Brunsbüttel : Riesenärger mit Schleuse in Brunsbüttel

Aufgrund von Schäden an den Toren der großen Schleusen bleiben in Brunsbüttel die beiden großen Schleusenkammern voraussichtlich etwa zwei Wochen lang außer Betrieb. Foto: dpa
Aufgrund von Schäden an den Toren der großen Schleusen bleiben in Brunsbüttel die beiden großen Schleusenkammern voraussichtlich etwa zwei Wochen lang außer Betrieb. Foto: dpa

Neue Hiobsbotschaft vom Nord-Ostsee-Kanal: Die Schleusen in Brunsbüttel sind so defekt, dass keine dicken Pötte mehr in den Kanal können.

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07. März 2013, 11:24 Uhr

Brunsbüttel | Die marode Technik am Nord-Ostsee-Kanal behindert die Schifffahrt erneut massiv. Aufgrund von Schäden an den Toren der großen Schleusen bleiben in Brunsbüttel die beiden großen Schleusenkammern voraussichtlich etwa zwei Wochen lang außer Betrieb.

"Es laufen parallel in beiden Kammern Reparaturarbeiten", sagte der Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel, Thomas Fischer, am Donnerstag. Um den Betrieb wieder zu ermöglichen, sollen voraussichtlich bereits installierte Schleusentore miteinander ausgetauscht werden.

"Ich bin entsetzt über diese Nachricht"

Eine der beiden großen Schleusenkammern soll Ende übernächster Woche wieder in Betrieb genommen werden. Bis dahin können nur noch kleinere Frachter die 100 Kilometer lange Wasserstraße zwischen Kiel und Brunsbüttel befahren. Die rund 100 Jahre alten Schleusen müssen immer wieder repariert werden. Daraus resultieren beträchtliche Kosten für die Reedereien, weil ihre Schiffe warten oder einen langen Umweg über den Skagerrak machen müssen.

Die Landesregierung in Kiel reagierte heftig auf die Sperrung. "Ich bin entsetzt über diese Nachricht", erklärte Ministerpräsident Torsten Albig aus Frankreich, wo der SPD-Politiker die Partnerregion Pays de la Loire besucht. "Wenn es noch eines Beweises für das Versagen der Bundesregierung bedurft hätte, jetzt haben wir ihn: Da die Schleusentore nicht rechtzeitig saniert wurden, verstopft eine der wichtigsten Lebensadern für unsere Wirtschaft in ganz Deutschland."

"Es gilt, Schaden von Deutschland abzuwenden"

Dies treffe in allererster Linie den Hamburger Hafen und Schleswig-Holstein, aber auch die Wirtschaft in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. "Die Folgen sind kaum absehbar, wenn 60 Prozent des Schiffsverkehrs, der normalerweise durch den Kanal fährt, den Umweg um Skagen nehmen muss", äußerte Albig. "Ich fordere den Bundesverkehrsminister auf, endlich seine zögerliche Haltung mit Blick auf die Sanierung der Schleusen und des gesamten Kanals aufzugeben und zu handeln." Der Norden erwarte ein klares Bekenntnis des Bundes zum Kanal. "Die Bundeskanzlerin ist aufgerufen, ihren Behörden endlich Dampf zu machen. Es gilt, Schaden von Deutschland abzuwenden."

Albig fordert vom Bund rasche Hilfe. "Wir bekommen jetzt die Folgen der über Jahrzehnte vernachlässigten Instandhaltung und aufgeschobenen Modernisierung, verbunden mit einem stetigen Personalabbau in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, zu spüren", heißt es in einem Brief an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).

"Hauptschlagader der Wirtschaftsregion"

Ramsauer müsse alles Notwendige veranlassen, um den Kanal in einen Zustand zu versetzen, der den Anforderungen der am meisten befahrenen internationalen Wasserstraße gerecht werde, schrieb Albig.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz sprang dem Kieler Regierungschef bei. "Elbe und Nord-Ostsee-Kanal sind wasserseitig die Hauptschlagadern der gesamten norddeutschen Wirtschaftsregion", äußerte der SPD-Politiker. "Sie ermöglichen einen schnellen Zugang zu den skandinavischen Märkten und über die Nordsee in den gesamten Atlantikraum." Das nütze Deutschland insgesamt. Darum sollte es im Interesse des Bundes liegen, den Kanal und seine Schleusen zu sanieren. "Hamburg steht hier an der Seite Schleswig-Holsteins", bekräftigte Scholz.

Auch die Südkammer der kleinen Schleuse fällt aus

Alle Schiffe, die am Mittwoch im Kanal waren, sollten noch in Brunsbüttel in die Elbe beziehungsweise in Kiel-Holtenau in die Ostsee ausgeschleust werden. Solange in Brunsbüttel noch ausgeschleust wurde, konnten auch Schiffe, die in Richtung Ostsee unterwegs waren, noch in den Kanal eingeschleust werden. Danach kommen in Brunsbüttel nur noch Schiffe bis 125 Meter Länge, 20,5 Meter Breite und einem Tiefgang von maximal 6,5 Metern in den Kanal.

Wegen eines Hydraulikschadens fällt in Brunsbüttel zunächst auch die Südkammer der kleinen Schleuse aus. Deren Nordkammer bleibt in Betrieb. Es werde mit allen zur Verfügung stehenden Kräften an der Beseitigung der Schäden gearbeitet, gab die Kanalverwaltung an.

Arbeiten konnten vor dem Winter nicht abgeschlossen werden

Die Kraft der Antriebe reiche nicht mehr aus, um die auf Holzkufen fahrenden Tore der großen Schleusen zu bewegen, hieß es. Durch Abnutzung der Kufen sei der Widerstand zu groß geworden. Nun soll durch einen Torwechsel eine Kammer wieder funktionsfähig gemacht werden, damit die andere Kammer so schnell wie möglich repariert werden kann.

Nach der ursprünglichen Planung sollte das Schienensystem des Tores der Südkammer auf der Kanalseite im vorigen Jahr grundlegend repariert werden, um vom Kufen- wieder auf den regulären Schienenbetrieb umstellen zu können. Wegen unplanmäßiger Ausfälle und nachfolgender Reparaturen in der Nordkammer mussten die Arbeiten in der Südkammer aber wiederholt unterbrochen werden. Sie konnten somit vor dem Winter nicht mehr abgeschlossen werden.

CDU spricht von einer Katastrophe für den Schiffsverkehr

Durch Fehlentscheidungen seien wertvolle Zeit vergeudet, Planungen verschleppt und Mittel gestrichen worden, kritisierte der Kieler SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. 2012 seien aus Berlin 60 Millionen Euro versprochen, aber nur 970.000 tatsächlich zur Verfügung gestellt worden. Der Ansatz für 2013 sank von ursprünglich ebenfalls 60 Millionen auf 11 Millionen Euro.

Von einer Katastrophe für den Schiffsverkehr in Nordeuropa und für Deutschlands Ruf als Industrienation sprach die CDU-Fraktion. Es sei dringend an der Zeit, bundesweit eine parteiübergreifende Allianz für den Kanal zu bilden. Fraktionschef Johannes Callsen forderte, das Thema nicht für den Bundestagswahlkampf auszuschlachten. "Es hilft überhaupt nicht, jetzt gegen das Bundesverkehrsministerium und die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zu arbeiten."

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