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Friesenhof-Heime : Schläge, Isolation, Schlafentzug – Amt reagierte nicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Opposition kritisiert das Krisenmanagement im Fall der Friesenhof-Heime - und will eine Aktuelle Stunde.

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2015 | 07:21 Uhr

Kiel/Hedwigenkoog | Die FDP hat eine Aktuelle Stunde zu den Vorgängen um die Friesenhof-Heime in Dithmarschen beantragt. „Auch in der gestrigen Sozialausschusssitzung konnten die vielen Ungereimtheiten seitens des Sozialministeriums nicht ausgeräumt werden. Schlimmer noch: Wir erleben, dass täglich neue erschreckende Sachverhalte bekannt werden", heißt es in einer Pressemitteilung des FDP-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Kubicki und der sozialpolitischen Sprecherin Anita Klahn.

Im Sozialausschuss brachte die Opposition es auf den Punkt: „Wer eine Würstchenbude aufmacht, muss mit unvermuteten Kontrollen rechnen; wer eine Jugendhilfeeinrichtung betreibt, darf sich über unvermutete Kontrollen beschweren“ – für Wolfgang Dudda von den Piraten eine „absurde Situation“.

Auch Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) bedauerte gestern, dass es – nicht nur im konkreten Fall der umstrittenen Mädchenheime in Dithmarschen – oft zu lange dauert, schwarzen Schafen die Betriebserlaubnis zu entziehen. Vorausgehen müssen laut Gesetz langwierige Anhörungen, Vereinbarungen und Fristen, um Auflagen zu erfüllen. Trotz dieser strukturellen und bundesweiten Problematik konnte Alheit auf der Sondersitzung des Sozialausschusses den Eindruck nicht abwehren, dass viel zu lange mit durchgreifenden Maßnahmen gewartet, die Ministeriumsspitze vom Jugendamt nicht ausreichend informiert wurde und Ungereimheiten in den beiden Friesenhof-Heimen jeweils erst kommuniziert wurden, wenn sie nicht mehr unter der Decke zu halten waren. „Weil Kristin Alheit ihren Laden nicht im Griff hat, mussten die Mädchen leiden“, so der Vorwurf der CDU, die jetzt Akteneinsicht beantragte. Seit Monaten habe das Jugendamt die Beschwerden der Mädchen gekannt, aber nicht reagiert.

Inzwischen werden immer neue Details publik. So hat die „Süddeutsche“ mit 20 ehemaligen Heimbewohnerinnen gesprochen. Sie berichten von Schlägen und tagelanger Isolation, Schlafentzug und nächtlichen Sportstunden. Beschwerdebriefe seien zerrissen und Kontakt zur Außenwelt verhindert worden. Erneuert wurde auch der Vorwurf, dass die zwölf- bis 18-jährigen Mädchen sich zur Leibesvisitation nackt vor Männern ausziehen mussten.

Das Krisenmanagement war nach Ansicht der CDU miserabel gewesen. Selbst die sexuelle Beziehung eines Betreuers zu einer Schutzbefohlenen wurden von der Jugendamtsleiterin nicht als so gravierend eingestuft, dass sie die Vorgesetzten im Ministerium informierte. „Diese Mädchen kommen in Einrichtungen, um sie vor sexuellem Missbrauch und Gewalterfahrungen zu bewahren. Was soll eigentlich noch passieren, damit sofort die Hausspitze in Kenntnis gesetzt wird?“, fragte CDU-Frau Katja Rathje-Hoffmann.

Auch die FDP-Abgeordnete Anita Klahn übt massive Kritik am Nichthandeln des Ministeriums, zumal der Kreis Dithmarschen gestern mitteilte, die Friesenhof-Heime wegen diverser Unregelmäßigkeiten schon seit 2007 nicht mehr belegt zu haben. Seit März 2014 wurden vom Jugendamt in Heide insgesamt elf Mädchen aus diesen Einrichtungen in Obhut genommen, da eine Gefährdung des Kindeswohls vorlag. Eine solche Häufung sei außergewöhnlich und lasse qualitative Aussagen über die Einrichtungen zu, erklärte die Dithmarscher Jugendamtsleiterin Agnes Dümchen. „Spätestens nach der dritten Inobhutnahme hätte das Sozialministerium handeln müssen“, so Klahn. Die Piraten fordern nicht nur eine Gratis-Beschwerdehotline für Schutzbefohlene, sondern auch mehr Personal im Landesjugendamt. „1800 Einrichtungen und sechs Mitarbeiter für die Fachaufsicht – das ist, gerade wenn es um problembelastete Kinder und Jugendliche geht, einfach zu wenig“, so Dudda.

 

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