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Nordseeküste : Schlickgras von Giftpilz befallen

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Ein giftiger Pilz befällt das Schlickgras im Wattenmeer. Im Herbst könnte durch ihn Lebensgefahr bestehen - für grasende Schafe, aber auch für neugierige Kleinkinder.

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erstellt am 24.Mai.2013 | 10:42 Uhr

Flensburg/Hannover | Die sporenartigen Gebilde in den Rispen der Pflanze entpuppten sich als Mutterkorn. Der Pilz mit dem lateinischen Namen Claviceps purpurea befällt meist Roggen. "Dass Claviceps auch Schlickgras besiedelt, war uns neu", erklärte die Biologieprofessorin Jutta Papenbrock am Mittwoch. Die Wissenschaftler konnten den Pilz in Schlickgras-Beständen an der gesamten Wattenmeerküste von den Niederlanden bis nach Dänemark nachweisen.
In Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe der Tierärztlichen Hochschule Hannover fanden sie heraus, dass die Giftkonzentrationen größer waren als beim Roggen-Mutterkorn. Die giftigen Überwinterungsorgane des Pilzes - sogenannte Sklerotien - entwickeln sich im Herbst. "Allerdings haben wir festgestellt, dass das Gift kaum abgebaut wird", sagte Papenbrock. Mehrere der Sklerotien könnten ein Kleinkind töten. Voraussetzung wäre, dass sich ein Kind unbedarft die fruchtähnlich aussehenden Pilze in den Mund steckte und verschluckte. Nach Auskunft eines Mitarbeiters der Hochschule kein undenkbares Szenario, wenngleich die Gefahr für grasende Schafe fraglos größer sei.

zuständige Ämter wurden bereits informiert

Das Schlickgras Spartina anglica wurde zunächst zur Küstenbefestigung in England und Holland angebaut. Inzwischen findet sich die ursprünglich aus Amerika stammende Pflanze fast überall an der Nordsee bis an die Deiche. Die zuständigen Ämter und die Nationalparkverwaltung wurden bereits informiert. Das Umweltministerium in Schleswig-Holstein erklärte, das Schlickgras werde beobachtet, um Veränderungen festzustellen. Bislang sei aber nichts auffälliges entdeckt worden. "In Zusammenarbeit mit Fachleuten anderer Wattenmeeranrainer" werde geprüft, welche Maßnahmen darüber hinaus ergriffen würden, hieß es am Mittwoch.
Um die Ausbreitung zu stoppen, müsse man Experten ins Boot holen und international zusammenarbeiten, forderte Biologieprofessorin Papenbrock. In Deutschland sei der Fund der erste, aus Holland, Belgien und Frankreich gebe es aber ähnliche Meldungen.
In einer Warnliste des Bundesamtes für Naturschutz wird Schlickgras als invasive Art aufgeführt, die andere Pflanzen verdrängt und sich negativ auf die Fischerei und den Tourismus auswirkt. Negative gesundheitliche Auswirkungen werden hier aber verneint.

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