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SH-Wetter aktuell : Schnee Ende April: Ist der Winter zurück in Schleswig-Holstein?

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Schnee im Frühling – Experten erklären, ob uns das nun öfter erwartet und was das für die Landwirtschaft bedeutet.

Kiel | Es ist der 25. April - doch der ein oder andere mag am Dienstag trotz allem nochmal verdattert im Kalender nachgeschaut haben. Denn in großen Teilen Schleswig-Holsteins rieselt an diesem Morgen Schnee herunter. Und das nach dem warmen Monatsbeginn. Und nun stellen sich viele die Frage: Ist diese Kälte Ende April normal? Und müssen wir uns künftig auf ähnlich kalte Wochen einstellen?

So viel steht fest: „Ganz ungewöhnlich ist das Wetter für den April nicht“, sagt Sebastian Wache, Diplom-Meteorologe von der Wetterwelt in Kiel. Der April sei nun mal der Monat der vier Jahreszeiten, dass es Schnee, Sonne, Wärme und Kälte gibt, sei normal. „Wir kommen gerade aus dem Winter, die kalte Luft ist noch nicht weg.“ Gleichzeitig werde es aber immer wärmer, wodurch die kalte Luft weiter verdrängt wird. Dass es sich keinesfalls um ein ungewöhnliches Phänomen handelt, zeigt auch ein Blick in die Statistik: Vor genau einem Jahr fielen in Bordesholm sieben Zentimeter Neuschnee, und auch 2013 gab es schneereiche Ostern.

Für die kommenden Tage besteht jedoch Grund zur Hoffnung: „Was die Kälte angeht, haben wir an diesem Dienstag den Tiefpunkt erreicht“, sagt Wache. Schon am Mittwoch dürften die Temperaturen auf bis zu zehn Grad ansteigen.

Trotzdem gilt auch für dieses Jahr: Autofahrer, die bereits auf Sommerreifen umgestellt haben, könnten in Bedrängnis kommen. „Wir bekommen klare Nächte, und es ist windarm“, so Wache. Dadurch und durch Graupelschauer könne es auch auf den Straßen nochmal gefährlich glatt werden.

Was den Start in den Mai angeht, macht er jedoch Hoffnung: Schon in der kommenden Woche könnten die Temperaturen stabil im zweistelligen Bereich liegen. Zudem deute sich ein Skandinavienhoch an, das zwei bis drei Wochen Bestand haben könnte. „Damit hätten wir einen traumhaften Mai-Start“, so Wache.

Wie sich der Schnee auf die Landwirtschaft auswirkt

Doch hat das nasskalte Wetter Folgen für die Landwirtschaft? Dr. Holger Klink von der Uni Kiel, der als Phytopathologe über Krankheiten von Pflanzen forscht, bleibt in diesem Punkt ziemlich gelassen. „Solange es sich um Schauer und nicht um eine durchgängig nasse Witterung handelt, muss man sich keine Sorgen machen“, sagt der Wissenschaftler. Erst längere Frosttemperaturen wären problematisch, weil sich die Pflanzen schon umgestellt haben. Besonders der Raps würde empfindlich auf kühles Wetter reagieren - doch noch stehe er auch im südlichen Schleswig-Holstein noch nicht in Vollblüte. Klink hebt noch einen weiteren Punkt hervor: Bei diesem Wetter haben es auch Pilze und Schädlinge nicht so leicht.

Und auch was andere Pflanzen angeht, sieht Klink keine Gefahr: Die Felder sind noch nicht mit Mais, der stark an Temperaturen gekoppelt ist, bestellt, und auch um die Obstbäume macht sich der Wissenschaftler keine Sorgen. Entscheidend für Obstbäume seien erst sogenannte Kahlfröste (Frost in Bodennähe, Anm. der Redaktion), die eine große Gefahr während der Blüte darstellen.

„Die Pflanzen wachsen bei kaltem Wetter zwar langsamer, aber das wird im Laufe des Jahres noch kompensiert. Man sollte erstmal Ruhe bewahren“, so Klink. Die angekündigten wärmeren Temperaturen für Anfang Mai passen seiner Meinung nach wunderbar.  Ähnlich scheinen es die meisten Landwirte selbst zu sehen: Viele rufen in diesen Tagen bei der Wetterwelt in Kiel an, um nach den Prognosen zu fragen. „Angesichts der besseren Aussichten sind die meisten aber relativ entspannt“, erzählt Meteorologe Wache.

Obstbauern aus dem Kreis Pinneberg sorgen trotzdem vor: Bereits mehrfach in den vergangenen Wochen seien sie vom Frostalarm aus dem Bett geklingelt geworfen worden, um ihre Beregnungsanlagen anzuwerfen, so Georg Kleinwort, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Sie versprühten über die Blüten gefrierendes Wasser. Das Ziel: Die dabei freiwerdende Energie soll die Pflanzen wärmen. Bei den Apfelbäumen ist Kleinwort zuversichtlich: Besondere Sorgen macht sich der Haselauer aber um die Kirschbäume, deren Blüten schon weiter gediehen sind als die der Apfelbäume. „Wir haben derzeit noch keine Ahnung, wie sich die Ernte entwickeln wird.“

Wie sich Wetterumschwünge auf wetterfühlige Menschen auswirkt, können Sie in diesem Interview mit dem Biometeorologen Andreas Matzarakis nachlesen.

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<p>Anna-Kathrin Gellner</p> von
erstellt am 25.Apr.2017 | 12:22 Uhr

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