Helgoländer Geschichten : Seemannsgarn unterm Feigenbaum

Ein Segen für dier Insel: Die neue Pastorin Pamela Hansen. Foto: sh:z
Ein Segen für dier Insel: Die neue Pastorin Pamela Hansen. Foto: sh:z

Seit Pamela Hansen als Pastorin auf der Nordseeinsel ist, weiß sie, dass die Geschichte mit dem Turm, der bei Sturm eingefahren wird, reines Seemannsgarn ist.

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23. Juli 2013, 08:52 Uhr

Helgoland | "Unseren Kirchturm fahren wir ab Windstärke acht automatisch ein", erzählt Pamela Hansen (41), die evangelische Pastorin auf Helgoland staunenden Touristen. "Und als wir das einmal vergessen haben, ist uns auch prompt die Wetterfahne runtergeweht." Die Wetterfahne ist tatsächlich vom Turm gefallen. Doch seit Hansen als Pastorin auf der Nordseeinsel ist, weiß sie, dass die Geschichte mit dem Turm, der bei Sturm eingefahren wird, reines Seemannsgarn ist. Doch sollen schon Tagesgäste eigens angereist sein, dieses angebliche Wunderwerk der Technik zu bestaunen.
"Grün ist das Land, rot ist die Kant, weiß ist der Strand" - so beschreiben die Helgoländer die Farben ihrer Insel. Gerade einen Quadratkilometer groß ist ihr felsiges Eiland inmitten der Nordsee. Helgoland hat eine bewegte Geschichte: Im 19. Jahrhundert war die Insel britische Kolonie, 1945 wurde sie als Bombenziel der britischen Luftwaffe beinahe dem Erdboden gleichgemacht.

Feigen im Pastoratsgarten

Heute hat die Insel einiges zu bieten, was man auf den ersten Blick gar nicht vermutet. So leben in den beiden Süßwasserseen auf der Düne Exoten wie die rotwangigen Schildkröten, die ursprünglich aus Nordamerika stammen. Sie wurden in Helgoland ausgesetzt und überleben dank der milden Winter, denn die Seen frieren nie ganz zu. Das Golfstrom-Klima lässt auch Feigen im Pastoratsgarten gedeihen. Wenige Meter entfernt wächst ein Maulbeerbaum.
Helgoland besteht genau genommen aus zwei Inseln: 1720 wurde die natürliche Verbindung zwischen Hauptinsel und Düne durch eine Sturmflut zerstört. Das Eiland besteht heute aus der roten Buntsandsteinscholle mit Steilküste, die rund 61 Meter hoch aus dem Meer ragt. Die Felsformation "Lange Anna" wurde zum Wahrzeichen Helgolands. Daneben liegt die kleinere "Düne" mit dem Flugplatz.

"Es fühlt sich an wie eine Hochseeinsel"

Kein Seemannsgarn ist, dass hier Deutschlands größte Raubtiere leben: Kegelrobben. Touristen dürfen sich den neugierigen Tieren auf der Düne nur bis auf 30 Meter nähern, denn Robben können auch zubeißen. Im Februar 2012 hat Hansen ihren Dienst auf Helgoland angetreten. Mittlerweile fühlt sie sich auf der Insel heimisch - und kann gut unterscheiden, welche Geschichten wahr sind und mit welchen die alteingesessenen "Halunder" die Neu-Insulaner und Feriengäste liebevoll verschaukeln.
So stimmt es auch nicht, dass Helgoland Deutschlands einzige Hochseeinsel ist. Geografisch gesehen braucht man Tiefsee, um eine Hochseeinsel zu sein. Die hat Helgoland aber nicht, denn die Insel liegt auf dem Festlandsockel. Politisch liegt die Insel auch nicht auf "Hoher See": Die Zwölf-Meilen-Zonen der Festlandsküste und anderer Nordseeinseln einerseits und um Helgoland andererseits überlappen sich so, dass Helgoland nicht durch internationales Gewässer vom Festland getrennt ist. Hansen: "Aber es fühlt sich an wie eine Hochseeinsel."

"Na gut, Sie haben recht: da vorne liegt die Insel Malta"

Dass die Gäste in Helgoland dennoch zollfrei einkaufen dürfen, liegt nicht an der großen Entfernung vom Festland. Es ist ein Privileg, das die Briten der Insel zubilligten, bevor sie sie 1890 an Deutschland zurückgaben.
Weil viele Gäste von der Flunkerei der Helgoländer schon gehört haben, wollen sie auch nicht mehr alles glauben. Als eine Touristin einen örtlichen Feuerwehrmann nach den nahezu unbeweglich erscheinenden Containerschiffen am Horizont fragte, wollte sie sich mit der richtigen Antwort nicht zufrieden geben. In seiner Not sagte er dann: "Na gut, Sie haben recht: da vorne liegt die Insel Malta."

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