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Sicherheitstraining : Schneepflug-Fahrer üben für den Winter

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115 Lkw-Fahrer schickt der Landesbetrieb bei Eis und Schnee auf die Straße – ein Sicherheitstraining soll sie fit für den Einsatz machen.

Hohenlockstedt | Zuerst muss Jürgen Wesenberg mal schätzen: Was wird passieren, wenn er sein 26 Tonnen schweres Räumfahrzeug auf regennasser Fahrbahn voll abbremst? „Die Fahrbahndecke ist an den Seiten unterschiedlich – das Fahrzeug bricht wohl aus“, sagt der 50-Jährige und antwortet damit auf die Frage von Fahrsicherheitstrainer Michael Breitling, der auf der Fahrbahn einen engen Parcours gesteckt hat und ihn gleich zurProbefahrt schickt. „Die meisten Unfälle entstehen, weil die Fahrer etwas falsch einschätzen“, sagt Breitling.

Wesenberg ist einer der letzten der 115 Lkw-Fahrer des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV), der an dem eintägigen Sicherheitstraining des Verkehrsinstituts Nord (VIN) auf dem ehemaligen Flugplatz Hungriger Wolf bei Hohenlockstedt (Kreis Steinburg) teilnimmt. „Wir haben vor zwei Jahren unsere Unimog-Fahrer geschult und gemerkt, dass das etwas bringt“, sagt Martin Laufer vom LBV. Es gelte nun, die Fahrer, die noch nie ein Sicherheitstraining absolviert hätten, fit zu machen für den Winterdienst.

Das Training gliedert sich in drei Teile: Brems- und Ausweichmanöver, das Fahren in schwierigem Gelände und ein Spritspartraining. „Damit kann man hier in der Übung bis zu 20 Prozent Kraftstoff einsparen – im realen Betrieb sind es dann eher so fünf Prozent“, sagt VIN-Geschäftsführer Horst Döring. „Das ist dann aber schon mal ein Beitrag zur Refinanzierung des Trainings“, meint Martin Laufer.

Den Straßenwärtern geht es vor allem um die Sicherheit – auch den jüngeren Fahrern, die noch nicht so viel Erfahrung auf der Straße haben. „Es ist wichtig, dass wir hier mal an die Grenzen gehen können, merken wie sich das Fahrzeug verhält“, sagt Christoph Tron (26) aus Lübeck, als er auf nasser Fahrbahn eine Vollbremsung hinlegt: „Da tut sich mal gar nichts.“ Schon auf trockener Straße braucht der Lkw bei Tempo 50 und einer Reaktionszeit des Fahrers von einer Sekunde 31 Meter, um zum Stillstand zu kommen. „Im Winter ist das natürlich noch extremer“, sagt Breitling.

Wie extrem das ist, erzählen fast alle Fahrer. „Es ist schwer, die Konzentration zu halten, wenn nachts Schneeflocken waagerecht angeflogen kommen“, sagt Tron. Dazu kämen die „Verrückten“, die die Sicherheit gefährden. „Letzten Winter bin ich mit zwei Kollegen versetzt auf der A 1 unterwegs gewesen und habe bei Schneefall die Fahrbahn geräumt. Da hat eine Frau in einem Kleinwagen versucht, mich links zwischen dem Räumfahrzeug und der Leitplanke zu überholen – da fällt mir nichts mehr zu ein.“ Von solchen Erlebnissen erzählen fast alle Fahrer, die sich auf den Winterdienst vorbereiten.

Jürgen Wesenberg hat seinen Test schon mit Erfolg absolviert. „Da musstest Du beim Bremsen ganz schön gegenlenken, damit das Auto in der Spur bleibt“, sagt Fahrtrainer Breitling. Eine „Meisterleistung“ sei das. Doch Wesenberg, der alles richtig eingeschätzt hat, will sich darauf nicht ausruhen, denn jetzt werden Ausweichmanöver und Salomfahren geübt. Kein Wunder, dass der Straßenwärter dabei ist, denn beim zu schnellen Abbiegen hat er mit seinem Räumfahrzeug schon mal eine Verkehrsinsel überrollt. Das habe ordentlich gerumst, zum Glück sei nichts kaputt gegangen. „Und deswegen bin ich hier, damit mir so was nicht wieder passiert.“

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erstellt am 01.11.2013 | 07:00 Uhr

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