Prozess in Itzehoe : Schwarzfahrer wird versuchter Totschlag in zwei Fällen vorgeworfen

<p>Der Bahnhof Wrist am Morgen nach der Eskalation.</p>
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Der Bahnhof Wrist am Morgen nach der Eskalation.

Der 26-Jährige warf mit Steinen, schließlich schossen die Beamten. Jetzt steht der Mann vor Gericht.

shz.de von
02. März 2017, 08:46 Uhr

Itzehoe/Wrist | Unter strengen Sicherheitsmaßnahmen hat am Donnerstag vor dem Landgericht Itzehoe der Prozess gegen einen 26-Jährigen wegen einer Messerattacke auf Polizisten begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten zweifachen versuchten Totschlag sowie Bedrohung, versuchte Körperverletzung und Sachbeschädigung vor. In dem Verfahren geht es um die Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Klinik.

Der 26-Jährige war im September 2016 auf der Bahnstrecke Hamburg-Kiel ohne Ticket erwischt worden und musste daher in Wrist im Kreis Steinburg den Zug verlassen. Auf dem Bahnsteig randalierte er und attackierte nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter anderem zwei Polizisten mit einem Messer. Auch ein Warnschuss sowie ein gezielter Schuss ins Bein konnten den 26-Jährigen nach Polizeiangaben nicht stoppen. Sechs Beamten überwältigten ihn schließlich, wie die Polizei damals mitteilte.

Zum Prozessauftakt bewachten zwei Polizisten, drei Justizwachtmeister und zwei Pfleger aus einem psychiatrischen Krankenhaus den Mann auf der Anklagebank. Dort hockte der 26-Jährige mit Fußfesseln - lediglich die Handschellen wurden von seinem Bauchgurt gelöst.

Ein Bankkaufmann war am 6. September 2016 auf dem Bahnhof Wrist sein erstes Opfer. „Er kam über die Gleise zu mir und fragte ,Do you want to die?'“, erinnerte sich der 51-Jährige. Dass der Niederländer ihm ein Messer an den Kopf gehalten hatte, habe er nicht bemerkt. Er habe sich gleich zu Boden fallen lassen.

Der Fahrdienstleiter hatte mittlerweile den Zugverkehr gestoppt und die Polizei alarmiert. „Mit den Worten ,I want to kill you'“ sei der 26-Jährige Messer fuchtelnd auf ihn zugekommen, sagte der Streifenpolizist. Er habe ihm die Dose voll Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. „Aber das zeigte keine Wirkung.“ Auch der Versuch, mit dem stählernen Teleskopschlagstock dem Angreifer das Messer aus der Hand zu schlagen, sei misslungen. „Zweimal mit voller Wucht auf den Unterarm.“ Erst ein Warnschuss in die Luft habe den Mann zum Umdrehen bewegt.

Danach war seine Kollegin Ziel der Aggression. Auch die Polizistin habe es zunächst mit Pfefferspray versucht. Der 26-Jährige sei jedoch mit wild schwingendem Messer auf sie zugestürmt. Da zog auch die Polizistin ihre Waffe und schoss: Fünf Mal drückte sie ab, zwei der Kugeln trafen den Mann ins Bein.

Trotz der Wunden gab er nicht auf: „Er versuchte immer wieder hoch zu kommen und fuchtelte mit dem Messer“, sagte der Polizeibeamte als Zeuge. Letztendlich seien vier Kollegen zur Unterstützung gekommen, um den „Schwarzfahrer“ zu bändigen.

Der Mann musste in einem Krankenhaus operiert werden. Lebensgefahr bestand damals nicht. Er kam nicht ins Gefängnis, sondern wartete bislang in einer Fachklinik in Neustadt auf sein Verfahren.

Das Verfahren wird am 20. März (9.30 Uhr) fortgesetzt.

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