"Schüler Helfen Leben" : Schüler bringen Flüchtlingen Hoffnung

Sie sahen der Not syrischer Flüchtlinge ins Auge: Schüler Jonas Vallentin und Charlotte Hallbauer (links) mit SHL-Regionalkoordinatorin Tabea Brenner Foto: ruff
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Sie sahen der Not syrischer Flüchtlinge ins Auge: Schüler Jonas Vallentin und Charlotte Hallbauer (links) mit SHL-Regionalkoordinatorin Tabea Brenner Foto: ruff

Der "Soziale Tag" wird ausgeweitet: "Schüler Helfen Leben" engagiert sich jetzt auch in Syrien.

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06. April 2013, 10:32 Uhr

Neumünster | Ein Viertel der gut 20 Millionen Syrer befindet sich nach jüngsten Meldungen der Vereinten Nationen auf der Flucht - und drei Jugendliche aus Schleswig-Holstein waren in ihren Osterferien mittendrin: Jonas Vallentin (18) und Charlotte Hallbauer (17) aus Neumünster sowie Merle Goßing (18) aus Eckernförde haben vom vergangenen Montag bis Donnerstag im größten Flüchtlingslager für Syrer kurz hinter der jordanischen Grenze das Elend erlebt.

Die drei arbeiten bei "Schüler Helfen Leben" (SHL) mit, der größten Schüler-Hilfsorganisation Deutschlands mit Sitz in Neumünster. Mit ihrem Besuch haben die Teenager die Pflöcke dafür eingeschlagen, dass sich die Lage gleichaltriger syrischer Heimatloser etwas verbessert: Sie bereiten ein neues Projekt vor, mit dem junge Deutsche Altersgenossen aus dem Bürgerkriegsland unterstützen. Beim "Sozialen Tag" am 13. Juni wird außer für den Balkan erstmals auch für Syrer gesammelt.

"Im Bürgerkrieg verlieren die Leute ihre Heimat"

Mit dem Einsatz für das auseinanderbrechende Jugoslawien hat SHL vor 20 Jahren begonnen. "Zu den Ereignissen auf dem Balkan sehen wir in Syrien und Jordanien Parallelen", sagt Jonas. "Im Bürgerkrieg verlieren die Leute ihre Heimat und stehen in Not-Unterkünften mit leeren Händen da." Rund 120 000 hausen inzwischen in dem von SHL besuchten Lager Za’atari etwa eine Autostunde Fahrt von der jordanischen Hauptstadt Amman entfernt. Gut 60 Prozent sind jünger als 18. "Viele mussten ohne Eltern und barfuß flüchten, haben nichts außer ihrer Matratze, eine Essensration und Wasser", schildert Jonas. "Damit der Aufenthalt im Lager keine völlig vertane Zeit ist und die Jugendlichen für die Rückreise etwas im Gepäck haben", erklärt Charlotte, zieht SHL in dem Zelt-Camp ein Bildungstraining auf. Werken, Nähen, Kochen, kreatives Gestalten, schulische Grundkenntnisse, der Umgang mit Geld: Das sind Beispiele für die Palette des Bildungsangebots an 15- bis 24-Jährige. Ebenso wichtig wie das Lernen findet Jonas, "dass die Teilnehmer so einen strukturierten Tagesablauf bekommen". Mindert sich Langeweile, schmilzt auch der Nährboden für Aggressivität und Depression. 500 bis 600 Plätze gibt es in der Pilotphase des Trainings. Die SHL-Stiftung schiebt dies mit 25 000 Euro aus vorhandenem Kapital an. "Von den Erfahrungen hängt dann ab, wie wir das ausbauen", sagt Tabea Brenner, Mitreisende und Koordinatorin der Regionalarbeit im SHL-Bundesbüro. Partner für die Hilfe im jordanischen Lager ist "Save the Children", die größte private Kinderhilfsorganisation der Welt. Außerdem begleitet die deutsche Botschaft in Amman die Aktivitäten.

Als eindringlichstes Reiseerlebnis schildert Charlotte die Ähnlichkeit eines Mädchens im Lager mit ihrer älteren Schwester. "Nur die Augenfarbe war anders. Da dachte ich: Es könnte auch meine Schwester in dieses Lager mitten in der Wüste geflüchtet sein." Diese emotionale Nähe, spürt die 17-Jährige, motiviert nochmal ganz anders als jede rationale Einsicht, um zu helfen. Deshalb wollen die Lager-Besucher ihre Eindrücke im Vorfeld des Sozialen Tags in die Fläche tragen. Teils halten sie selbst Vorträge vor Klassen, vor allem aber setzen sie auf Multiplikatoren. Damit sind SHL-Botschafter gemeint, denen die drei auf einem Treffen berichten - und die dann mit dem Gehörten sowie reichlich Foto- und Filmmaterial aus Jordanien auf Tour durch Schulen in ganz Deutschland gehen.

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