Startschuss gefallen : Seekabel wird gelegt: Buddeln bis nach Helgoland

Projektmanager Gazmend Kryeziu zeigt ein Stück Helgoland-Kabel. 20 Zentimeter davon wiegen rund drei Kilo. Foto: Mormann
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Projektmanager Gazmend Kryeziu zeigt ein Stück Helgoland-Kabel. 20 Zentimeter davon wiegen rund drei Kilo. Foto: Mormann

Viermal verschob sich der Termin, dann schob sich das Kabel auf Rollen über den Strand von St. Peter-Ording. Bald kann die Insel Helgoland ihren Strom vom Festland bekommen.

shz.de von
09. Juni 2009, 07:51 Uhr

St. Peter-Ording | Auf einmal sind alle ganz still. Bauarbeiter, Journalisten und Schaulustige. "Das hat schon etwas Andächtiges", befindet Eon-Hanse-Sprecher Ove Struck und beschreibt damit das Ereignis am Strand von St. Peter-Ording, Sonnabend um 18.30 Uhr. Die Ebbe ist da, auf dem Wattsand liegt ein Ponton, gehalten von zwei Ankern am Strand.
Ganz langsam kriecht ein dünnes Stahlseil von einem Bagger gezogen über quietschende Rollen - kurz zuvor in den Sand gesteckt. Am Stahlseil befestigt: eine 20-Millionen-Investition. Der Anfang des insgesamt 55 Kilometer langen Seekabels, das die Insel Helgoland bald mit Strom versorgen soll. Bisher erzeugt Deutschlands einzige Hochseeinsel ihren Strom mit Dieselgeneratoren selbst.
Die Strecke zwischen Festland und Insel beträgt 53 Kilometer - das Kabel ist zur Sicherheit etwas länger und wird nach dem Verlegen angepasst.
Zwischen Insel und Festland liegen 21 Tage
Noch liegt es komplett aufgewickelt auf dem Ponton, von den Fachleuten Barge genannt. Von dort wird es in 21 Tagen am Stück 1,50 Meter tief in den Meeresboden eingelassen. Mit Wasserdruck wird ein Graben in den Boden gespült. Wenn das Wetter gut bleibt. "Die Wellen dürfen nicht höher als zwei Meter sein", sagt Gesamtprojektleiter Eberhard Hoffmann-Berling von Eon-Hanse. Das Seewetteramt Hamburg hat keine Stürme angekündigt. Und falls doch einer aufzieht? "Dann müssen wir das Kabel kappen, die Barge in den Hafen ziehen und nach dem Sturm weiter arbeiten." Doch das hofft niemand, denn jede "geflickte" Stelle ist störanfällig.
Der Startschuss fiel später als geplant. Eigentlich sollten die Arbeiten schon am Pfingstmontag beginnen, doch das Wetter auf der Nordsee war zu rau. Deshalb nun am Sonnabend. Viele Urlauber hatten von dem Termin erfahren, waren an den Strand gekommen, um sich das Spektakel anzusehen. So wie Christine Garm aus Hannover. "Das sieht man nicht alle Tage. Beeindruckend", sagt die junge Frau.
Projektmanager Gazmend Kryeziu hat ein kleines Stück des großen Kabels in der Hand und präsentiert es den staunenden Schaulustigen. Mit zehn Zentimetern Durchmesser so dick wie ein Unterarm beherbergt das Kabel drei Leitungen für insgesamt 5000 Kilowatt Strom - jede von ihnen im Querschnitt so groß wie ein Zwei-Euro-Stück. Dazu kommt noch eine Fieberglas-Leitung, über die Helgoland auch mit schnellem Internet versorgt werden könnte.
"Zwei Jahre Planung tragen Früchte"
Eine knappe halbe Stunde dauert es, bis der Kabelanfang die rund 500 Meter von der Barge bis zum Anschluss an Land zurückgelegt hat. Ein paar Zaungäste applaudieren sogar. "Unsere zweijährige Arbeit fängt jetzt an, Früchte zu tragen", sagt der technische Projektleiter Karsten Reimer - nicht ohne Stolz in den Augen. In der Nacht werden Bagger das Kabel in den Strand eingraben.
Wenn es in drei Wochen auf der Insel angekommen ist, folgen Anschluss-Arbeiten. Ein Transformator und eine Leitstelle werden errichtet. Anfang September soll Helgoland als letzte deutsche Gemeinde an das europäische Verbundnetz angeschlossen sein.
Das Kabel in Zahlen
Länge: ca. 53 Kilometer
Durchmesser: 100 Millimeter
Gewicht: ca. 800.000 Kilogramm
Gewicht pro Meter: ca. 15 Kilogramm
Einspültiefe in den Meeresboden: 1,5 Meter
Spannung: 30.000 Volt
Übertragbare Leistung: 5000 Kilowatt
Gefertigt in einem Stück von den Norddeutschen Seekabelwerken.


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