Schnellbus Flensburg-Niebüll : Schneller als der Fahrplan erlaubt?

Haltestelle an der Exe in Flensburg: Wer fünf Minuten vor der planmäßigen Weiterfahrt nach Niebüll mit dem Warten beginnt, ist gut beraten. Foto: Staudt
Haltestelle an der Exe in Flensburg: Wer fünf Minuten vor der planmäßigen Weiterfahrt nach Niebüll mit dem Warten beginnt, ist gut beraten. Foto: Staudt

Der eine fährt drei Minuten zu früh ab, der andere kommt eine Viertelstunde zu spät an. Fahrgäste reagieren verschnupft. Die Autokraft spricht von Ausnahmefällen.

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04. Februar 2009, 11:00 Uhr

Flensburg / Niebüll | Zu früh weg, zu spät da - der Schnellbus von Flensburg nach Niebüll (und zurück) ist unberechenbar. Diesen Vorwurf machen einige Fahrgäste der Autokraft. Das Busunternehmen belegt die Strecke im Stundentakt.
Silvester 2008: Sven G,. Geschäftsmann aus Flensburg, hat einen Termin in Leck. Es wagt es, auf den Schnellbus zu setzen. Eilt zur Haltestelle Exe. Lieber ein paar Minuten zu früh, denkt er sich, da ihm der Bus in der Vergangenheit schon mehrmals ein Schnippchen geschlagen hat. Wie heute. Drei Minuten vor der planmäßigen Abfahrt (9. 30 Uhr) ist er nur einen Steinwurf vom Bushäuschen entfernt - da rauscht der Schnellbus schon von links heran - und an der Haltestelle vorbei. Der 100-Meter-Spurt ist umsonst. Frust pur am Feiertag. Dann nämlich lässt die nächste Verbindung zwei Stunden auf sich warten. Den Geschäftstermin kann Sven G. vergessen.
"Sie sollten besser fünf Minuten früher sein"
Letzte Woche das gleiche Spiel. Doch diesmal ist G. vorgewarnt und rechtzeitig zur Stelle; nun aber hat er einige Fragen an den eiligen Fahrer. Höflich, aber bestimmt. Zum Beispiel die nach der Uhrzeit. Eigentlich ganz unverfänglich. Doch der Fahrer wittert Ungemach. "Sie sollten besser fünf Minuten früher sein", belehrt ihn dieser. Begründung für sein schnelles Auftauchen: "Wir können doch nicht mit 30 Stundenkilometern durch die Stadt tuckern." Als Bonus gibts ein Wort zum Troste mit auf den Weg: "Aber wir kommen pünktlich in Niebüll an."
Das ist nicht immer so. Eine Sozialpädagogin, die einmal wöchentlich auf die Route angewiesen ist, zittert regelmäßig um ihren Anschlusszug von Niebüll nach Sylt. Eigentlich sollten laut Fahrplan zehn Minuten Wartezeit drin sein. Doch wenn ein bestimmter Fahrer am Steuer sitzt, weiß die Pendlerin: "Jetzt wirds eng." Darüber hinaus lasse die Abstimmung mir der Bahn, beklagt sie, zu wünschen übrig.
"Einmal hätte ich ihn fast noch erlaufen"
Noch ein Beispiel: "Ich habe auch einige schlechte Erfahrungen gemacht", sagt eine 20-jährige Berufsschülerin. Sie ist auf den Bus in vielerlei Hinsicht angewiesen. Denn ihre Schule liegt in Flensburg, sie wohnt in Neukirchen und jobbt auf Sylt. Dass der Bus bei der Abfahrt in Flensburg bisweilen sehr früh unterwegs ist, kann sie nur bestätigen. "Einmal hätte ich ihn fast noch erlaufen", sagt sie. Sie habe gerufen, gewunken, wild gestikuliert. "Ich bin mir sicher, dass der Fahrer das registriert hat", meint die junge Frau. Aber er ist einfach losgefahren."
Michael Kierek, Autokraft-Standortleiter in Niebüll, hört diese Vorwürfe zum ersten Mal. "Es muss sich um Ausnahmen handeln, wir haben keine Beschwerden gehabt", sagt er. Die Fahrer hätten Vorgaben und Zeiten, die sie einzuhalten hätten. "Der Kunde verlässt sich darauf."
Natürlich gibt es Parameter, die auch Verzögerungen bedingen: Ampeln, Verkehrs- und Fahrgastaufkommen, Bahnübergänge. Ob der Bus von Niebüll deshalb 20 Minuten (also etwa eine Drittel der Fahrtzeit) später in Flensburg ankommen muss, als im Fahrplan vorgesehen, darf bezweifelt werden. Doch die Passagiere sind offenbar Kummer gewohnt. "Ich habe", schwört Kierek, "noch keinen großen Leidensdruck wahrgenommen."

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