Piloten-Streik : Rund 200 Lufthansa-Flüge für heute gestrichen

Lange Wartezeiten vor den Ticket-Schaltern: In Hamburg stehen Passagiere an, um ihre CityLine-Flüge umzubuchen. Foto: dpa
Lange Wartezeiten vor den Ticket-Schaltern: In Hamburg stehen Passagiere an, um ihre CityLine-Flüge umzubuchen. Foto: dpa

Verspätungen an allen deutschen Flughäfen, rund 200 gestrichene Flüge: 1000 Piloten der Lufthansa traten am Montag in den Streik.

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07. Juli 2008, 06:49 Uhr

Ein eintägiger Streik der Pilotenvereinigung Cockpit hat heute an allen deutschen Flughäfen zu Flugstreichungen und Verspätungen geführt. Bis Mittag seien rund 200 Flüge der Lufthansa-Tochter CityLine und der Lufthansa-Beteiligung Eurowings gestrichen worden, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Dabei handelte es sich um Flüge innerhalb Deutschlands und zu Zielen in Europa. Allein in Hamburg fielen 66 Flüge aus. "Alle CityLine-Flüge von und nach Hamburg wurden gestrichen", sagte eine Flughafensprecherin. Dies betreffe 33 Starts und 33 Landungen. Dabei handelte es sich um Flüge innerhalb Deutschlands und zu Zielen in Europa, wie nach Paris, Stockholm, Amsterdam und Manchester. Hunderte Passagiere mussten in Hamburg wieder nach Hause fahren oder suchten sich Ausweichmöglichkeiten. Wie viele Passagiere deutschlandweit strandeten, ist unklar.
Rund 1000 Piloten der beiden Fluggesellschaften waren um Mitternacht in einen 24-Stunden-Streik getreten. Hintergrund ist der Tarifkonflikt der Gewerkschaft Cockpit mit CityLine und Eurowings. Cockpit fordert für die Piloten beider Fluglinien mehr Geld, hat aber bisher keine konkrete prozentuale Forderung erhoben. Mit der Aktion wollen die Piloten ihrer Forderung nach einer besseren Bezahlung Nachdruck verleihen.
Lufthansa: "Überrascht über den Streik in dieser Masse"
Nach Lufthansa-Angaben kam es an den Flughäfen in München und Frankfurt zu den größten Behinderungen. Betroffen seien aber auch die Flughäfen in Nürnberg, Düsseldorf, Hannover, Münster/Osnabrück, Bremen, Dresden, Leipzig/Halle, Stuttgart, Berlin-Tegel, Hamburg, Leipzig, Köln, Paderborn und Friedrichshafen. Lufthansa riet den Passagieren, sich im Call-Center (01805-838426) oder im Internet (www.lufthansa.com) zu erkundigen, ob ihre Flüge betroffen seien. Innerdeutsche Tickets könnten an den Flughäfen kostenlos in Bahnfahrkarten eingetauscht werden.
In dem seit Monaten festgefahrenen Tarifkonflikt hatte Cockpit ihre Mitglieder kurzfristig zu einem Streik an diesem Montag aufgerufen. "Wir sind sehr überrascht über den Streik in dieser Masse", sagte der Lufthansa-Sprecher. "Wir haben ein Angebot vorgelegt und warten auf eine Reaktion von Cockpit." Dagegen teilte Cockpit mit, in den jeweils seit mehreren Monaten laufenden Tarifverhandlungen hätten die Arbeitgeber "keine verhandlungsfähigen Angebote" vorgelegt. In Urabstimmungen hätten jeweils 99 Prozent aller stimmberechtigten Mitglieder für unbefristete Streiks votiert.
Angleichung für Eurowings an CityLine-Tarif gefordert
Schon im Mai und Juni hatten Warnstreiks die Flugpläne von CityLine und Eurowings - ebenfalls eine Lufthansa-Beteiligung - durcheinandergewirbelt. "Wir fordern für die Piloten von Eurowings eine Angleichung der Vergütungsbedingungen an den unmittelbaren Wettbewerber CityLine", sagte Cockpit-Verhandlungsführer Markus Germann in Neu-Isenburg. Aber auch bei CityLine habe es in den vergangenen Jahren keine Gehaltserhöhung für das Cockpit-Personal gegeben, kritisierte Germann. Die Piloten von Eurowings und Cityline verdienten deutlich weniger als ihre Kollegen bei Lufthansa. Die Vereinigung Cockpit ist der Berufsverband des Cockpitpersonals in Deutschland und vertritt derzeit rund 8200 Mitgliedern.
Die Gespräche über die Tarife der Piloten laufen unabhängig von den Verhandlungen für das Kabinen- und Bodenpersonal der Lufthansa. Dabei hatte die Gewerkschaft ver.di in der vergangenen Woche mit bundesweiten Warnstreiks versucht, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, was zu Flugausfällen und Verspätungen führte.

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