Naturschützer gegen Habeck : Schweinswale nur „willkürlich“ geschützt?

Wie können Schweinswale und Tauchenten geschützt werden? In Schleswig-Holstein gibt es seit Ende 2013 eine freiwillige Vereinbarung mit den Fischereiverbänden. Umweltschützern reicht das nicht, Minister Habeck wehrt sich.

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18. März 2014, 20:02 Uhr

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und die Gesellschaft zur Rettung der Delphine befürchten, dass in diesem Jahr Tausende Schweinswale und Seevögel in Stellnetzen vor Schleswig-Holsteins Küsten ertrinken. Grund sei eine Vereinbarung von Umweltminister Robert Habeck (Grüne) mit dem Landesfischereiverband und dem Fischereischutzverband, teilten beide Organisationen am Dienstag mit. Danach endete der Schutz von Seevögeln am 1. März, obwohl viele Wasservögel erst danach in die Region kommen. Der Schutz der Schweinswale sei „offenbar willkürlich“ nur auf die Sommermonate Juli und August beschränkt worden, kritisierten die Umweltschützer.

Habeck wies die Vorwürfe zurück: „Ich finde es falsch, reale Fortschritte schlecht oder kaputt zu reden“, sagte der Minister. Es werde bereits seit Jahrzehnten diskutiert, wie Schweinswale und tauchende Seevögel besser geschützt werden können. Bislang sei in keinem Bundesland, in Dänemark oder in einem anderen Ostseeanrainerstaat etwas passiert, das in nur irgendeiner Form als Fortschritt zu bezeichnen wäre.

Schleswig-Holstein habe als erstes Bundesland überhaupt Schritte zum Schutz von Schweinswalen und Tauchenten unternommen und Ende 2013 eine freiwillige Vereinbarung mit den Fischereiverbänden geschlossen.

„Ich weiß, dass das manchen Naturschutzverbänden nicht reicht. Aber der Nabu muss auch mal zur Kenntnis nehmen, dass das Land erstmals und als erstes real etwas zum Schutz der Schweinswale und Seevögel macht“, sagte Habeck.

Nach Angaben des Umweltministeriums verpflichteten sich die Fischer mit der Vereinbarung, ihre Stellnetzfläche von Anfang Juli bis Ende August an der gesamten Ostseeküste des Landes zu reduzieren - je nach Fahrzeuggröße um 60 bis 85 Prozent im Vergleich zur EU-rechtlich erlaubten Stellnetzlänge. Zum Schutz von tauchenden Meeresenten werden außerdem im Winter die Gebiete gesperrt, in denen besonders viele Vögel Rast machen und aktiv nach Nahrung tauchen.

Umweltschützer fordern hingegen seit Jahren, auf Stellnetze ganz zu verzichten und vollständig auf umweltverträgliche Fangmethoden umzusteigen. Nach Angaben des Nabu würden allein an den Ostseestränden jedes Jahr rund hundert tote Schweinswale angeschwemmt: Bei einem Großteil der Kadaver seien in der Haut noch Spuren von Netzen erkennbar, sagte Nabu-Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski.

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