Kiel : Schleswig-Holstein bangt um Schifffahrtsbehörde

Unruhe bei der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord (WSD). Offenbar soll die Verwaltung von Kiel nach Bonn umziehen. Der Bundesverkehrsminister dementiert.

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18. April 2012, 08:09 Uhr

Kiel/Brunsbüttel | Die rund 180 Mitarbeiter sollen dann mit ins Rheinland oder in Pension gehen. Die rund 2400 Mitarbeiter in den sechs Wasser- und Schifffahrtsämtern sollen aber in Schleswig-Holstein bleiben dürfen. Zur Direktion gehören außerdem die Ämter in Hamburg, Stralsund und Cuxhaven.
Der Bundesverkehrsminister will zu diesen Plänen wenig sagen. Beim ersten Spatenstich für den Bau der dritten Großschleuse in Brunsbüttel reagierte Peter Ramsauer (CSU) am Dienstagnachmittag empört: "Da kann man nur sagen, glauben Sie nicht jeden Blödsinn!"
"Wir müssen an der Zukunftsfähigkeit arbeiten"
Entsprechende Äußerungen über einen etwaigen Umzug der Bundesbehörde seien reines Wahlkampfgetöse. Gleichwohl schränkte der Minister ein: "Wir müssen an der Zukunftsfähigkeit unserer Wasser- und Schifffahrtsverwaltung arbeiten."
Die Reform der WSV befinde sich auf einem gutem Weg, meint Ramsauer. Man arbeite an einer neuen Verwaltungsstruktur, die im kommenden Monat im Bundestag vorgestellt werde - die Priorität liege auf den Bundeswasserstraßen, zu denen auch der Nord-Ostsee-Kanal und die Elbe gehört.
Verdi wettert gegen Ramsauer
Hans-Heinrich Witte, Präsident der WSD Nord, mochte das Gerücht nicht kommentieren. Es sei bislang überhaupt nichts spruchreif. Vielmehr gehe er davon aus, dass seine Behörde in Kiel bleibe, erklärte Witte gegenüber des sh:z.
Doch der Norden macht bereits mobil gegen die Überlegungen auf Bundesebene: "Wir brauchen eine Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, die auf die Seeschifffahrt ausgerichtet ist. Alles andere macht wenig Sinn", sagt Schleswig-Holsteins FDP-Vorsitzender Heiner Garg. "Und selbstverständlich muss diese Verwaltungseinheit von Kiel aus arbeiten. Mit der FDP wird es eine Verlegung der WSD von Kiel nach Bonn mit Sicherheit nicht geben." Ähnlich äußerten sich auch die Grünen.
Und auch die Gewerkschaft Verdi wettert gegen Ramsauer: "So ein Umzug wird doch wieder auf Kosten des Personals gehen", schimpft Frank Hornschu. "Nachdem in den einzelnen Ämtern Stellen nicht mehr besetzt und Aufgaben deshalb nicht mehr erledigt werden können, soll jetzt auch auf der administrativen Ebene auf dem Rücken des Personals gespart werden - koste es was es wolle", erklärte der Gewerkschafter und kündigte Widerstand gegen die Pläne an. Schon jetzt koste es den Steuerzahler Millionen, dass die Wasser- und Schifffahrtsdirektion den Betrieb von Hochseeschleppern und Fähren auf dem Nord-Ostsee-Kanal Fremdreedern überlasse. Hornschu: "Damit hat Herr Ramsauer dem deutschen Volk Schaden zugefügt - und so mit seinen Amtseid gebrochen."

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