Altenpflege : Schleswig-Holstein droht der Pflegenotstand

Demografischer Wandel, steigender Bedarf: In Schleswig-Holstein werden bis 2020 rund 11.000 zusätzliche Kräfte in der Altenpflege benötigt.

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21. Juli 2011, 10:50 Uhr

Kiel | Die Rechnung kann nicht aufgehen - das sieht jeder Viertklässler: Rund 530 Absolventen "produzieren" die Altenpflegeschulen in Schleswig-Holstein pro Jahr, davon werden 500 eingestellt, um ausscheidende Arbeitskräfte in den Pflegeheimen zu ersetzen. Benötigt werden jedoch bis 2020 mindestens 4000 zusätzliche examinierte Kräfte, um den wegen des demografischen Wandels steigenden Bedarf abzudecken. "Schleswig-Holstein läuft sehenden Auges in einen Pflegenotstand", bilanzierte am Dienstag der Chef der Bundesarbeitsagentur Nord, Jürgen Goecke, und forderte ein neues Finanzierungsmodell für die dreijährige Ausbildung. Derzeit bezahle das Sozialministerium Schulplätze für 1300 Altenpfleger (pro Jahrgang rund 430).
Zusätzlich werden 300 Plätze für Arbeitslose von der Bundesagentur finanziert. "Es ist nicht Aufgabe der Versicherten, zehn Millionen Euro pro Jahr für die Qualifikation von Mitarbeitern in einem Mangelberuf zu zahlen", so Goecke. Angesichts von 420 offenen Stellen in der Altenpflege sei die Ausweitung des Schulangebots dringend nötig. Das müsse notfalls per Umlage finanziert werden, damit auch ambulante Dienste, die derzeit kaum ausbilden, an den Kosten beteiligt werden. Zudem kritisierte Goecke das Ausbildungssystem als "zu unflexibel". In allen anderen Berufen könne - bei Eignung oder Erfahrung - die Lehrzeit auf zwei Jahre verkürzt werden. Weder Politik noch Betriebe hätten aus der "bekannten Problematik die notwendigen Folgerungen gezogen". Schwere körperliche Arbeit werde von den Trägern schlecht bezahlt und zu viele Mitarbeiter würden in Teilzeit gezwungen. "Egal welches Jobcenter ich frage, als größtes Problem wird die Suche nach Altenpflegern genannt und nicht nach Ingenieuren." Es sei ein Unding, dass "wir in dieser Situation ausbildungswillige Jugendliche abweisen, weil Schulplätze fehlen", so Goecke.
(kim, shz)

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