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Blomesche Wildnis : Sattelzug hat wieder Boden unter den Rädern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Es dauerte lange, aber es lief reibungslos: Nach rund acht Stunden war der Sattelzug in der Blomeschen Wildnis (Kreis Steinburg) geborgen.

Blomesche Wildnis | „Besser hätte es nicht laufen können – wunderbar.“ Stephanus Konetzny war zufrieden. Der Betriebsleiter und seine Männer haben gestern den verunglückten Sattelzug im Katzheider Weg geborgen. „Über acht Stunden hat es gedauert“, erklärte er. Wie berichtet, war ein 61-jähriger Berufskraftfahrer vor über einer Woche mit seinem mit Paletten und Kisten beladenen Sattelzug auf den Wirtschaftsweg eingebogen. Grund: Sein auf „kürzeste Strecke“ programmiertes Navigationsgerät hatte ihn dort hin geführt.

Sein Ziel, der Hofladen von Albert und Monika Busch, erreichte er dann aber nicht mehr. „Er kam aber wesentlich weiter als zwei andere Pechvögel vor ihm und rutschte erst nach gut 500 Metern von der Straße in den Graben“, erklärte Monika Busch. Es folgte ein Hin und Her hinsichtlich der Bergung. So fürchteten die Gemeindevertreter – sie hatten den Katzheider Weg erst kürzlich für mehrere zehntausend Euro saniert – weitere Schäden. Zu Wochenbeginn einigten sich Bürgermeister Niels Schilling und Vertreter der Spedition sowie der Bergungsfirma, dass die Aktion gestern starten sollte.

„Alles in allem ist es ein schwieriger Arbeitsplatz, weil wir nicht genau sehen können, wo sich der Schwerpunkt des Sattelzuges befindet. Hinzu kommt die extreme Enge, denn der kurvenreiche ist nur zwei Meter breit“, beschrieb Stephanus Konetzny das Hauptproblem. Deshalb konnte die Bergung auch nicht wie üblich mit großen Kranwagen erfolgen. Eingesetzt wurden zwei deutlich kleinere Telelader.

„Diese setzen wir dort ein, wo Wege für eine Lkw-Bergung ansonsten zu schmal wären“, erklärte Andreas Weinhardt von der Bergungsfirma Kühl aus Elmshorn. Gleichzeitig nahm er den Fahrer, der mit dem Laster in den Graben gerutscht war, zumindest ein klein wenig in Schutz. „Als er nach einigen Metern hinter einer scharfen Doppelkurve mit dem schmalen Weg konfrontiert wurde und Lunte gerochen hatte, war es zu spät. Rückwärtsfahren ging ohne Einweiser nicht und schließlich hatte der Fahrer ja schon den Hof von Albert Busch im Blick. Also Augen zu und durch“, vermutete Weinhardt.

Weil der Weg nur zwei Meter breit ist, wurde für die zwei Telelader gestern morgen mit Sonnenaufgang erst einmal eine Aufstellfläche mit Holzmattenbrücken ausgelegt. Der eigentliche Straßenbereich wurde zunächst ausgespart. Mit Folgen: Die etwa 15 Zentimeter dicke Fahrbahndecke aus Beton bracht sehr zum Ärger des anwesenden Bürgermeisters Niels Schilling an zwei Stellen. Ein weiterer Versicherungsschaden, über den jetzt zu diskutieren ist, wie Schilling den Teams von gleich drei anwesenden Fernsehsendern bestätigte.

Mitarbeitern der Firma Kühl gelang es dann am späten Vormittag, die Sattelzugmaschine von dem Auflieger zu trennen. An mehreren Ketten hängend wurde gegen 12.30 Uhr zunächst der etwa 7,5 Tonnen schwere auf der Seite liegende Anhänger aufgerichtet und dann im zweiten Arbeitsschritt vorsichtig auf den Katzheider Weg gesetzt. Zwischen den beiden Teleladern hängend ging es anschließend im Schneckentempo in Richtung Bundesstraße. Dort wurde der Anhänger zwischengeparkt. Anschließend wurde die 7,8 Tonnen schwere Sattelzugmaschine auf die gleiche Weise geborgen.

Die gesamte Aktion ging gut. Die andere Möglichkeit, den Laster – ebenfalls noch Auslegen von etlichen Metern Holzmattenbrücken – vom Neuendeich aus über den Acker zu bergen, hätte 90 000 Euro gekostet. Was die betroffene Spedition und deren Versicherung jetzt zu zahlen hat, ist noch offen.

Als die Bergung abgeschlossen war, gönnten sich die Mitarbeiter der Firma Kühl ersteinmal einen Kaffee.

Mit einsetzender Dunkelheit kehrte am Katzheider Weg Ruhe ein. Bürgermeister Niels Schilling. „Bei mir stand die letzten Tage das Telefon nicht still. Ständig riefen Versicherungen, Bergungsfirmen, Lieferanten für Bergungszubehör und die Medien bei mir an. Ich bin nicht mehr dazu gekommen, meinen Blumenkohl zu ernten“, sagte Schilling.

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