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Janskurve in Nordfriesland : Schleswig-Holsteins Todeskurve

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Sie ist die Unfallkurve Nummer 1 in Schleswig-Holstein: die "Janskurve" in Nordfriesland. Die Bilanz: 10 Tote und 56 Schwerverletzte in den vergangenen zehn Jahren.

Oldenswort | In der "Rettungsleitstelle Nord" in Harrislee bei Flensburg zucken die Disponenten beim Schlagwort "Janskurve" zusammen - nirgendwo in einer Kurve im Lande hat es bislang so viele extrem schwere Verkehrsunfälle gegeben. "Wenn das Stichwort, Verkehrsunfall in der Janskurve auf unseren Alarmmeldern auftaucht, ist höchste Eile geboten - da herrscht absolute Alarmstufe", sagt Wehrführer Günter Althof aus Oldenswort (Kreis Nordfriesland).

Zehn Tote und 56 Schwer- und Schwerstverletzte in den vergangenen zehn Jahren an dieser Stelle - das ist die traurige Bilanz der Todeskurve in Schleswig-Holstein. Nirgendwo in einer Kurve im Lande hat es bislang eine derart große Häufung von extrem schweren Verkehrsunfällen gegeben.

Eine Bilanz:

Pfingstsonntag, 11. Juni 2000, ein sprichwörtlicher Bilderbuchtag mit viel Verkehr auf der B5. Doch um 14.16 Uhr passiert die Katatstrophe: Sieben Schwerstverletzte und eine Tote sind die traurige Bilanz eines Verkehrsunfalls. Fünf Rettungswagen, zwei Notarzteinsatzfahrzeuge und der Rettungshubschrauber "Christoph 42" aus Rendsburg sind am Einsatzort. Die Unglücksstelle bietet ein Bild des Grauens; ein Sachverständiger wird per Streifenwagen an den Unglücksort geholt.

1. Juli 2004: Großalarm gegen Mittag für drei Rettungshubschrauber, zwei Notarzteinsatzfahrzeuge, fünf Rettungswagen und zwei Feuerwehren mit Rettungsscheren. Trotz aller Bemühungen der Retter sterben fünf Autoinsassen, darunter Kinder bei einem Frontalaufprall - drei vor Ort und zwei nach Einlieferung in die Klink.

11. Juni 2005: Eine 19-jährige Schülerin prallt ungebremst mit einen entgegenkommenden BMW zusammen - drei Menschen werden schwer verletzt.

25. Mai 2007: Ein Lastwagen geht in Flammen auf. Kurze Zeit später kann sich der dithmarscher Fernsehkoch Thies Möller gerade noch rechteitig aus seinem brennenden Volvo retten.

2. Juli 2009: Ferienbeginn, die Autos reihen sich aneinander. Kurz vor 14 Uhr gerät eine Fahrerin aus Hessen in den Gegenverkehr - mehrere Personen werden eingeklemmt. Zwei Autos und ein Motorrad rasen in die Unfallfahrzeuge hinein. Zwei Tote und sechs Schwerstverletzte sind zu beklagen.

12. Mai 2010: Bei dem vorläufig letzten tödlichen Unfall in der Todeskurve stirbt eine 20-jährige Autofahrerin als sie mit ihrem Fiat Punto in einen VW-Campingbus rast, es gibt mehrere Schwerverletzte.

30. Oktober 2010: Der vorläufig letzte Unfall in der Todeskurve. Auf der B5 bei Oldenswort herrscht an diesem Sonnabendnachmittag reger Verkehr. Doch plötzlich geht nichts mehr: Ein Richtung Norden fahrender 31-Jähriger gerät mit seinem Auto auf die Bankette und dann in den Gegenverkehr. Er prallt frontal mit einem Mercedes zusammen, an dessen Steuer ein 61-Jähriger sitzt. Ein Fahrer wird eingeklemmt, drei Personen tragen schwere Verletzungen davon.

Die Retter fordern, den Unfallschwerpunkt zu entschärfen. Kreiswehrführer Christian Albertsen sagt: "Ich habe viele schlaflose Nächte. Zwar sind in diesem Jahr endlich die 70 km/h-Schilder aufgestellt worden - aber das allein bringt es nicht. Egal, von welcher Seite man auf diese Kurve zufährt, man hat zuviel Geschwindigkeit drauf. Bis auf eine Getötete waren alle bedauernswerten Opfer Auswärtige." Die mehrfach wiederholte Forderung des Chefs aller 136 Feuerwehren in Nordfriesland: "Wir Feuerwehren müssen NACH einem Unfall tätig werden - andere müssen es VORHER!" Sein Vorschlag: Aufstellung von blinkenden Warnlichtern wie am Ende der B5-Ausbaustrecke bei Horstedt (Kreis Nordfriesland). "Ein blinkendes Licht sieht jeder schon von Weitem - auch am helllichten Tag und gegen die Sonne. Mit dieser Maßnahme sind die Unfallzahlen bei Horstedt zurückgegangen", so Albertsen. Und: "Ich kann nichts fordern - aber immer wieder darauf hinweisen.

Im Übrigen gilt: Unfallrettung ist keine Arbeit, die an einem so vorbeigeht. Nicht umsonst haben wir im vergangenen Jahr ein Einsatzteam für psychosoziale Unterstützung auf die Beine gestellt. Diese furchtbaren Ereignisse können Einsatzkräfte traumatisieren - und das darf nicht unterschätzt werden!"

Oldensworts Gemeindewehrführer Günter Althof möchte am liebsten nicht mehr zur Janskurve gerufen werden - zu viele schreckliche Bilder sind in seinem Kopf gespeichert. Doch bis dahin sagt er: "Die Janskurve ist ein richtig heißes Eisen!"

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erstellt am 12.Nov.2010 | 11:06 Uhr

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