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Kinderschutzbund in Sorge : Schleswig-Holstein, Land der Nichtschwimmer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswig-Holstein ist meerumschlungen - und damit für viele bedrohlich. Jeder zweite Vierklässler im Land kann nicht sicher schwimmen.

Kiel | Der Kinderschutzbund in Schleswig-Holstein ist besorgt über die unzureichende Schwimmfähigkeit der sechs- bis zehnjährigen Kinder. „Dass laut Umfragen fast jeder zweite Viertklässler nicht sicher schwimmen kann, ist alarmierend“, sagt die Landesvorsitzende Irene Johns. Sie kritisiert, dass in Schleswig-Holstein der im Lehrplan für die Grundschulen vorgesehene Schwimmunterricht „längst nicht mehr überall stattfindet“. Dieser Unterricht müsse jetzt von Land und Kommunen finanziell abgesichert werden.

Nach den Worten von Johns haben nicht alle Eltern die finanziellen Möglichkeiten, ihre Kinder zu privaten Schwimmkursen zu schicken. Vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien hätten deshalb Probleme, sicheres Schwimmen zu lernen.

Nach Angaben des DLRG-Landesgeschäftsführers Thies O. Wolfhagen kommen weitere Faktoren hinzu. So stehe – anders als früher – heutzutage bei vielen Eltern gar nicht mehr auf der Tagesordnung, ihren Kindern selbst das Schwimmen beizubringen. Gleichwohl aber sei das Interesse sehr groß, die Kleinen beim professionellen Schwimmunterricht anzumelden. „Bei unseren rund 100 Ortsgruppen sind nahezu alle angebotenen Kurse wahnsinnig voll“, sagt Wolfhagen.

Allerdings sei es um die Gelegenheiten für Schwimmkurse von Vereinen und Schulen in Schleswig-Holstein zusehends schlechter bestellt, sagt der DLRG-Landesgeschäftsführer. Vielerorts würden aus finanziellen Gründen Schwimmbäder und -hallen geschlossen. Auf der anderen Seite werden aber „reine Spaßbäder gebaut“, die für den Schwimmunterricht ungeeignet seien. „Hier fehlt es an einer übergeordneten Planung“, meint Wolfhagen. Vorbildlich seien dagegen Erlebnisbäder wie das „Arriba“ in Norderstedt, wo explizit Becken für das Schwimmtraining geschaffen worden seien, lobt der Lebensretter. Nach Wolfhagens Einschätzung ist das Nichtschwimmer-Problem ausgerechnet im Land zwischen den Meeren größer als in süddeutschen Bundesländern.

Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein sieht Hamburg als Vorbild: Hier sei der obligatorische Schwimmunterricht „auf die frühen Jahrgänge konzentriert worden“, wie Schulbehördensprecher Peter Albrecht bestätigt. Seit diesem Schuljahr ist demnach in den Klassen drei und vier je ein halbes Jahr Schwimmunterricht Pflicht. Das Ziel: Die Kinder sollen am Ende der Grundschulzeit „sicher schwimmen“ können, also das Jugendschwimmabzeichen in Bronze, mindestens aber das Seepferdchen gemacht haben.

Bis es in Schleswig-Holstein soweit sei, versuche auch der Kinderschutzbund zu helfen, wo er kann, so Landesvorsitzende Irene Johns. So sei in Rendsburg ein spendenfinanziertes Projekt erfolgreich gestartet, bei dem Grundschülern aus sozial und wirtschaftlich benachteiligten Familien Schwimmunterricht ermöglicht wurde. Bisher hätten in den Kursen, die in Kooperation mit vier Grundschulen angeboten werden, bereits 70 Kinder ihr Seepferdchen gemacht.

Nach dem Kindersicherheitsreport 2014 der Axa Versicherungen lernen Kinder heute im Durchschnitt mit fünfeinhalb Jahren schwimmen, 18 Prozent sind bereits sieben Jahre oder älter. Rund zwei Drittel der Kinder lernen das Schwimmen im Schwimmkurs. Knapp ein Viertel der befragten Eltern bringt seinem Kind das Schwimmen selbst bei. Eltern allerdings schätzen demnach die Wahrscheinlichkeit von Unfällen im oder am Wasser als relativ gering ein. Tatsächlich gehöre Ertrinken aber zu den drei häufigsten tödlichen Unfallursachen bei kleinen Kindern.

Mit epd
 

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erstellt am 09.Okt.2014 | 14:35 Uhr

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