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Schiesserei in Kaltenkirchen : Rocker-Rache: „Hells Angel“ vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mehr als sechs Jahre nach der Tat muss sich Dennis F. für Schüsse aus einem Hinterhalt in Kaltenkirchen verantworten – das Opfer ist heute gehbehindert.

Kiel | Die Tat liegt mehr als sechseinhalb Jahre zurück. Doch erst von diesem Mittwoch an muss sich ein Rocker der inzwischen verbotenen Kieler „Hells Angels“ vor dem Landgericht für eine Schießerei vor einer Therme in Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) verantworten. Der 42-jährige Dennis F. (damals bekannt als Dennis K.) soll aus Rache den früheren Freund André D. Ende Januar 2009 in einen Hinterhalt gelockt haben.

Dort warteten schon die maskierten Schützen. Sie wurden laut Staatsanwaltschaft entweder vom Angeklagten selbst oder mit dessen Wissen von weiteren unbekannten Mittätern gedungen. Die Männer feuerten fünfmal und flohen unerkannt. Eine Kugel zertrümmerte den Oberschenkelknochen ihres Opfers. Die Folgen für den damals 33-Jährigen: Monatelange Krankenhausaufenthalte und eine Vielzahl von Operationen. Der Mann, der als Nebenkläger auftritt, ist heute gehbehindert.

Der Angeklagte und das Opfer sollen sich schon seit Kindertagen kennen – und wurden dann Intimfeinde. Der Staatsanwaltschaft zufolge kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen, auch mit Waffengewalt. Um den früheren Freund in die Falle zu locken, soll Dennis F. auch seine damalige Freundin und heutige Ehefrau Beatrice F. eingespannt haben. Die deswegen bereits verurteilte junge Frau machte dem Mann Avancen und fuhr ihn direkt in den Hinterhalt – einen durch Hecken und Erdwall sichtgeschützten Parkplatz der Therme. Als die Schüsse fielen, raste die damals 19-Jährige mit ihrem Wagen davon.

Sie wurde vom Landgericht als Lockvogel wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung zu 150 Arbeitsstunden und 400 Euro Geldstrafe verurteilt.

Der Prozess gegen ihren Mann ließ auf sich warten. Dennis F. musste sich zunächst wegen einer Messerattacke auf zwei mutmaßliche „Bandidos“ vor einem Kieler Fitnessstudio verantworten. Für die Tat vom März 2010 kam er Ende 2012 für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Inzwischen ist er auf Bewährung frei.

Der Angeklagte war im Zuge der Auseinandersetzungen von „Hells Angels“ mit verfeindeten Gruppen zweimal Ziel lebensbedrohlicher Messerattacken: Zunächst im März 2007, als bei einer Schlägerei in einer Kieler Diskothek dem jetzigen Opfer André D. der Kiefer mit einem Faustschlag gebrochen wurde. Dessen Bruder wiederum – er zählte zu den Gründungsmitgliedern der „Bandidos“ in Neumünster – soll daher auf den Angeklagten eingestochen haben. Vor dessen Prozess kam es im August 2008 vor dem Kieler Amtsgericht zu einer Schlägerei und einem weiteren Messerangriff: Ex-NPD-Landeschef und Bandido Peter Borchert soll Dennis F. mit einer neun Zentimeter langen Klinge in den Bauchraum gestochen haben, eine Arterie wurde durchstochen. Eine Not-Operation rette Dennis F. das Leben. Borchert wurde wegen ungeklärter Details freigesprochen. 

Die Übergriffe waren Teil einer Serie von Gewalttätigkeiten zwischen den Rockerclubs um Macht, Geld und Einfluss im Rotlicht- und Drogenmilieu. Sie führte zum Verbot der „Hells Angels“ in Flensburg und der „Bandidos“ in Neumünster, später auch zum Verbot der „Hells Angels“ in Kiel.

Für den ersten Prozesstag ordnete das Gericht strenge Sicherheitsmaßnahmen mit Einlass- und Personenkontrollen an. Zum Prozessauftakt sollen das Opfer und die Ehefrau des Angeklagten aussagen.

Gefährliche und schwere Körperverletzung können mit bis zu zehn Jahren Gefängnis geahndet werden. Die Kammer wies aber bereits darauf hin, dass der Angeklagte auch nur wegen Beihilfe bestraft werden könnte.

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erstellt am 07.Sep.2015 | 10:47 Uhr

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