zur Navigation springen

Nachwuchs fehlt : Schleswig-Holsteins Chöre sterben: Ist Singen uncool?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wandel in der Chorlandschaft: Jedes Jahr geben zehn Vereine auf. Frauenchöre sind etwas beliebter. Das hat seine Gründe.

Kiel | Die Chor-Landschaft in Schleswig-Holstein steht vor einem gewaltigen Umbruch. Im ganzen Land gibt es Vereins-Fusionen, weil neue Mitglieder fehlen, warnt der Sängerbund Schleswig-Holstein. „Eine ganze Reihe von Chören haben sich mangels Nachwuchs aufgelöst“, sagt Sängerbund-Geschäftsführerin Waltraud Grapentien. Jedes Jahr würden neben einigen wenigen Neugründungen zehn Chöre aufgeben. So ist die Zahl auf mittlerweile 385 Chöre mit 10.000 aktiven Sängern und 1200 Kinder- und Jugendsängern geschrumpft. 2008 waren es noch 435 Chöre.

Zu beobachten war das Chor-Sterben zuletzt auf der Halbinsel Eiderstedt. Vier Chöre – der älteste von ihnen 1844 gegründet – fusionierten vergangenes Jahr zum Gemischten Chor Eiderstedt. „Die Vereine waren am Ende für sich zu schwach besetzt, um aufzutreten“, sagt ihr Vorsitzender Wolf Zimmermann. Doch auch in der neuen Gemeinschaft aus 43 aktiven Sängerinnen und Sängern liegt der Altersdurchschnitt bei über 70 Jahren. Trotz aller Bemühungen bleiben neue Mitglieder aus und für die verbleibenden ist es nicht leichter geworden. Sie müssen zu den Proben weitere Strecken zurücklegen.

Vor allem Männerchöre auf dem Land haben mit großen Problemen zu kämpfen, berichtet Sängerbund-Geschäftsführerin Waltraud Grapentien. „Viele Jüngere wollen nicht in diese alt eingesessenen Männer-Gemeinschaften eintreten.“ Die Altersstruktur liege gerade bei diesen Chören bei 60 plus. Die Ursachen dafür seien vielschichtig und teilweise hausgemacht. „Männerchöre sterben aus, weil das Repertoire bei jüngeren Menschen nicht mehr so gut ankommt“, erklärt Grapentien.

Frauenchöre seien offener. Während viele Männerchöre Shantys und Seemannslieder singen, wagen sich Frauen auch in die Bereiche Rock und Pop. Auf der anderen Seite können englische und französische Texte moderner Lieder zum Sprachproblem für ältere Menschen werden.

Lieder wie diese gehören zum Repertoire des Frauenchors „Jazzica“ in Kiel. Er wurde 1990 mit 20 aktiven Frauen gegründet. Heute hat „Jazzica“ 80 Vereinsmitglieder und für einige Stimmgruppen sogar einen Aufnahmestopp. Auch Chorleiter Till Kindschus sieht einen Wandel in der Chorlandschaft: „Früher war der Gesangsverein im Dorf eine gesellschaftliche Institution und es ging nicht nur ums Singen sondern auch um persönliche Bekanntschaften. Das ist heute nicht mehr so.“ Heute käme es viel mehr darauf an, wie ein Chor singt. Das Genre sei unerheblich. „In Schleswig-Holstein gibt es Perlen und tolle Männerchöre. Aber viele Gesangsvereine pflegen ihre Musik schäbig, weil sie nicht gut singen“, so Kindschus. Gutes Singen wiederum sei gegenwärtig die einzige Möglichkeit, neue Mitglieder zu bekommen.

Würden Sie gerne Mitglied in einem Chor werden?

zum Ergebnis
 
zur Startseite

von
erstellt am 23.Feb.2015 | 14:52 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen