Tragischer Tod : Schleswiger Lehrerin stirbt an Tuberkulose

Die Dannewerk-Gemeinschaftsschule in Schleswig. Foto: Welkener
Die Dannewerk-Gemeinschaftsschule in Schleswig. Foto: Welkener

Eine Lehrerin der Schleswiger Dannewerk-Gemeinschaftsschule ist an Tuberkulose gestorben. Schule und Stadt trauern.

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06. Juni 2013, 10:19 Uhr

Schleswig | Eine Lehrerin der Dannewerk-Gemeinschaftsschule ist am vergangenen Mittwoch an Tuberkulose gestorben. "Wir stehen noch alle unter Schock", sagte Schulleiter Gerhard Plath am Dienstag. Zur Trauer kommt die Ungewissheit hinzu, ob Schüler oder Kollegen sich angesteckt haben könnten. Über einen Rundbrief hat Plath bereits alle Eltern über die Situation informiert und zu einem außerordentlichen Elternabend am Donnerstag eingeladen.
Das Gesundheitsamt hat in dieser Woche begonnen, Blutproben von allen Lehrern zu nehmen und zu untersuchen. Die Auswertung geht schnell. Die ersten 20 Ergebnisse liegen bereits vor. Es wurden keine Erreger entdeckt. In der kommenden Woche sind die Schüler an der Reihe. Insgesamt werden 150 Personen untersucht. Der Schulbetrieb läuft unterdessen - soweit es unter diesen Umständen möglich ist - normal weiter.

Krankheit entwickelt sich seit Ostern

Für das Gesundheitsamt sind solche Gruppenuntersuchungen nach einem Tuberkulose-Fall eigentlich Routine. "Das kommt im Kreisgebiet ungefähr sechs Mal im Jahr vor," sagte Amtsärztin Dr. Jutta Korte. Doch der Kreis der Menschen, die sich infiziert haben könnten, ist üblicherweise kleiner. Und dass eine Patientin an der Lungenkrankheit stirbt, ist dank moderner Behandlungsmethoden und Antibiotika-Einsatz sehr selten geworden. Die 58 Jahre alte Lehrerin habe offenbar schon vorher ein geschwächtes Immunsystem gehabt und sei außerdem erst spät zum Arzt gegangen, sagte Korte. Wo sie sich infiziert hat, ist unklar. Nach bisherigen Erkenntnissen handelte es sich nicht um eine multiresistente Variante, wie sie seit einiger Zeit im asiatischen Teil der früheren Sowjetunion vermehrt auftritt.
Die Krankheit hatte sich bei der Lehrerin während der Osterferien zu einer offenen Tuberkulose entwickelt, die sich über Keime im ausgehusteten Schleim auf andere Menschen übertragen kann. Danach war die Frau noch zwei Tage zum Dienst erschienen. Nun sollen neben ihren Kollegen alle Schüler untersucht werden, die sie an diesen beiden Tagen unterrichtete. Dass diese sogenannte Umgebungsuntersuchung erst jetzt beginnt, liegt nicht am Tod der Lehrerin, sondern daran, dass die Erreger erst bis zu acht Wochen nach der Infektion im Blut sicher nachzuweisen sind.
Die Zahl der Tuberkulose-Fälle in Deutschland war über viele Jahre immer weiter zurückgegangen. Seit 2008 ist wieder ein Anstieg zu beobachten. "Davon haben wir im Kreis Schleswig-Flensburg aber bisher nichts beobachtet", sagte Korte.

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