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Kieler „Tatort“-Kommissare im Interview : „Sarah Brandt berührt Borowski“

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Der Kieler „Tatort“-Kommissar Klaus Borowski feiert zehnjähriges Jubiläum. Seit 2011 ermittelt Sibel Kekilli als Kommissarin Sarah Brandt an der Seite von Axel Milberg. Ein Doppel-Interview über Humor, Vertrauen und die Gorch Fock.

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erstellt am 20.Dez.2013 | 17:05 Uhr

Im „Tatort“ ergänzen sich Kommissar Klaus Borowski und seine junge Kollegin Sarah Brandt. Er ist der dickköpfige Eigenbrötler, Analytiker und Moralist, sie die ebenso impulsive wie intuitive, auch mal Vorschriften ignorierende Kommissarin. Im Doppel-Interview schwärmen Axel Milberg (57) und Sibel Kekilli (33) voneinander und hoffen auf eine noch lange gemeinsame „Tatort“-Zukunft.

Ist der Titel des Jubiläums-„Tatorts“ „Borowski und der Engel“ symbolisch übertragbar auf ihre Filmrollen als Kommissar-Duo? 
Milberg: Mein angeborener Charme und die Pistole, die mir die liebe Kollegin gerade an die Schläfe hält (Kekilli lacht, spreizt mit Zeigefinger und Daumen eine angedeutete Waffe) lassen mich folgendes dazu sagen: Sarah Brandt ist engelhaft in dem Sinne, dass sie von einem Ort kommt, den ich nicht kenne. Ich weiß ihre Vorgeschichte nicht, sie kommt aus dem Nichts und ist plötzlich da und berührt Borowski durch ihre Leidenschaft, zur Polizei zu wollen.

Aber Brandt verheimlicht anfangs ihre epileptischen Anfälle...
Milberg: ...weswegen ich mich um sie sorge, und dieses Geheimnis bindet uns noch enger aneinander. Ich ermahne sie immer wieder - Autofahren und Waffe, das geht nicht bei Epilepsie.

Was zeichnet Brandt aus? 
Milberg: Sie kann Dinge, die ich nicht kann, sprich mit modernen Geräten umgehen (beide lachen). Und sie ergänzt die Polizeiarbeit flugs und beschafft in Windgeschwindigkeit Informationen, die ich dann als Borowski aber gerne in die Recherche miteinbeziehe.

Welche Eigenschaft mögen Sie und welche überhaupt nicht an der Figur des jeweils anderen? 
Kekilli: Was ich an Borowski mag, ist sein trockener, englischer Humor. Und Negatives? Dass er sich erstmal sperrt, wenn Brandt zu schnell ermittelt und zu Ergebnissen kommen will, dass dann Borowski „Mooooment“ sagt. Aber so richtig schlechte Eigenschaften bei Borowski? Nein! 

Und Sie Herr Milberg, was mögen Sie als Borowski an Brandt? 
Milberg: Aha, als Klaus Borowski - Klaus bist Du da? (dreht sich um, lacht). Also: Klaus Borowski mag ihre Schnelligkeit und ihren Einsatz im Beruf. Wie sie sich in die Fälle reinschmeißt. Das ergänzt seine Art zu ermitteln, sich oft in Gesprächen zu verlieren - das ist dramaturgisch so gewollt. Sie ist auch immer für Überraschungen gut. Was Borowski nicht an ihr schätzt, ist ihre Uneinsichtigkeit. Sie gefährdet sich und andere, indem sie so tut, als gäbe es ihre Epilepsie nicht und sie hätte das Problem im Griff.

Wie hoch ist die Stützkraft von Sarah Brandt für den Erfolg von Kommissar Borowski bei den Zuschauern?  Milberg (nach kurzer Pause): Das weiß ich nicht, das muss ein Außenblick beurteilen. Uns war es wichtig, dass Borowski eine Kommissarin als Partnerin hat, also keine Assistentin oder Untergebene - mit dem Risiko, dass bei zwei Ermittlern, die sich respektieren, man dramaturgisch etwas aus der Hand gibt: nämlich dass dauernd die Fetzen und Funken fliegen, man sich kabbelt.

Droht Langeweile? 
Milberg: Es wird in Zukunft Aufgabe der Drehbuchautoren sein, dass Eine zu gewährleisten ohne das Andere zu verlieren - sprich: die Auseinandersetzung, die Dynamik, die Kraft. Das kann auch im Humorvollen liegen und indem sich beide ein bisschen triezen, aber beruhend auf gegenseitiger Grundsympathie.

Wie ist Ihr Umgang im richtigen Leben? Gehen Sie nach Drehschluss mal gemeinsam essen? 
Kekilli: Ich mag Axel, ich hoffe, es beruht auf Gegenseitigkeit. Sonst würde es ja nicht funktionieren. Es ist ja wie eine Beziehung führen, und es gibt dann auch Tage, wo man in Ruhe gelassen werde möchte. Das ist normal, wenn man zwölf oder 14 Stunden gearbeitet hat. Im Grunde genommen verstehen wir uns gut, sehr gut.

Milberg: Ich sag's mal so: wir wollen nach Drehschluss eigentlich oft was unternehmen miteinander und es klappt nie, weil Sibel entweder nach Hamburg muss oder ich mich nicht mehr melde, weil ich weiß, morgen früh um 5.00 Uhr morgens Abholung und soundsoviel Szenen. Insofern ist es ein bisschen wie bei Borowski und Brandt. Aber irgendwann werden wir das mal hinbekommen.

Kekilli: Wenn ich mal mit einer Szene nicht klarkomme, kann ich mich auf ihn verlassen. Dazu gehört ja auch Vertrauen, dass ich ihn dann anrufe und frage „Können wir bitte mal kurz reden“ und dass er dann da ist und mir Tipps gibt. Ich könnte nicht mit jemandem so umgehen, wenn ich ihn nicht mögen würde.

Milberg: „Vertrauen“ ist ein wichtiges Wort, weil es ist nicht selbstverständlich in so einer Konstellation.

Über den Erfolg der schon 40 Jahre laufenden ARD-„Tatort“-Krimis wird viel geschrieben. Manche setzen auf Krimis als Sozialdramen, die gesellschaftliche Themen aufgreifen. Andere wollen primär menschliche Abgründe aufzeigen. Wo verorten Sie den Kieler „Tatort“ für die Zukunft? 
Milberg: Ich finde erst einmal, ein Krimi muss spannend sein! Und man muss sich die Nägel abkauen. Wie ich das erreiche? Keine Regeln, keine Einengungen, nichts vorwegnehmen! Wenn die Story so ist, dann ist es - auch - ein Sozialdrama. Aber zunächst einmal ist es ein Krimi. Und ich habe lieber einen Thriller als eine Krimi-Komödie. Komödien drehe ich auch, aber nicht unbedingt als „Tatort“. Das heißt: Ich habe die Komik lieber als Dreingabe, als Entspannung auch nach etwas Fürchterlichen, Makabrem, Düsteren, als mich als Schauspieler irgendwie in den Vordergrund zu drängen - das will ich nicht, das ist nicht mein Stil, nicht mein Geschmack - das hat auch viel mit Geschmack zu tun.

Regionalkolorit prägt die „Tatort“-Reihe. Hätten Sie als gebürtiger Kieler mal Lust, dass Borowski auf dem in Kiel beheimateten Segelschulschiff „Gorch Fock“ ermittelt? 
Wir hatten schon einmal ein Script für einen Krimi auf der „Gorch Fock“. Wir sind aber gescheitert, weil wir kooperieren müssten mit der Bundeswehr und wir dort in eine parallele Welt kamen. Es ist uns nicht gelungen, unsere Geschichte nach unserem eigenen Anspruch zu machen. Das bedeutet: Wir haben zunächst einmal, das heißt nicht für alle Zeiten, von dem Projekt Abstand genommen.

Wie lange wird es Borowski und Brandt als Duo noch geben? 
Milberg und Kekilli (wie im Chor): Wir fangen doch gerade erst an. 

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