DGzRS in Nord- und Ostsee : Schauübung und Schiffsbesichtigung: Der Tag der Seenotretter 2015 in SH

Die 54 Stationen der Seenotretter.
Die 54 Stationen der Seenotretter.

Ob Sturm, Orkan oder Gewitter: Die Helfer der DGzRS sind an 365 Tagen im Einsatz. Beim Tag der Seenotretter, 26. Juli, stellen sie ihre Flotte und ihre Arbeit in vielen Stationen in SH vor.

shz.de von
24. Juli 2015, 15:47 Uhr

„Wir fahren raus, wenn andere reinkommen“ lautet ihr Motto. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger feiert am Sonntag, 26. Juli, den „Tag der Seenotretter“. An zahlreichen Standorten stellen die Retter ihre Arbeit den Besuchern vor. Neben Rettungsdemonstrationen dürfen die Seenotrettungskreuzer besichtigt werden.

Bei den Stationen auf Amrum und in Neustadt (Holstein) können die gerade getauften Rettungsschiffe „Ernst Meier-Hedde“ und „Henrich Wuppesahl“ bestaunt werden. Auf zahlreichen weiteren Stationen an Nord- und Ostsee sowie im Infozentren Laboe (bei Kiel) stehen die Seenotretter den Besuchern Rede und Antwort. Wer in der Hohwachter Bucht dabei sein möchte, muss allerdings schon einen Tag eher kommen. In Lippe wird am Sonnabend, 25. Juli, gefeiert.

An diesen Orten in SH wird gefeiert:

Helgoland  
Amrum gemeinsam mit Hörnum auf Amrum
List  
Langballigau  
Gelting  
Schleswig  
Maasholm mit Damp gemeinsam in Maasholm
Eckernförde  
Laboe mit Schilksee zusammen in Laboe (bei Kiel)
Lippe/Weißenhaus Tag der offenen Tür/Stationsfest bereits am Samstag, 25.07
Heiligenhafen gemeinsam mit Puttgarden und Großenbrode in Heiligenhafen
Grömitz gemeinsam mit Station u. Ausbildungsstation Neustadt in Neustadt
Timmendorf/Poel gemeinsam mit Kühlungsborn in Timmendorf/Poel

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) erfreut sich seit Jahrzehnten der Unterstützung vieler Menschen. „Das sind nicht nur Küstenbewohner, viele kommen auch aus südlichen Bundesländern“, sagte DGzRS-Sprecher Christian Stipeldey vor dem Tag der Seenotretter am kommenden Sonntag.

Nur wenige Spender hätten ein eigenes Boot oder waren schon selbst einmal in Seenot, sagte Stipeldey. Dennoch hätten viele eine ausgeprägte maritime Affinität. „Sie lieben maritime Themen und haben mit der DGzRS eine Hilfsorganisation gefunden, die diese Leidenschaft mit ihrem Selbstverständnis von gesellschaftlicher Verantwortung verbindet.“

Was macht die DGzRS?

Mit rund 60 Einheiten rettet die DGzRS Schiffbrüchige aus Seenot, kommt Menschen in Gefahrensituationen zu Hilfe und versorgt Verletzte. Egal ob ein Brand auf einem Kutter, entkräftete Surfer oder verirrte Wattwanderer - die Crew ist rund um die Uhr bei Wind und Wetter im Einsatz.

Seit wann gibt es die DGzRS?
Vor der Motorisierung brachten Pferdewagen die Ruderboote zum Einsatzort.
DGzRS/Die Seenotretter
Vor der Motorisierung brachten Pferdewagen die Ruderboote zum Einsatzort.

Nach schweren Schiffsunglücken an der Nordseeküste rufen der Vegesacker Navigationslehrer Adolph Bermpohl und der Advokat Carl Kuhlmay in nordwestdeutschen Tageszeitungen zur Gründung eines Seenotrettungswerkes auf privater Basis auf.

1861 gründet Oberzollinspektor Georg Breusing in Emden den ersten deutschen regionalen Verein zur Rettung Schiffbrüchiger. Weitere Vereine folgen entlang der Küste. Erste Rettungsstationen entstehen. Sie sind mit einfachen, offenen Ruderbooten ausgestattet.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger wird schließlich am 29. Mai 1865 in Kiel gegründet. Ihr Hauptsitz ist seitdem in Bremen.

Im Zweiten Weltkrieg ist die DGzRS-Rettungsflotte unter dem Schutz der Genfer Konvention für „Freund und Feind“ gleichermaßen verstärkt im Einsatz.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und mit der Teilung Deutschlands setzt die DGzRS den Seenotrettungsdienst in der Deutschen Bucht und in der Westlichen Ostsee fort. Der Seenotrettungsdienst der DDR wird dagegen staatlich organisiert.

Wie finanziert sich die DGzRS?

Sie finanziert sich nur durch Spenden und freiwillige Zuwendungen. Die DGzRS erhält keine Steuergelder. Es sei ihnen wichtig, Entscheidungen unabhängig von öffentlichen Mitteln treffen zu können.

Die enge Beziehung vieler Menschen zu dem Rettungsdienst lasse sich an den Spendensummen ablesen, sagte Stipeldey. Im vergangenen Jahr seien 20,8 Millionen Euro an Spenden zusammengekommen, wie auch schon in den Jahren zuvor. Einen wesentlichen Anteil am Gesamtetat machen jedoch Erbschaften aus, die 2014 rund 12,5 Millionen Euro betrugen.

Wie viele Schiffe und Seenotretter gibt es?
Seenotrettungsboot „Walter Merz“
DGzRS/Die Seenotretter
Seenotrettungsboot „Walter Merz“

Die Crew besteht aus 180 Festangestellten und rund 800 Freiwilligen. Hinzu kommen 550 ehrenamtliche Mitarbeiter an Land.

Für die Seenotrettung stehen ihnen 20 Seenotkreuzer und 40 Seenotrettungsboote zur Verfügung. Die Flotte gehört zu den modernsten der Welt.

In welchem Gebiet operiert die Flotte?
Foto: DGzRS/Die Seenotretter
Die 54 Stationen der Seenotretter.

Die mehr als 100 Retter sind auf 54 Stationen in Nord- und Ostsee zwischen der Emsmündung im Westen und der Pommerschen Bucht im Osten verteilt. Sind Deutsche bei internationalen Notfällen beteiligt, hilft die Seenotleitung in Bremen.

Jedes Bundesland hat ein Informationszentrum, bei dem man sich über die Arbeit der DGzRS schlau machen kann. Das schleswig-holsteinische wurde am 20. März 2015 in Laboe bei Kiel eröffnet.

Wie viele Einsätze haben die Retter?

2014 hatte die DGzRS 2183 Einsätze, bei denen 768 Menschen gerettet wurden. Laut eigener Statistik wurden in Nord- und Ostsee 55 Menschen aus akuter Seenot gerettet und 713 Personen vor drohender Gefahren in Sicherheit gebracht. Durchschnittlich rückten die Helfer sechsmal pro Tag aus. Insgesamt haben die Seenotretter seit der Gründung 81.000 Menschen aus Gefahrensituationen befreit.

Gab es Unglücke?

Ja, gab es. Der Seenotkreuzer „Adolph Bermpohl“ verunglückt 1967 bei einem Orkan vor Helgoland. Die vierköpfige Besatzung und drei zuvor gerettete niederländische Fischer bleiben auf See.

1995 wird der Seenotkreuzer „Alfried Krupp“ bei der Rückkehr von einem Einsatz von einer Welle erfasst – zwei der vier Rettungsmänner kommen nicht zurück. 45 Rettungsmänner sind in den 150 Jahren im Einsatz auf See gestorben.

Wie wird man Seenotretter?

Die Gesellschaft bildet keine Seenotretter aus. Die Festangestellten haben bereits ein nautisches oder technisches Patent und Erfahrung auf See. Freiwillige Seenotretter absolvieren ihre Ausbildung in ihrer Freizeit. Ein Sportbootführerschein ist keine Voraussetzung, die DGzRS zu unterstützen. Die Alarmierung bei Notfällen erfolgt wie bei der freiwilligen Feuerwehr. Die Stationen sind bei Interesse Ansprechpartner für Freiwillige.

Teamarbeit ist geradezu lebenswichtig. Deswegen werden die Crews andauernd weitergebildet, etwa in Einsatztaktik und Notfallversorgung

Was hat es mit den roten Sammelschiffchen auf sich?
DGzRS/Die Seenotretter
Mit dem Aufstellen der Schiffchen kann jeder die Arbeit der DGzRS unterstützen.

Jeder kennt die roten Schiffchen mit Sammelschlitz aus der Eckkneipe oder von Feiern. Die DGzRS sammelt mit ihnen Spenden. Wer ein Schiff aufstellen möchte, kann sich hier informieren. Derzeit sind 14.000 Sammelschiffchen „im Einsatz“. Sie wurden bereits 1875 eingeführt. Seitdem sind mehr als 68.000 Exemplare hergestellt worden.

Welche besonderen Einsätze gab es?

Einige kleine Wasserratten und Meerjungfrauen konnten es kaum erwarten, das Licht der Welt zu erblicken. Seit Anfang der 1950er Jahre sind auf Rettungseinheiten der DGzRS insgesamt zwölf Kinder zur Welt gekommen, vier Mädchen und acht Jungen. Am 28. Oktober 2011 wurde das Baby Gideon Raphael an Bord der „Vormann Leiss“ geboren.

Bei den Löscharbeiten des brennenden Schiffes „Purple Beach“ waren die Seenotretter ebenfalls vor Ort.

Sie interessieren sich für die Arbeit der Seenotretter? Dann ist vielleicht auch unserer Multimedia-Reportage über die DGzRS auf Helgoland etwas für Sie. Sie finden die Reportage unter helgoland.shz.de
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