zur Navigation springen

Weihnachten am Meer : Seemannsmission: Einsatz gegen die Einsamkeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Seeleute kommen von den Philippinen, aus Russland oder der Ukraine. Wenn die Männer von den Schiffen zu den Feiertagen an Land kommen, ist die Seemannsmission für sie da. Das schönste Geschenk: ein Telefonat in die Heimat.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2013 | 11:06 Uhr

Brunsbüttel | Der Seemannsclub auf der Brunsbütteler Südseite – besonders in der Weihnachtszeit ist er für die Seeleute ein beliebter Treff. „Die sind froh, dass sie einfach mal vom Schiff runter sind, vor allem Weihnachten“, sagt Diakon Leon Meier (49), der die Seemannsmission in Brunsbüttel seit zwölf Jahren leitet. Oft haben Seeleute viele Monate an Bord hinter sich. Die Mehrzahl von ihnen kommt von den Philippinen, aber auch immer mehr Matrosen aus den osteuropäischen Ländern, vor allem aus Russland und der Ukraine, besuchen die Seemannsmission. 54 Nationalitäten waren im vorigen Jahr vertreten.

„Probleme untereinander gibt es keine, Seeleute können mit den unterschiedlichen Nationalitäten umgehen“, erzählt Meier, der die Sorgen seiner Gäste sehr gut kennt. „Es geht oft um die Heuer, mit der die Familie versorgt werden muss. Existenzangst ist bei Seeleuten immer vorhanden, schnell kann ein Schiff ohne neue Ladung sein.“

Hautnah hat der Diakon das Weihnachten 2007 erlebt, als plötzlich ungewöhnlich viele Schiffe in Brunsbüttel auf Ladung warteten – wenige Monate später schlug die Finanzkrise voll durch. „Die Schifffahrt ist sehr konjunkturabhängig, bei ihr merkt man sehr schnell, ob eine Krise kommt“, berichtet Meier aus Erfahrung – und hat bereits wieder „erste Signale“ für eine neue mögliche Wirtschaftskrise ausgemacht. „In Hamburg liegen gute Containerschiffe, die auf Ladung warten, ebenso in Singapur.“ Sollte sich dies verfestigen, werden vor allem Seeleute wieder in Not geraten. Dabei ist ihr Leben an Bord ohnehin nicht leicht.

„Das größte Problem ist die Einsamkeit, die fehlende Kommunikation mit der Familie“, erzählt Meier und fügt erklärend hinzu, dass zum Beispiel die philippinischen Seeleute ein ganzes Jahr an Bord sind, danach zwei, drei Monate Urlaub machen. Ihnen während des kurzen Aufenthalts im Hafen ein bisschen das Gefühl von zu Hause zu geben, dafür arbeiten die Mitarbeiter der Seemannsmission.

Der Arbeitstag für das Team beginnt um 14.30 Uhr mit dem Besuch der Schiffe, die in Brunsbüttel festgemacht haben. Zuvor wurden in der Seemannsmission Online-Zeitungen in der Landessprache der an Bord vermuteten Seeleute ausgedruckt. „So kommen wir sehr schnell mit ihnen ins Gespräch, die Zeitungen sind unsere Türöffner“, erzählt Meier. Es dauert meist gar nicht lange, dann erzählen die Männer auch schon aus ihrem Leben, von ihrer Familie, von der Heimat – und folgen nicht selten der Einladung in den Seemannsclub. Dort können sie einige gemütliche Stunden verbringen, nach Hause skypen oder telefonieren, sich am Billardtisch vergnügen, sich mit Kollegen austauschen. Gerade zu Weihnachten erwartet die Seemannsmission wieder viele Gäste.

Heiligabend feiern Seeleute zwar traditionell an Bord, aber am 1. und 2. Weihnachtstag treffen sie sich gerne im Seemannsclub, freuen sich auf ein gutes Essen. „Im vorigen Jahr hatten wir Raclette vorbereitet, die Männer haben es total genossen. Das werden wir auch diesmal anbieten“, freut sich der Leiter der Seemannsmission, der an den Weihnachtsabenden mit jeweils 30 Seeleuten rechnet. Kleine Geschenke gibt es natürlich auch. Groß wird die Freude bestimmt wieder über die Telefonkarten der Aktion „Weihnachten am Ohr“ sein, die durch Spenden finanziert wird. Ein Gespräch mit der Familie daheim – ein schöneres Weihnachtsgeschenk kann man einem Seemann nicht machen.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen