Urteil : Sechs Jahre Haft für Kieler Messerstecher

Er rastete aus und stach viermal auf sein Opfer ein. Für seine tödlichen Messerstiche auf der Kieler Woche 2007 muss Sven B. für sechs Jahre ins Gefängnis.

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11. März 2008, 03:57 Uhr

Das Kieler Landgericht betonte in seinem Urteil am Montag, der Angeklagte sei trotz einer vorangegangenen Notwehr des Totschlags schuldig. Sein Opfer war ein 25 Jahre alter Mann aus Husum (Kreis Nordfriesland). Es bestünden "keine vernünftigen Zweifel, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Messerstiche nicht in Verteidigungsabsicht gehandelt" habe, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann. Das Gericht blieb aber deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von elf Jahren Haft. Die Verteidigung hatte Freispruch verlangt und kündigte Revision an.
Nach Auffassung der Verteidigung hatte der 26-Jährige in Notwehr gehandelt, als er am Rande des Volksfestes im Juni vergangenen Jahres von mehreren Männern aus Husum angegriffen worden sei und sich mit dem Messer zur Wehr setzte. Der Angeklagte hatte jede Tötungsabsicht bestritten. Er quittierte das Urteil im vollbesetzten Gerichtssaal immer wieder gereizt mit Kopfschütteln.
Täter mehrfach vorbestraft
Nach Feststellungen des Gerichts kam es nach einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe um den Angeklagten und Festbesuchern aus Husum zu einem "hochdynamischen Geschehen". Der Angeklagte sei plötzlich von einigen von ihnen angegriffen und geschlagen worden. Dabei sei er auch über Stühle und Tische geflogen. Während er sich zunächst mit dem Messer nur verteidigt habe, stach er dann aber nach Ansicht der Richter plötzlich auf das Opfer von hinten ein: Als der 25-Jährige zu Boden ging, habe der Angeklagte mit großer Wucht drei weitere Stiche gesetzt - bis zu 17 Zentimetern tief. Das Opfer starb noch in der Nacht im Krankenhaus. Der Angeklagte habe hierbei "mindestens mit bedingtem Tötungsvorsatz, wenn nicht mit Tötungsabsicht gehandelt".
Im Strafmaß ahndeten die Richter auch, dass der mehrfach vorbestrafte 26-Jährige zum Volksfest vorsätzlich eine Waffe mitgeführt habe, was zu öffentlichen Veranstaltungen verboten sei. Mit solchen Verboten sollten Taten wie diese verhindert werden, betonte der Vorsitzende Richter.

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