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„Hells Angel" : Schießerei in Kaltenkirchen: Rocker muss ins Gefängnis – eigentlich

vom
Aus der Onlineredaktion

Sein Opfer ist schwerbehindert. Für die Tat wurde der Rocker zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Doch noch gibt es keinen Haftbefehl.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2016 | 15:21 Uhr

Kiel/Kaltenkirchen | Er setzte seine Frau als Lockvogel ein, um einen verfeindeten Rocker in die Falle zu locken: Sieben Jahre nach eine Schießerei vor der Kaltenkirchener Therme hat das Kieler Landgericht einen Rocker zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Doch der 42-jährige „Hells Angel“ fehlte bei der Urteilsverkündung am Freitag – er ist in Thailand mit einer zweiten Ehefrau.

Es ist einer der letzten großen Rocker-Prozesse von Schleswig-Holstein. Inzwischen sind die Kieler „Hells Angels" verboten.

Von der Strafe muss er voraussichtlich nur acht Monate absitzen, unter anderem weil ein Teil aus einer früheren Strafe, die mit einfloss, bereits verbüßt ist, wie der der Vorsitzende Richter sagte. Über eine Haftbefehl will das Gericht noch entscheiden - aus formalen Gründen. Die Entscheidung werde einem Gerichtsprecher zufolge aber in Kürze folgen. Der Verteidiger wollte aus Mangel an Beweisen Freispruch.

Bei der Tat war der Intimfeind des Angeklagten, den er den verfeindeten „Bandidos“ zurechnete, schwer verletzt worden. Der Mann ist seither schwerbehindert. Das Gericht zeigte sich aufgrund einer „Fülle von Indizien“ überzeugt, dass der Angeklagte Auftraggeber und Drahtzieher war. „Er plante den hinterlistigen Überfall und war auch mit der Schusswaffe einverstanden“, sagte der Vorsitzende: „Er wollte die Tat ganz klar“. Dabei setzte der 42-Jährige auch Detektive und seine heutige Ehefrau als Lockvogel ein. Sie wurde deswegen bereits rechtskräftig verurteilt. 

Die damals 19-Jährige machte dem Opfer im Auftrag des Angeklagten Avancen, schickte ihm eindeutige Fotos und verabredete sich mit ihm zu einem Saunabesuch in der Therme. Am 29. Januar 2009 fuhr sie ihn dann mit der Aussicht auf Sex in den Hinterhalt - die entlegenste Ecke des Parkplatzes vor der Therme. Dort warteten zwei gedrungene Täter. Sie schossen fünf Mal und flüchteten unerkannt. Auch die junge Frau flüchtete ohne zu helfen.

Ob gegen den 42-Jährigen der vom Staatsanwalt geforderte Haftbefehl ergeht, ist noch offen. Das Gericht will darüber noch entscheiden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen den Angeklagten auch wegen Bigamie. Der 42-Jährige soll in Thailand eine zweite Ehefrau geheiratet haben. Der Rocker erschien seit dem siebten Verhandlungstag nicht mehr zu seinem Prozess. Sein Verteidiger lehnte jede Auskunft zu seinem Mandanten ab. Er will eine Revision prüfen.  Dass der Angeklagte möglicherweise nur acht Monate der neuen Strafe verbüßen muss, ergibt sich auch wegen der überlangen Verfahrensdauer.

Deswegen gelten sechs Monate der Strafe als bereits verbüßt, entschied das Gericht. Zudem saß der Rocker 22 Monate einer früheren Haftstrafe ab, die in das neue Urteil einbezogen wurde. Er war im November 2012 wegen einer Messerattacke auf zwei verfeindete „Bandidos“ zu insgesamt zwei Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Nach zwei Drittel der Strafe kam er aus dem Gefängnis auf Bewährung frei. Die Reststrafe bezog das Gericht nun in das neue Urteil ein.  Mit dem Urteil ging das Gericht deutlich über den Antrag des Staatsanwalts hinaus. Er hatte drei Jahre und zehn Monate Gesamtfreiheitsstrafe gefordert. Der Verteidiger wollte aus Mangel an Beweisen Freispruch. Die Forderungen des Opfers auf 80.000 Euro Schmerzensgeld und eine kleine Rente wies die Strafkammer wegen Verjährung zurück. Nach Angaben des Rechtsanwaltes des 40-Jährigen läuft deswegen aber bereits seit längerem eine Zivilklage.

 

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