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Online-Vermietung : „Seaside Camper“ – Ab ins Bulli-Abenteuer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit fremdem Camper einen Roadtrip machen - zwei Kieler Studenten wollen Besitzer und Mieter zusammenbringen.

Kiel | Sie heißen „Fritz“ oder „Nils“, und sie sollen Menschen eine Möglichkeit bieten, schöne Erinnerungen zu sammeln. Auf der Plattform seasidecamper.de können stolze Campingbus-Besitzer ihren Urlaubspartner auf vier Rädern an Reiselustige vermieten, die sich nicht selbst auf einen eigenen Bus festlegen wollen.

Die Kieler Studenten Alexandra Brecht und Phillipp Kabitzke (beide 26) haben sich vor zwei Jahren einen Traum erfüllt: Sie haben sich einen VW-Bus gekauft und ausgebaut. Dann ging’s los ins Abenteuer: Ihr „Fritz“ trug sie durch Belgien, Österreich und Italien. Ein Erlebnis, das sie auch anderen ermöglichen wollten. Und so entstand die Idee, den Bulli zu vermieten, wenn sie ihn selbst gerade nicht brauchen. Anfang dieses Jahres starteten sie dann ihre Online-Plattform. Privatleute können hier ihr mobiles Zuhause – ob Bulli, Kastenwagen, Wohnmobil oder Wohnanhänger – kostenlos eintragen und anbieten. Erst bei erfolgreicher Vermietung wird eine Provision und ein Betrag für die nötige Versicherung fällig. Die eigene Versicherung bleibe davon unangetastet, erklären die beiden.

„Es ist keine Gelddruckmaschine“, sagt Alexandra Brecht. Aber die Vermietung könne durchaus helfen, das Fahrzeug mitzufinanzieren, damit man am Jahresende mit „plusminus Null rausgehen“ kann. „Die Campingfahrzeuge werden im Schnitt vier Wochen im Jahr effektiv genutzt“, sagt Phillipp Kabitzke. „Die restliche Zeit stehen sie nur rum.“ Schade um die Camper, sind sich die beiden einig.

Über eine halbe Million Fahrzeuge seien in Deutschland als Wohnmobil angemeldet, sagt Kabitzke. „Darin liegt riesengroßes Potenzial.“ Um das Portal auf sichere Beine zu stellen, habe man sich mit verschiedenen Versicherungen getroffen, um gute Konditionen für Vermieter und Mieter herauszuhandeln. „Als wir die Allianz im Boot hatten, haben wir richtig angefangen zu arbeiten“, sagt der VWL-Student. Seit dem Start Anfang des Jahres könne man 52 Vermietungen verzeichnen – und jedes Fahrzeug kam ohne Panne und wohlbehalten zurück.

Voraussetzung für eine Aufnahme des Fahrzeugs und einen gültigen Versicherungsschutz sei zunächst, dass es über einen gültigen Tüv verfügt und dass der Zustand „einwandfrei“ ist, beispielsweise die Reifen nicht abgefahren sind. Doch das ist noch nicht alles: Bei jeder neuen Einstellung prüfen die beiden, ob die Angaben und Fotos auch den Ansprüchen gerecht werden. Gibt es eine gute Schlafmöglichkeit oder wird nur eine Matratze hinten „reingeschmissen“, erläutert Brecht. Ebenso zählt der Gesamteindruck – ein total von Rost befallenes Gefährt muss draußen bleiben. Es müsse eben zur Plattform und der Idee von einem positiven Erlebnis für Mieter und Vermieter passen.

Und weil in vielen Campern einiges an Herzblut steckt, haben auch die Besitzer mitzureden: „Der Vermieter kann selbst entscheiden, welchen Mieter er annehmen und wie oft er vermieten möchte“, sagt Brecht. Gern gesehen ist eine persönliche Kontaktaufnahme, in der Vorstellungen wie beispielsweise das Reiseziel oder tierische Mitfahrer direkt abgesprochen werden. „Wir selbst haben die Erfahrung gemacht, dass jeder mit dem Fahrzeug super umgeht“, bilanziert Brecht. Und: „Es war immer sehr herzlich“, mit den ersten Mietern ihres „Fritz“ haben die beiden noch heute Kontakt.

Und die Nachfrage bestätigt die Gründer in ihrer Idee: „Camping erlebt gerade eine Revolution“, sagt Brecht. „Pauschalreisen sind mega out.“ Jedes gelistete Fahrzeug sei auch schon mindestens einmal vermietet gewesen, ergänzt Kabitzke. Die meisten stammen aus Schleswig-Holstein, es gebe aber auch Angebote aus Niedersachsen, Sachsen und Bayern.

Einen Wunsch haben die beiden aber noch, um keine Anfragen abweisen zu müssen: „Wir hätten gerne mehr Fahrzeuge.“

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erstellt am 20.Mai.2017 | 11:01 Uhr

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