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Zurück in der Elbe : Schweinswale schwimmen bis nach Hamburg

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Es ist ein Phänomen: Nach etwa 100 Jahren kommen Schweinswale wieder in die Elbe zurück. Ein Tierschutzverein ruft dazu auf, Sichtungen im Internet zu melden.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2013 | 01:58 Uhr

Hamburg | Sie sind zurück: Nach etwa 100 Jahren schwimmen wieder Schweinswale in die Elbe - bis nach Hamburg und nah ans Ufer. "Das ist eine Sensation", meint Denise Wenger von der Gesellschaft zur Rettung der Delfine (GRD). Am Anfang habe das niemand geglaubt, sagt die Biologin. Meldungen darüber, die Tiere hätten sich lediglich aus der Nordsee kommend verirrt, wollte sie nicht so ganz glauben. Denn vor allem seit dem vergangenen Jahr sei das Vorkommen der Schweinswale "ganz massiv". Es ist vielmehr der Hunger, der sie zwischen März und Juni in die Elbe treibt, glaubt Wenger. Denn dann kommen auch Fischschwärme in die Flüsse - zum Ablaichen. Ein gefundenes Fressen für die Meeressäuger. "Das spricht sich unter den Schweinswalen schnell herum", so die Expertin.

Die Tiere sehen Delfinen ähnlich und sind auch mit ihnen verwandt. Das Vorkommen der Schweinswale in den Flüssen an der deutschen Nordseeküste ist das Promotions-Thema von Wenger. Außerdem ist sie Vorstandsmitglieds der GRD. Der Verein ruft unter anderem Fährfahrer, Segler und Anwohner dazu auf, Schweinswalsichtungen zu melden. So gehen bei der GRD seit einigen Jahren Sichtungen in der Weser und Jade ein - und nun auch in der Elbe. "Es ist wunderbar, wie die Leute uns unterstützen", sagt Wenger. Sogar die Uni Hamburg und die Wasserschutzpolizei sitzen mit im Boot.

Mit dem Projekt will Wenger die Menschen sensiblisieren - ihnen die Wale näher bringen. Der Aufruf zu Sichtungsmeldungen erscheint wie ein Motivationsschub. Allein in den vergangenen zwei Monaten hätten der GRD 200 Wal-Beobachter geschrieben. Dass sich die Meldungen an Wochenenden und an beliebten Ausflugszielen häufen, "liegt in der Natur der Sache", so Wenger. Wo Gaststätten und Imbiss-Buden sind, kommen schließlich auch viele Menschen zusammen. Und viele Augen bekommen nun mal auch mehr Wale zu sehen. Offensichtliche Doppel- und Mehrfachsichtungen würde sie aber natürlich in ihre Zählungen nicht mit einbeziehen. Aber die Biologin ist sich sicher: Die Zahl der Schweinswale ist deutlich gestiegen. Mehr als 20 seien es in der Elbe auf jeden Fall. "Das geben die Daten bereits her", so Wenger.

Für dieses Jahr erhofft sie sich technische Hilfe für das Projekt. Unter anderem mit Detektoren im Wasser will Wenger einen möglichst genauen Wert über die Anzahl der Schweinswale vorlegen. Denn ihr geht es nicht nur darum, Anwohnern und Ausflüglern das faszinierende "Whale-Watching" in Hamburg zu ermöglichen. Sie erhofft sich, mithilfe ihrer Daten - inklusive wissenschaftlich fundierter Werte - Behörden und Ministerien dazu zu bringen, sich um die Wasserqualität des Flusses weiter zu bemühen. Dem Schweinswal zuliebe. Zwar sei die Elbe in der Vergangenheit schon sauberer geworden, aber Schadstoffe könnte den Rückkehrern aus der Nordsee Schaden zufügen. Genauso wie Sportboote, denen die Meeressäuger kaum ausweichen könnten - Todesfolge möglich.

Dass sich die GRD für Delfine und andere Walarten einsetzt, geht auf den dreifachen Weltumsegler Rollo Gebhard zurück. Er gründete den Verein 1991, nachdem sein Boot auf hoher See in ein Treibnetz von Tunfischfängern geriet. So wurde er auf das massenhafte Sterben von Delfinen als Beifang aufmerksam. Seitdem hat sich die Arbeit der GRD ausgeweitet. Weltweit ist der Verein in verschiedenen Projekten aktiv.
Eine Karte mit Schweinswal-Sichtungen sehen Sie unten.

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