Plädoyer des Staatsanwalts : Schuss nach Pommes-Streit war Notwehr

Schlecht zubereitete Pommes waren der Anlass für einen Streit. Am Ende fiel ein Schuss. Foto: dpa
Schlecht zubereitete Pommes waren der Anlass für einen Streit. Am Ende fiel ein Schuss. Foto: dpa

Erst gab es in einer Dönerbude in Kiel einen Streit um die Qualität von Pommes. Später fiel ein Schuss. Beim Prozess spricht der Staatsanwalt von Notwehr.

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28. Juni 2013, 08:09 Uhr

Kiel | Für einen lebensgefährlichen Schuss nach einem Streit um angeblich schlechte Pommes Frites kann ein Imbiss-Besitzer nach Ansicht des Staatsanwaltes nicht bestraft werden. "Recht muss nicht Unrecht weichen", sagte Staatsanwalt Torsten Holleck am Mittwoch vor dem Kieler Landgericht. Der 41-jährige Angeklagte habe sich von dem 26-jährigen Gast bedroht gefühlt und in Notwehr geschossen, sagte Holleck. Er sei daher vom Vorwurf des versuchten Totschlags freizusprechen.
Wegen illegalen Waffenbesitzes plädierte der Ankläger aber auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten Haft. Die Tatwaffe, eine halbautomatische Pistole, hatte der Angeklagte schon 1994 illegal erworben und zur Sicherheit seiner Familie in seinem Schlafzimmer aufbewahrt. Er hatte sie nach seinen Worten aber nie zuvor benutzt. Die Verteidigung schloss sich im wesentlichen dem Plädoyer der Anklage an, verlangte aber eine mildere Strafe.

Angeklagter wollte seine Familie schützen

Nach Ansicht des Staatsanwaltes schoss der Imbiss-Besitzer am 20. November 2011, nachdem das Opfer ihn aufforderte, mit einer Waffe vor die Tür zu kommen und sich zu duellieren - er habe auch eine. Als der Mann dann bedrohlich wirkend auf den Angeklagten zugegangen sei, "durfte der Angeklagte, egal, ob das Opfer bewaffnet ist oder nicht, von der Schusswaffe Gebrauch machen - Notwehr muss nicht verhältnismäßig sein", sagte der Staatsanwalt.
Der fünffache Familienvater mit deutschem und türkischem Pass hatte bis zu dem Geschehen seit über 20 Jahren unbescholten in Deutschland gelebt und einen Döner-Imbiss betrieben. Er hatte vor Gericht ausgesagt, er habe seine Familie und sich schützen wollen.

Angeklagter warnte das Opfer

Das 26 Jahre alte Opfer wurde durch den Schuss lebensgefährlich verletzt. Er musste in einer Notoperation gerettet werden. Der Mann habe sich dafür rächen wollen, dass der Angeklagte zuvor seinen Bekannten zusammenschlug, schilderte Holleck. Der hatte sich über angeblich schlechte Pommes Frites beschwert, die der 16-jährige Sohn des Angeklagten zubereitet hatte.
Bevor der Schuss fiel, der Lungenflügel, Milz und Leber des Opfers verletzte, rief der Angeklagte noch warnend und schwenkte seine Waffe hin und her, schilderte der Staatsanwalt. Ausdrücklich betonte er, dass der Angeklagte in dieser Situation damit habe rechnen müssen, dass sein Gegenüber bewaffnet sei. Die Besorgnis des Angeklagten um die Sicherheit seiner Familie bezeichnete der Staatsanwalt als nachvollziehbar. Das Urteil wird an diesem Freitag erwartet.

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