Ochseninseln : Schweinswalflosse liegt zerstückelt auf Bootssteg

Die herausgeschnittene rechte Flosse eines Schweinswals lag auf einem Bootssteg der Ochseninseln. Foto: Neumann
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Die herausgeschnittene rechte Flosse eines Schweinswals lag auf einem Bootssteg der Ochseninseln. Foto: Neumann

In der Flensburger Förde ist die herausgeschnittene Flosse eines Schweinswals gefunden worden. Naturschützer vermuten, dass das Tier in einem Fischernetz verendet ist.

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13. August 2010, 06:48 Uhr

Grausiger Fund auf der großen Ochseninsel in der Flensburger Förde: Eine herausgeschnittene Flosse eines Schweinswals liegt inmitten der Insel-Idylle auf einem Steg. Kinder haben sie angespült im Wasser gefunden und auf die Holzplanken gelegt. Keiner wusste, woher das Stück kommt. Doch Fotograf Peter Neumann, der einen Urlaubstag auf der dänischen Insel verbringen wollte, erkannte die rechte Flipper-Flosse sofort. "Es war eine schwarze Flosse mit einem Stück grauer Haut." Abgetrennt in fast quadratischer Form. Es muss mit dem Messer herausgeschnitten worden sein. "Das sieht anders aus, wenn ein Motorboot über etwas semmelt", sagt Neumann.
Ungewollter Beifang muss das Tier gewesen sein, vermutet Biologe Philip Loos von der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäuger (GSM). "Selbst ein Hai würde nicht so quadratisch beißen." Der Schweinswal muss sich in einem Fischernetz verfangen haben - die Tiere ersticken meist hilflos in den Maschen. Der Kadaver wurde dann wohl aus dem Netz geschnitten und einfach wieder in die Förde geschmissen.
Nur etwa zehn bis 20 Tiere halten sich in der Flensburger Förde auf, sagt Schweinswal-Experte Andreas Pfander. Er birgt die toten Tiere zwischen Flensburg und Eckernförde und setzt sich für den Schutz der bedrohten Meeressäuger ein – gemeinsam mit den Fischern.
Initiative "Schweinswalfreundliche Bucht"
Beifang kommt immer wieder vor. Die Naturschützer machen den Fischern aber keinen Vorwurf. "Sie wollen die Schweinswale gar nicht fangen", sagt Loos. Die Fischer sollten tote Tiere nicht einfach zurück ins Meer werfen, sondern melden. Aus dem Kadaver können Informationen gewonnen werden: Halten sich etwa Jungtiere zu bestimmten Zeiten oft in einer Region auf? Dann könnte man reagieren und in dieser Zeit die Fischerei dort einschränken. In Eckernförde wurde daher die Initiative "Schweinswalfreundliche Bucht" gegründet. Denn Erfolge bei der Rettung der Tiere können nur mit den Fischern gemeinsam erzielt werden, sind sich die Naturschützer einig. Unter anderem mit sogenannten Pingern, die die Schweinswale durch Töne von den Stellnetzen verscheuchen.
Sogar internationale Unterstützung steht parat. Der ehemalige Delfin-Trainer Ric OBarry ruft dazu auf, die Ostsee als Schutzgebiet für Schweinswale zu bewahren. "Wenn man die Tiere schützen will, muss man zuerst ihren Lebensraum schützen", sagt der Tierschützer. Er hatte im Oscar-prämierten Film "Die Bucht" auf Massentötungen von japanischen Delfinen aufmerksam gemacht und setzt sich weltweit für den Schutz von Meeressäugern ein.
Der Bestand der Schweinswale ind er Ostsee ist stark bedroht: Ihre Zahl nimmt immer weiter ab, die Funde der tot an Land gespülten Tiere nehmen aber zu. 165 Schweinswale sind im vergangenen Jahr tot gefunden worden, 137 im Jahr davor. Bis zu 50 Prozent, belegen Studien des Forschungs- und
Technologiezentrums Westküste (FTZ) , kommen aus Fischernetzen. "Doch genau kann das niemand sagen, weil oft die Tiere zu verwest sind, um noch Spuren von Netze zu finden. Es gibt auch schwarze Schafe, die den Beifang nicht abgeben sondern mit Steinen in der Ostsee versenken", sagt Loos. "Aber genau das ist falsch", ergänzt Pfander. "Denn jeder Kadaver, der mit Steinen beschwert oder zerstückelt gefunden wird, wirft ein schlechtes Licht auf die Fischerei. Jeder Fischer der den Beifang ordnungsgemäß abgibt, beteiligt sich hingegen aktiv am Schweinswalschutz."

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