Teurer Winter : Schon jetzt sind 35.000 Tonnen Salz verstreut

Ein Streufahrzeug ist im Kreis Pinneberg unterwegs. Foto: Michael Bunk
Ein Streufahrzeug ist im Kreis Pinneberg unterwegs. Foto: Michael Bunk

Auch wenn nicht viel Schnee fiel: Die lange Frostperiode zwang die Straßendienste zum Dauereinsatz. Laut Polizei ist "gefühlt" auch die Zahl der schweren Unfälle gestiegen.

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02. März 2013, 11:39 Uhr

Kiel | Heute ist Frühlinsganfang - zumindest meteorologisch gesehen. Doch bei den Mitarbeitern des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) mögen keine frühsommerlichen Gefühle aufkommen. "Der Winter war hart und teuer", sagt Frank Ricke, der für den Straßenbetrieb zuständig ist. Noch mag er kein endgültiges Fazit für den Winter ziehen, aber schon jetzt sind auf den rund 8200 Kilometern Straße, die der LBV betreut in dieser Wintersaison mehr als 35.000 Tonnen Salz gestreut worden.

Zum Vergleich: Im Mittel der vergangenen fünf Jahre waren es pro Jahr rund 44.000 Tonnen für einen ganzen Winter. Die Kosten lagen bei 14,2 Millionen Euro. Sie werden zu 46 Prozent vom Bund, zu 33 Prozent vom Land und zu 21 Prozent von den Kreisen getragen, die den LBV mit dem Streudienst beauftragt haben. Der LBV betreut 535 Kilometer Autobahn, 1442 Kilometer Bundesstraße, 3538 Kilometer Landesstraße und 2694 Kilometer Kreisstraße.

Preise für Streusalz um 25 Prozent gestiegen

In diesem Winter könnten die Kosten auch deswegen ansteigen, weil die Preise für Salz seit den beiden harten Wintern 2009/10 und 2010/11 um 25 Prozent gestiegen seien, sagt Frank Ricke. "Dazu kommen die erhöhten Dieselpreise." Und weil die rund 600 Fahrzeuge, die der LBV zur Verfügung hat, in den vergangenen sechs Wochen wegen des kalten Klimas "fast durchgestreut" hätten, sei die Belastung hoch gewesen. Viele Menschen hätten das nicht bemerkt, weil es nicht so viel Schnee gegeben habe.

Das bestätigt auch Lothar Gahrmann, Sprecher des Landespolizeiamts in Kiel. Es gebe zwar keine offiziellen Zahlen, "gefühlt hat aber vor allem die Zahl der schweren Unfälle in diesem Winter zugenommen". Noch am vergangenen Wochenende war ein 29-Jähriger auf eisglatter Straße in der Nähe von Reinfeld im Kreis Stormarn tödlich verunglückt. Am Montag raste eine 35-Jährige mit ihrem Wagen auf der A21 bei Bornhöved im Kreis Segeberg in eine Lärmschutzwand. Sie starb am Mittwoch an ihren schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Gefahr durch Eisglätte noch nicht vorbei

Und die Gefahr durch Eisglätte sei noch nicht vorbei, sagt Gahrmann. "Viele Autofahrer glauben, dass wenn die Straße schneefrei ist, sie auch nicht glatt ist." Das sei aber bei frostigen Temperaturen an einzelnen Stellen nicht immer der Fall.

Der LBV achtet trotzdem darauf, dass die Salzlager, die noch gefüllt seien, bis Ende März ihre Bestände reduzierten, sagt Frank Ricke. "Denn im Sommer können wir Salz viel günstiger kaufen, das entlastet die klamme Landeskasse." Dennoch sei bei akuten Wetterlagen innerhalb von 48 Stunden neues Salz verfügbar - bis Ende April. Und schon Mitte der kommenden Woche prognostizieren erste Wettervorhersagen schon wieder unfrühlingshaft frostiges Wetter.

Und was sagen die Menschen? Die Beschwerden hätten sich in diesem Winter in Grenzen gehalten, so Ricke. Bis ihn vor ein paar Tagen ein Anruf erreichte: "Ein Mann hat sich beschwert, dass wir zu viel streuten. Das ist wirklich mal ungewöhnlich, sonst wird uns immer das Gegenteil vorgeworfen."

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