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Warnung von Umweltschützern : Schweinezucht: Streit um Hormoneinsatz

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Umweltschützer fordern ein Verbot bestimmter Hormone, die Schweine verabreicht bekommen, um ihren Sexualzyklus zu blockieren. Sie warnen vor Gefahren für die Natur. Die schleswig-holsteinischen Landwirte wehren sich.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2014 | 06:45 Uhr

Kiel | Auf das Liebesleben ihrer Schweine nehmen viele Bauern heute per Biotechnologie Einfluss. 15 bis 18 Tage lang bekommen Jungsauen auf dem Hof ein Hormon, das den normalen Sexualzyklus blockiert. Wird es anschließend abgesetzt, sind alle Sauen zyklusmäßig gleichgeschaltet, werden am gleichen Tag rauschig und besamt und bekommen gleichzeitig ihre Ferkel.

Was für die Bauern eine Arbeitserleichterung darstellt, ist den Umweltschützern vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ein Dorn im Auge. Sie fordern jetzt ein Verbot von Hormonen, die zu nicht-medizinischen Zwecken eingesetzt werden. Es gehe einzig und allein darum, einen „Industrialisierungsprozess in der Tierhaltung mit Hormonen zu schmieren“, kritisiert BUND-Sprecherin Reinhild Benning. 

Der Bauernverband Schleswig-Holstein wehrt sich: „Wer Landwirte kritisiert, die legale Mittel einsetzen, schießt über das Ziel hinaus“, sagte Bauern-Sprecher Klaus Dahmke. Falls es in Sachen Hormonmedikation neue Erkenntnisse gebe, sei der Gesetzgeber gefordert.  

Damit reagiert Dahmke auf eine Erklärung des Umweltbundesamtes, wonach die Mehrzahl der 26 Hormonpräparate zu einem Zeitpunkt zugelassen wurde, zu dem eine Risikobewertung nach heutigem Standard noch nicht erforderlich und möglich gewesen sei. Dass die verabreichten Hormone über die Ausscheidungen der Tiere in die Umwelt gelangen und so Böden und Gewässer belasten – wie der BUND behauptet – hält das Bundesamt durchaus für möglich.

„Seit Monaten verhandeln wir deshalb mit der EU-Zulassungsstelle über eine Verschärfung der Umweltverträglichkeitsprüfungen für solche Hormone“, erklärte Behördensprecher Stephan Haufe auf Anfrage unserer Zeitung. Pharmahersteller sollten künftig nachweisen, dass ihre Präparate für Frösche und Fische unschädlich sind. Hormone seien einer der Gründe für „den dramatischen weltweiten Rückgang der Amphibien“. Grundsätzlich habe man den Eindruck, dass der Einsatz von Hormonen zunehme.

Nach Auskunft des Kieler Agrarprofessors Andreas Susenbeth ist der Einsatz von zyklusregulierenden Mitteln heute zwar gängige Praxis. Wichtig für Verbraucher, die Lebensmittel kaufen, sei jedoch, dass es sich nicht um Hormone zur Leistungssteigerung in der Mast handelt. „Hier werden Zuchttiere behandelt, die lange im Betrieb bleiben“, betont der Experte.

„Sofern die Gülle dieser Tiere ordnungsgemäß ausgebracht wird, dürfte die Belastung für das Wasser nur gering sein – auf jeden  Fall sehr viel geringer als die  Belastung, die der Mensch durch seine eigene Hormonverwendung verursacht“, betont Susenbeth und verweist auf die sei Jahren bekannten Probleme der Kläranlagen durch nicht völlig abgebaute Hormone der Anti-Baby-Pille.

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