Tiere in SH : Schutz vor Mähtod: Wie Drohnen Tierleben retten können

Bei der Vorführung eines Flugroboters: Vertreter des Bauern- sowie des Landesjagdverbands auf einer Wiese in Noer bei Eckernförde.
Bei der Vorführung eines Flugroboters: Vertreter des Bauern- sowie des Landesjagdverbands auf einer Wiese in Noer bei Eckernförde.

Rehkitze, Junghasen und Bodenbrüter sind während der Mahd gefährdet – Bauern und Jäger wollen sie mit Drohnen aufspüren.

shz.de von
14. Mai 2015, 15:22 Uhr

Noer | Moderne Maschinen sehen besser als Menschen – ihre elektronischen Augen können Leben retten. Das von Rehkitzen etwa, jungen Hasen oder Fasanen, die derzeit auf den Wiesen im hohen Gras versteckt sind. Ein Problem für die Landwirte, für die jetzt die Mahd beginnt. Um dem Mähtod von Jungtieren stärker zu begegnen, wollen jetzt Bauern und Jäger im Land zusammen auf neueste Spitzentechnologie setzen – auf Drohnen. Sie sollen unentdeckte Tiere aufspüren.

Ortstermin für etwa 30 Vertreter des Bauern- sowie des Landesjagdverbands auf einer Wiese in Noer bei Eckernförde: „Bitte treten Sie etwas zurück“, sagt Thinh Vo (28) von der Bielefelder Firma „Height Tech“. Dann erhebt sich der „HT-8 C180“ – ein achtmotoriger Flugroboter, der aussieht wie eine fliegende Spinne – mit bis zu acht Metern pro Sekunde surrend in die Höhe. Mit der installierten Wärmebildkamera sucht Thinh Vo via Fernsteuerung zunächst die Wiese, dann das in voller Blüte nebenstehende Rapsfeld ab. Kontinuierlich werden die Signale zu einer koffergroßen Bodenstation gesendet.

Plötzlich ein heller Fleck auf dem Monitor – „ein Stück Damwild“, erkennt Hans Peters (45), Hegeringleiter in Rendsburg, obwohl Thinh Vo noch nicht auf die Realbildkamera der Drohne für die Detailsuche umgeschaltet hat. „Was wir aber aufspüren wollen, ist deutlich kleiner“, sagt Peters und deutet auf seine Schirmmütze: „Ein Rehkitz passt hier rein.“

Mit herkömmlichen Methoden sämtliche Jungtiere zu entdecken, „das ist kaum noch zu schaffen“, sagt Bauernverbands-Vizepräsident Peter Lüschow. Für Rehkitze, junge Hasen oder Rehhühner wird das regungslose Verharren – ein in freier Natur überlebenswichtiger Schutzinstinkt – in der Agrarlandschaft doppelt tödlich: Für die Helfer und Jäger, die vorweg die Wiesen absuchen, bleiben die Tiere damit nicht selten unentdeckt. Zudem geht die Mahd heutzutage rasant von statten. „Pro Maschine auf sechs bis acht Metern Breite bei bis zu 15 Kilometern pro Stunde“, sagt Lüschow. 

Das Ausmaß der Mähtods ist kaum zu beziffern. Die Deutsche Wildtierstiftung schätzt, dass bundesweit 500.000 Individuen durch die Grünlandbewirtschaftung umkommen, davon 90.000 Rehkitze.

Trotz dieser Zahlen: Hans-Jürgen Langbehn vom Präsidium des Landesjagdverbands (LJV) schätzt, dass in Schleswig-Holstein bereits jetzt immerhin 90 Prozent der Rehkitze gerettet werden. Schlechter sehe es womöglich bei Hasen und Bodenbrütern aus.

Für LJV-Geschäftsführer Andreas Schober steht bereits fest: „Zum Schutz der Jungtiere werden wir zusammen mit den Landwirten künftig modernste Technik einführen.“

Und nachdem die bis zu 35.000 Euro teure „Height Tech“-Drohne wieder sanft im Gras gelandet ist, sagt Schober: „Es geht nur noch um das Wie.“ Gut möglich, dass Landwirte und Jäger künftig weitergebildet werden – zu Piloten für unbemannte Luftfahrzeuge.

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