parallel. Für eine Übergangsfrist von zwei Jahren können Verbraucher die alte Kontonummer national noch nutzen; ihre Bank rechnet in die IBAN um.

Ist die Wirtschaft gut vorbereitet?

Nein, sagt der Handelsverband Deutschland HDE, und nennt den Stand der Vorbereitungen in den Unternehmen "unbefriedigend". Firmen und Vereine in Deutschland stellen nur schleppend auf internationale Kontonummern um, wie eine dpa-Umfrage zeigt.

Für alle, die nicht Verbraucher sind, also Unternehmen, Handwerks- und Gewerbebetriebe, öffentliche Verwaltungen, Vereine usw. ist schon ab 1. Februar die Verwendung von IBAN, BIC und der neuen Formate gesetzlich verpflichtend. Hier ist deutlich mehr zu tun und die Zeit wird langsam knapp.

Die IBAN und der BIC der Bank müssen auf das Geschäftspapier gedruckt werden. Datenbestände und Electronic-Banking-Programme sind auf den neuesten Stand zu bringen und die Schnittstellen zu anderen Programmen, zum Beispiel Buchhaltungsprogrammen, müssen überprüft und eventuell angepasst werden. Diese Aufgaben sind nicht von heute auf morgen zu erledigen und viele Unternehmen haben deshalb schon in 2013 mit der Umstellung begonnen. Sie haben SEPA-Beauftragte benannt und/oder Projektgruppen gegründet, die das Thema umfassend bearbeiten. „Doch viele kleine und mittelständische Unternehmen und Vereine unterschätzen trotz umfangreicher Informationskampagnen noch immer den Umstellungsaufwand für SEPA“, berichtet Claudia Broy vom Sparkassen und Giroverband für Schleswig-Holstein.

Besonders die Vereine stehen durch die SEPA-Einführung vor großen Herausforderungen, denn die größten Veränderungen betreffen den Einzug von Lastschriften. Nach der Erfahrung von Frank Meier, SEPA-Experte der Volks- und Raiffeisenbanken in Schleswig-Holstein, glauben viele, dass lediglich eine Umstellung der Kontoverbindung auf IBAN und BIC ausreiche. „Dem ist nicht so“, sagt Meier.

Jeder, der Lastschriften einzieht, benötigt zunächst eine sogenannte Gläubiger-Identifikationsnummer, die im Internet bei der Bundesbank beantragt wird. Außerdem müssen die vorliegenden Einzugsermächtigungen in sogenannte SEPA-Mandate umgewandelt werden und die Mitglieder über die Veränderungen informiert werden. Darüber hinaus sind noch neue Vereinbarungen mit der Hausbank oder Sparkasse abzuschließen, geänderte technische Standards zu beachten und eventuell einzuführen und es sind andere Fristen und Informationspflichten als bisher zu berücksichtigen. Deshalb sind in Unternehmen, die Lastschriften einziehen und in Vereinen oft umfangreiche Anpassungen der vorhandenen Prozesse an das neue System nötig. Eines ist sicher: Diejenigen, die sich noch nicht um die SEPA-Umstellung gekümmert haben, sollten dies schleunigst nachholen. Es drohen Liquiditätsengpässe und Kosten durch fehlerhafte Zahlungsabwicklungen.

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