Christchurch/Neuseeland : Schleswig-Holsteinerin berichtet von Erdbebenangst

Ilka Norrie aus Bad Oldesloe lebt in Neuseeland - auf die Erdbebengefahr ist sie vorbereitet. Mit Vorräten,viel Lebensmut und Gelassenheit.

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27. Dezember 2011, 09:47 Uhr

Die Einwohner der neuseeländischen Stadt Christchurch kommen nach dem heftigen Erdbeben von Freitag nicht zur Ruhe. Davon weiß auch Ilka Norrie aus Bad Oldesloe zu berichten. Viele Bewohner der zweitgrößten Stadt Neuseelands verbringen das Weihnachtsfest in Angst, wie sie sagte. Seit Freitag wurden etwa 30 Nachbeben verzeichnet. "Die Stimmung ist flach, viele sind sprachlos. Und schockiert, wer erwartet schon ein Beben zu einem bestimmten Zeitpunkt. Viele haben Angst, es gibt Hilflosigkeit und Trotz", sagt die 43-Jährige.
Die Frau aus Schleswig-Holstein lebt seit 1996 auf der Südinsel Neuseelands und hat die Erdbebenserie der vergangenen 15 Monate in Christchurch miterlebt. Sie lernte ihren Mann bei einer Reise in Australien kennen und zog mit ihm nach Neuseeland. Norrie wohnt mit ihren Kindern in der Woche in Christchurch, wo sie zur Schule gehen, an Wochenenden und in den Ferien mit der Familie auf der gemeinsamen Farm weiter nördlich in Canterbury. Dort spürte Norrie die Beben am Freitag deutlich.
"Das Leben ist eben lebensgefährlich"
"Wir sind froh, dass wir nicht in der Stadt waren. Der emotionale Stress ist auch so groß genug, ohne die akute Angst, die man während eines Erdbebens erlebt." Norrie kennt Familien, die nach dem schweren Beben in Christchurch im Februar, als 181 Menschen starben, fortgezogen sind, weil die Kinder emotional zu betroffen waren. Sie habe auch schon daran gedacht, der Region den Rücken zu kehren. Doch sei die Familie ihres Mannes seit Generationen in Canterbury. "Sein Herz ist dort", sagt Norrie, auch die Kinder seien dort verwurzelt.
"Wenn man wegziehen will, muss man auch andere Risiken abwägen: Buschfeuer, Fluten Schneekatastrophen, Gewalt - die Liste ist unendlich", sagt Norrie. "Ich halte es mit Erich Kästner: das Leben ist eben lebensgefährlich." Sie habe Notfallrationen und Wasservorräte angelegt, auch Zelte und Schlafsäcke seien vorhanden.
"Es geht darum, das Risiko zu erkennen und sich darauf vorzubereiten, ohne die Tage angsterfüllt und in Erwartung einer neuen Katastrophe zu verbringen." Aber: "Jedes große Beben kann die persönliche Position komplett umkrempeln", sagt Norrie.

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