Krebs-Früherkennung : Schleswig-Holsteiner sind Vorsorge-Muffel

Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-Mammographie. /Archiv
Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-Mammographie. /Archiv

Zahlen der AOK Nordwest belegen, dass im vergangenen Jahr weniger Frauen und Männer zur Krebsvorsorge gegangen sind.

shz.de von
13. Juli 2018, 11:18 Uhr

Kiel | Nicht einmal jeder fünfte Mann über 45 Jahre (18,6 Prozent) nutzte in Schleswig-Holstein einer Auswertung der AOK Nordwest zufolge im vergangenen Jahr die Angebote zur Krebs-Früherkennung. Zwar sei bekannt, dass Männer große Vorsorgemuffel sind, jedoch sei der Rückgang um 1,4 Prozent im Vergleich zu 2016 sichtbar. Auch bei den Frauen sei ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten. Danach waren in 2017 nur 36,9 Prozent der Frauen ab dem Alter von 20 Jahren bei der Krebs-Früherkennung. In 2016 betrug der Anteil noch 39,1 Prozent.

Krebs ist bei Männern und Frauen in Schleswig-Holstein nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache. Nach den derzeit aktuellen Zahlen des Krebsregisters Schleswig-Holstein wurden im nördlichsten Bundesland im Jahr 2015 insgesamt 19.349 Krebs-Neuerkrankungen und 8784 Todesfälle erfasst.

Laut AOK sei es daher umso wichtiger, auf Warnzeichen des Körpers zu achten und Risiken nicht zu ignorieren. „Besonders Männer gehen bei Schmerzen oder anderen Krankheitssymptomen häufig erst spät zum Arzt“, sagt der Vorstandsvorsitzende der AOK, Tom Ackermann. Außerdem würden viele die Früherkennungsuntersuchungen meiden, weil sie ihnen unangenehm erscheinen oder sie sich noch keine Gedanken darüber gemacht haben. Finanzielle Gründe für das geringe Interesse an der Krebsvorsorge würden ausscheiden. „Die gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig bezahlt”, so Ackermann.

Untersuchung für Männer: Prostata und Darmspiegelung

Männer haben ab dem Alter von 45 Jahren einmal im Jahr Anspruch auf Untersuchungen zur Früherkennung von Krebserkrankungen. Dazu gehören die Untersuchung der Prostata, der äußeren Geschlechtsorgane sowie das Abtasten der regionären Lymphknoten. Ab 50 Jahren wird auf Wunsch einmal jährlich eine Tastuntersuchung des Enddarms und ein Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl vorgenommen. Im Alter von 55 Jahren besteht dann die Wahlmöglichkeit: Entweder können im Abstand von mindestens zehn Jahren zwei Darmspiegelungen (Koloskopien) durchgeführt werden oder alle zwei Jahre ein weiterer Schnelltest.

Krebs-Früherkennung für Frauen

Frauen haben ab dem Alter von 20 Jahren einmal jährlich Anspruch auf Krebs-Früherkennung. Dazu gehören Untersuchungen der Geschlechtsorgane und ein Abstrich vom Muttermund sowie aus dem Gebärmutterhals. Ab dem 31. Lebensjahr ist zusätzlich ein Abtasten der Brust und der Achselhöhlen vorgesehen. Von 50 bis 69 Jahren kann alle zwei Jahre eine Mammographie im Rahmen des Mammographie-Screenings durchgeführt werden. Zur Darmkrebsfrüherkennung wird ab dem 51. Lebensjahr einmal jährlich eine Tastuntersuchung des Enddarms sowie ein Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl angeboten. Ab dem Alter von 55 Jahren gilt auch hier die Wahlmöglichkeit zwischen Darmspiegelungen und Schnelltest.

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