Bundesvergleich : Schleswig-Holsteiner verheizen am meisten

Die Rendsburger drehen am weitesten auf: So viel Heizöl wie in der Stadt am Kanal wird nirgendwo anders in Deutschland verbraucht. Foto: Schönstedt
Die Rendsburger drehen am weitesten auf: So viel Heizöl wie in der Stadt am Kanal wird nirgendwo anders in Deutschland verbraucht. Foto: Schönstedt

Die Rendsburger sind die absoluten Spitzenreiter in Deutschland: Sie verbrauchen am meisten Heizenergie. Energiesparmeister im Norden: Neumünsteraner.

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09. Juli 2008, 04:19 Uhr

Ganz Deutschland leidet unter den steigenden Energiepreisen. Besonders hart trifft das Preiskarussell die Rendsburger - sie verschleudern so viel Heizöl wie niemand sonst in Deutschland. Das geht aus einer bundesweiten Studie des Ablesedienstleisters Techem hervor. So verbrauchten die Rendsburger mit 18,7 Liter pro Quadratmeter Wohnfläche (l/qm) in der Heizperiode 2006/07 knapp 40 Prozent mehr als die Deutschen im Durchschnitt (13,5 l/qm). Damit liegen die Kanalstädter am Ende der 92 Städte umfassenden Untersuchung. Am wenigsten wird in Bochum (10,46 l/qm) verbraucht.
Auch Schleswig ist von diesen Werten weit entfernt. Dort wurden in den Haushalten 17,66 l/qm verheizt. Immerhin: 6,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Lübecker verbrauchten 17,1 l/qm. Am besten in Schleswig-Holstein steht Neumünster da: Hier verbrauchte jede Wohnung im Schnitt 13,46 Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche, liegt damit also noch 0,04 Liter unter dem Bundesdurchschnitt - Platz 58. Zwischen Neumünster und Rendsburg liegen Kiel (14,71 l/qm) und Itzehoe (14,72 l/qm).
Rauhes Klima, alte Gebäude
Doch warum schneidet Rendsburg so schlecht ab? Laut Techem-Niederlassungsleiter Christian Tost hat das mehrere Gründe. Unter anderem sei Schleswig-Holstein als Nordlicht mit seiner Lage zwischen den Meeren klimatisch benachteiligt. Dass es aber nicht nur mit dem Klima zusammenhängt, beweist die Entwicklung Neumünsters. "Dort wurde in den vergangenen Jahren viel saniert", sagt Tost. Noch beim Start der jährlichen Studie vor acht Jahren hatte Neumünster mit 22,2 l/qm am schlechtesten abgeschnitten. Zum Vergleich: Rendsburg hat sich in diesem Zeitraum gerade einmal um einen Liter verbessert. "Die Eigentümer in Rendsburg sollten sich an Neumünster ein Beispiel nehmen", rät der Experte. Doch viele seien gehemmt. "Die Kosten für die Investition muss der Besitzer tragen. Davon profitieren tut später aber der Mieter", erläutert Tost.
Die Rendsburger lassen sich ihr Heizverhalten viel kosten: Statistisch gesehen zahlt der Mieter einer 70 Quadratmeter großen Wohnung im Jahr 200 Euro mehr als in einer gleichgroßen Wohnung in Neumünster.
So sparen Sie Heizkosten - Tipps der Verbraucherzentrale
Auch wenn Ihr Vermieter nicht modernisieren will, können Sie mit ein paar Tricks manche Kosten sparen. Margrit Hintz, Energiereferentin der Verbraucherzentrale in Kiel, nennt die Faustformel: "Schon ein Grad weniger Raumtemperatur spart täglich fünf Prozent Heizkosten." Die meiste Energie geht durch falsches Lüften flöten. Der Expertenrat: Stoßlüften. "Bei Fenstern auf Kipp kühlen die Wände aus, die Räume werden später nicht so schnell wieder warm." Deshalb lieber nach dem Aufstehen alle Fenster für ein paar Minuten ganz aufmachen. Wer danach die Wohnung für mehrere Stunden verlässt, sollte auch die Heizung aus lassen. Hintz: "Man sollte beim Zurückkommen lieber für ein paar Minuten kalte Räume in Kauf nehmen, ruhig noch mal Stoßlüften und dann die Heizungen voll aufdrehen." Solange, bis es warm genug ist. 21 Grad im Wohnraum, 18 Grad im Schlafraum reichen vollkommen. Wegen des Temperaturunterschiedes sollte die Tür zum Schlafzimmer am besten immer zu sein.
Ein großer Heizkosten-Vernichter sind auch undichte Fenster oder Türen. "Um Zugluft aufzuspüren, kann man mit einer Kerze Fenster- und Türrahmen abtasten. Bewegt sich die Flamme, zieht es", so Hintz. In diesem Fall sollte die Isolierung überprüft werden. Oft reicht es auch schon, die Aufhängung neu zu justieren. Falls etwas ausgetauscht werden muss, ist der Vermieter gefragt.

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