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Craft Beer „Lillebräu“ : Selbstgebrautes Bier: Wie zwei Kieler den Trend nach SH brachten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Craft Beer liegt im Trend. Auch zwei Kieler brauen ein eigenes Bier. Zunächst waren die Gastronomen skeptisch.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2016 | 17:34 Uhr

Kiel | Gutes Bier sei wie eine Einbahnstraße, findet Florian Scheske. Einmal probiert, könne man nicht mehr zurück. So war es auch bei ihm. Als er 2008 in New York ein Brooklyn Lager probierte, war danach nichts mehr wie vorher. Das handgebraute Craft Beer aus Amerika war wie eine Offenbarung. „Industriebiere schmeckten danach nur noch wie Wasser“, sagt er. Der 30-Jährige betreibt zusammen mit seinem Freund Max Kühl die Mikrobrauerei Lillebräu in Kiel.

Der Bier-Absatz in Deutschland sinkt kontinuierlich - das betrifft fast alle Sorten. Brauereien machen dafür auch die älter werdende Gesellschaft mit verantwortlich.

3000 Liter Lager brauen die beiden Jungs im Monat. Ungefiltert, nicht pasteurisiert und ohne Zusatzstoffe. Damit gehören sie einer Bewegung an, die sich seit einigen Jahren in Deutschland ausbreitet: Der Craft-Beer-Bewegung. Der Trend stammt aus Amerika und hat seinen Ursprung in den 1970er Jahren. Weil der amerikanische Biermarkt von wässrigem Lager dominiert wurde, gründeten sich immer mehr regionale Mikro-Brauereien, die dem ein Ende machen wollten. Sie experimentierten mit längst vergessenen Rezepturen und besonderen Malz- und Hopfensorten. Das Ergebnis sind klingende Sorten wie Smoked Porter oder Indian Pale Ale (IPA).

Erst seit einigen Jahren schwappt die Craft-Beer-Welle auch nach Deutschland. Hippe Restaurants bieten statt Hellem oder Pils auch Imperial Stout, Gose oder Witbier an. In Skandinavien ist der Trend hingegen längst angekommen. Die Mikkeller-Brauerei in Kopenhagen zählt inzwischen zu den bekanntesten Craft-Brauereien in Europa.

Im Grunde genommen bedeutet Craft Beer nichts anderes als handwerklich gebrautes Bier (Craft bedeutet auf Deutsch so viel wie „Handwerk“). Allerdings hat sich um diesen Begriff inzwischen eine ganze Bewegung gebildet, die zu einem regelrechten Lifestyle geworden ist. Denn die Besinnung auf ursprüngliche Braukunst, die ohne Zusatzstoffe und künstliche Aromen auskommt, steht der konventionellen Bierindustrie entgegen. „Wir erleben hier schon eine kleine Bierrevolution“, sagt Florian Scheske.

Obwohl der Bierabsatz insgesamt rückläufig ist, steigt die Nachfrage nach dem handwerklich gebrauten Bier an. Während es 2004 laut des Onlinedienstes Statista mit knapp drei Prozent Marktanteil noch als Nischenprodukt galt, gehörte Craft Beer 2014 mit 11 Prozent Anteil bereits zum festen Segment auf dem amerikanischen Biermarkt. Verlässliche Zahlen zum deutschen Craft-Beer-Absatz gibt es laut Handelsblatt nicht, allerdings soll der Anteil der Brauereien insgesamt steigen, vermutlich gehörten überwiegend kleine Brauereien dazu. „Es gibt inzwischen so viele gute Craft Biere auf dem Markt, dass man jeden Tag eine andere Sorte trinken könnte – und das ziemlich lange“, sagt Max Kühl.

Ausgebildete Brauer sind er und Florian nicht. In ihrer Küche machten sie während ihres Design-Studiums in Kiel die ersten Brau-Versuche, nur so zum Spaß. Bei einem Australien-Aufenthalt lernte Florian dann die Idee kleiner Brau-Pubs kennen. „Die Leute kommen zusammen, und trinken in Ruhe ihr Bier. Es ging dabei mehr um Genuss als ums Saufen.“ Danach bestellten sie sich professionelles Brau-Equipment im Internet und legten los. 800 Liter umfasste die erste Charge ihres „Lille Lagers“.

Die Gastronomen, denen sie ihr Bier anboten, waren skeptisch. Zwei junge Typen, die ein paar Flaschen auf den Tisch stellen und behaupten, das wäre gutes Bier und jetzt ein ganz neuer Trend – das Misstrauen war den meisten ins Gesicht geschrieben. „Wir mussten da zuerst viel Missionsarbeit leisten und erst einmal erklären, was Craft Beer überhaupt ist“, sagt Max. Die Zweifel waren spätestens dann verflogen, wenn sie das erste Mal an dem Weinglas genippt hatten, in das Flo und Max ihr „Lille Lager“ gegossen hatten. „Es hat auf Anhieb allen geschmeckt“, sagt Florian.

Für ein Lille Lager aus Kiel zahlt man um die 2,40 Euro – etwa das Doppelte eines Industriebieres. Der Preis einer der Gründe, warum die kleinen Mikrobrauereien sich überhaupt halten können. Das hochwertige Craft-Bier lässt sich teurer verkaufen als Konventionelles. Um die zwei Euro zahlt man pro 0,33 Liter-Flasche, einige Sorten kosten bis zu 20 Euro. Die Zielgruppe sind Kunden im mittleren Alter, markenaffin und bereit, mehr Geld für Qualität auszugeben.

Auf diesen Zug versuchen auch die großen Braukonzerne aufzuspringen. Sie kaufen die kleinen Brauereien auf oder versuchen, ihre eigenen Craft Biere auf den Markt zu bringen. Die Großbrauerei Beck's hat im März 2015 drei Craft-Sorten herausgebracht, darunter ein Pale Ale und ein Amber Lager. Beim Brauen verwenden sie die Hopfensorte Cascade, die in der Craft-Beer-Szene beliebt ist. „Totaler Schrott“, sagt Florian, „da hat man versucht, ein Craft Beer in die Flasche zu kriegen, das aber industriell hergestellt wurde. Das kann nicht funktionieren.“

Genau deshalb sehen der Jungbrauer und sein Geschäftspartner Max diese Entwicklung gelassen. „Die Industrie hat keine Chance“, sagt Florian.

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