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Von Willy Brandt bis Theodor Mommsen : Schleswig-Holstein, deine Nobelpreisträger

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Aus der Onlineredaktion

In Stockholm werden in dieser Woche die Nobelpreise verliehen. Im 20. Jahrhundert gingen auch mehrere Preise an Schleswig-Holsteiner. shz.de blickt zurück.

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erstellt am 06.Okt.2014 | 20:56 Uhr

1971: Willy Brandt

Der 7. Dezember 1970: Der deutsche Bundeskanzler kniet in Warschau am Mahnmal des Ghetto-Aufstandes von 1943.
Der 7. Dezember 1970: Der deutsche Bundeskanzler kniet in Warschau am Mahnmal des Ghetto-Aufstandes von 1943. Foto: dpa

Bundeskanzler Willy Brandt erhält 1971 den Friedensnobelpreis – für seine Ost- und Deutschlandpolitik. Der SPD-Politiker wird 1913 in der Lübecker Vorstadt St. Lorenz-Süd unter dem Namen Herbert Frahm geboren, den Namen Willy Brandt gibt er sich 1933 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. Er reist über Dänemark nach Oslo aus und arbeitet dort als Journalist. Nach seiner Rückkehr widmet Brandt sich der Politik. 1957 wird er Regierender Bürgermeister in Berlin, 1966 Außenminister unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger. 1969 wird Willy Brandt Bundeskanzler und beschwört einen Wandel der politischen Kultur. Am 7. Dezember 1970 kniet der Bundeskanzler in Warschau am Mahnmal des Ghetto-Aufstandes von 1943. Mit dem historischen Kniefall leitet er symbolisch die Entspannungspolitik ein, die später in die Ostverträge mit Polen und der Sowjetunion mündet.

1929: Thomas Mann

Thomas Mann im Jahr 1926.
Thomas Mann im Jahr 1926. Foto: dpa

Auch Paul Thomas Mann (1875 -1955)  ist ein Kind der Hansestadt Lübeck – hier lebt er bis zu seinem 23. Lebensjahr. In seinen Werken beschreibt erdas Lübeck seiner Kaufmannsfamilien-Kindheit. Thomas Mann erhält 1929 im zweiten Anlauf den Literaturnobelpreis – allerdings nicht für sein aktuelles Werk „Der Zauberberg“, sondern sein Debüt „Buddenbrooks“, das damals schon 30 Jahre alt war. Am 11. Februar 1933 beginnt Mann eine Reise durch Europa, von der er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nicht zurückkehrt. 1936 wird ihm die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Mann emigriert 1938 mit seiner Familie in die USA und lebt seit 1952 bis zu seinem Tod in der Schweiz.

1918: Max Planck

Max Planck, im Hintergrund eine Szene aus dem Max-Planck-Institut.
Der Physiker Max Planck, im Hintergrund eine Szene aus dem Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena. Foto: Montage: dpa

Der berühmte Physiker (1858 – 1947) stammt aus Kiel, studiert in München und Berlin. Von 1885 bis 1889 lehrt er sogar in seiner Heimatstadt, von 1889 bis 1926 in Berlin. 1918 erhält er den Nobelpreis für Physik. Seine Quantentheorie bedeutet eine grundlegende Umgestaltung der Physik: Planck entdeckt, dass Energie von einem Körper nicht kontinuierlich, sondern in Sprüngen abgegeben wird, den sogenannten Quanten. Max Planck übernimmt 1930 die Leitung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die sich später als Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (MPG) zu einer bedeutenden Forschungseinrichtung entwickelt.

1902: Theodor Mommsen

Theodor Mommsen.
Theodor Mommsen. Foto: Imago/United Archives International

Die Stadt Garding im Kreis Nordfriesland nennt sich noch heute die „Mommsen-Stadt“. Hier wird Christian Matthias Theodor Mommsen am 30. November 1817 geboren. Der Historiker ist einer der bedeutendsten Altertumswissenschaftler seiner Zeit. Für seine „Römische Geschichte“ wird er 1902 mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Die Anfänge seiner wissenschaftlichen Karriere liegen aber im Rechtsstudium: In Kiel studiert er Jura, lernt dabei einen anderen Jura-Studenten kennen – den späteren Dichter Theodor Storm. Sie leben sogar zeitweise in einer WG. Der Wissenschaftler Mommsen ist Zeit seines Lebens auch ein politischer Mensch.

Mommsen stirbt in Berlin-Charlottenburg, begraben wird er in Berlin-Kreuzberg. Mit seiner Frau Marie hatte er 16 Kinder, von denen zwölf das Erwachsenenalter erreichten.

Sechs Wahl-Schleswig-Holsteiner

Geboren wurden sie woanders, trotzdem sind die Namen dieser Männer mit SH verknüpft. Einige Nobelpreisträger lehrten und forschten an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel: Der Chemiker Otto Diels (1876 – 1954) erhält 1950 zusammen mit seinem Schüler Kurt Alder den Chemie-Nobelpreis für die Entdeckung der Dien-Synthese (Diels-Alder-Synthese), Philipp Lenard 1905 den Physik-Nobelpreis für seine Untersuchungen der Kathodenstrahlung. Der Biochemiker Otto Meyerhof schreibt seine Habilitation in Kiel – den Medizin-Nobelpreis für die Endeckung gesetzmäßiger Verhältnisse zwischen dem Sauerstoffverbrauch und dem Milchsäureumsatz im Muskel erhält er 1922.

Der gebürtige Niedersachse Rudolf Eucken (1846 - 1926) bekommt 1908 den Nobelpreis für Literatur - zuvor hat er in den späten 1860er Jahren als Gymnasiallehrer in Husum gearbeitet. Günter Grass, der aus Danzig stammt und heute in Behlendorf in der Nähe von Lübeck lebt, wird 1999 für sein Lebenswerk mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Und als 2007 der Weltklimarat den Friedensnobelpreis bekommt, ist auch die Freude in Flensburg groß. Olav Hohmeyer (geboren 1953) ist seit 1998 Professor für Energie- und Ressourcenwirtschaft und Direktor am Internationalen Insitut für Management der Universität Flensburg. Von 2002 bis 2008 ist er als einziger Deutscher Mitglied des internationalen „Bureau of Intergovernmental Panel on Climate Change“. So heißt der Weltklimarat offiziell.

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