Keine Landesmittel mehr : "Schleswig-Holstein-Tag" hängt in der Schwebe

Die Pracht der Tracht wird jährlich auf dem 'SH-Tag' gezeigt - wie hier vergangenes Jahr in Rendsburg. Foto: Dewanger
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Die Pracht der Tracht wird jährlich auf dem "SH-Tag" gezeigt - wie hier vergangenes Jahr in Rendsburg. Foto: Dewanger

Der Heimatbund soll das Landesfest ausrichten. Vom Land aber kommen keine Zuschüsse mehr. Also: Harter Sparkurs beim "SH-Tag". Ob das funktioniert, ist unklar.

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07. April 2011, 11:20 Uhr

KIEL | Gibt es nie wieder einen "Schleswig-Holstein-Tag"? Das zentrale Landesfest ist "in finanzieller Bedrängnis. Wir prüfen die Tragfähigkeit neuer Konzepte, können aber derzeit nicht 100-prozentig sagen, ob die Veranstaltung gesichert ist", erklärt der Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Heimatbunds (SHHB), Dirk Wenzel. Er steuert in Personalunion auch das Kuratorium des "Schleswig-Holstein-Tags". 1978 hatte der damalige Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg den Heimatbund federführend mit der Austragung des Landesfestes betraut.
Wegen dieses nie widerrufenen, schriftlich fixierten Auftrags aus der Staatskanzlei stößt es der SHHB-Vorsitzenden Jutta Kürtz "bei allem Verständnis für die Spar-Notwendigkeiten" übel auf, dass das Land im Doppelhaushalt für 2011 und 2012 seine Zuschüsse zu der Veranstaltung von 135.000 Euro auf null heruntergefahren hat. Kürtz beklagt eine für sie paradoxe Situation: "Wir planen jetzt ein Fest, das eigentlich eines des Landes ist - ohne Beteiligung des Landes." Nirgendwo anders, ob nun "Tag der Niedersachsen", "NRW-Tag" oder "Hessen-Tag", gebe es eine solche Konstellation. Kürtz: "Es geht hier nicht darum, dass ein paar Heimatfreunde sagen lasst uns mal ein Fest feiern - wir richten den Schleswig-Holstein-Tag& aus, weil der Erlass dies so vorsieht." Ziel damals wie heute: Die Beziehung der Menschen zu Schleswig-Holstein zu stärken und das Gemeinschaftsgefühl, insbesondere aller im Ehrenamt engagierten, zu fördern.
2012 steht der nächste "SH-Tag" an
Dem zweijährigen Rhythmus folgend, stünde im Sommer 2012 der nächste "SH-Tag" an. Zum letzten waren 2010 über drei Tage rund 300.000 Besucher nach Rendsburg gekommen. 200 Vereine präsentierten sich dort gegliedert nach acht thematischen Meilen und machten sie damit zur mit Abstand größten Plattform für die Vielfalt des Ehrenamts im Norden. An einem Festumzug wirkten 2000 Aktive mit.
Trotz aller Hürden hat das Kuratorium des "SH-Tags" soeben über die kommunalen Spitzenverbände ein Schreiben verschickt, das Städte und Gemeinden aufruft, innerhalb der nächsten sechs Monate ihr prinzipielles Interesse an einer Ausrichtung des nächsten Festes zu prüfen. Wie bei früheren Durchgängen müsse die gastgebende Kommune mit einem Eigenanteil von etwa 50.000 Euro kalkulieren, deutet Wenzel an. Darüber hinaus richten sich noch mehr Hoffnungen als sonst auf Sponsoren. Dass der Gesamt-Etat wie letztes Mal in die Nähe einer halben Million Euro kommt, halten Wenzel und Kürz eben wegen der Landeskürzung für ausgeschlossen. Format und Größenordnung des "SH-Tages" würden auf jeden Fall andere sein. Statt vier Bühnen nur zwei zeichne sich zum Beispiel als eine Konsequenz ab. Vor allem könne nicht mehr jeder Verein, der sich einzeln darstellen wolle, dafür ein eigenes Pagodenzelt erhalten. Insbesondere deren Miete sei vom Landeszuschuss subventioniert worden.
Vize-Regierungssprecher Rainer Thumann sagt: "Es ist ein schmerzlicher, aber notwendiger Einschnitt, denn eine solche Veranstaltung gehört ganz klar nicht zu den Kernaufgaben des Landes." In dem Erlass sei nur allgemein von einer Unterstützung des Landes die Rede, nicht aber konkret von einer finanziellen. Und "organisatorisch und ideell" wolle die Staatskanzlei dem Tag weiter unter die Arme greifen - zum Beispiel bei der Akquise von Sponsoren."
(fju, shz)

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