zur Navigation springen

Fehmarnbelt-Alternative? : Riesen-Röhre unter der Ostsee geplant

vom

100 Kilometer lang unter dem Meer: Soll lang soll eine neue Verkehrsverbindung nach Skandinavien werden, von Stralsund nach Malmö. Was bedeutet das für die Fehmarnbelt-Pläne?

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2014 | 12:55 Uhr

Puttgarden/Stralsund | Skandinavien und Deutschland kommen sich näher. Der 18 Kilometer lange Tunnel zwischen der Ostseeinsel Fehmarn und dem dänischen Lolland ist dabei aber offensichtlich nur einer von weiteren Bausteinen. Noch vor Baubeginn der 5,5 Milliarden Euro teuren Straßen- und Schienenverbindung kommt ein Projekt ins Gespräch, das den Belttunnel in seiner Dimension in den Schatten stellt: Ein knapp 100 Kilometer langer Eisenbahntunnel zwischen Südschweden und Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern. Zum Vergleich – der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal ist nur halb so lang.

Christian Pegel (SPD), Verkehrsminister in Schwerin, stellte in der „Ostsee-Zeitung“ klar, dass es sich keineswegs um ein „Hirngespinst“ handele. Hinter dem Projekt stehen demnach die norwegische Regierung sowie Unternehmen des ölreichen skandinavischen Landes. „Die Kosten für einen solchen Tunnel werden vorläufig mit 20 Milliarden Euro veranschlagt“, teilt die Coinco GmbH in Berlin auf ihrer Internetseite mit. Das aus einem skandinavisch-deutschen Interreg-Projekt hervorgegangene Unternehmen kümmert sich um die Realisierung des Super-Tunnels. Im Jahr 2030 soll die Riesen-Röhre fertig sein.

Bereits im März 2013 hatten die Coinco GmbH und skandinavische Partner-Firmen auf einer Informations-Veranstaltung der „Nord-Süd-Initiative“ der Industrie- und Handelskammer zu Berlin Einzelheiten der Tunnelidee vorgestellt. Das Projekt ist Teil einer Vision: „Der Wirtschaftsraum zwischen Skandinavien und der Adria hat das Potenzial, sich zu einer der weltweit wettbewerbsfähigsten Regionen zu entwickeln“, heißt es auf der Internetseite zur „Nord-Süd-Initiative“. Am Ende soll es zwischen Skandinavien und Berlin eine deutlich schnellere Verbindung geben.

Ist die Fehmarnbelt-Verbindung von Dänemark nach Schleswig-Holstein damit nur noch ein Nebengleis? „Nein“, sagt Obinna van Capelleveen, Sprecher der dänischen Projektgesellschaft Femern AS. Zum einen sei die Tunnelidee zwischen dem schwedischen Malmö und Stralsund noch zu wenig konkret. „Es sind ja noch keine politischen Entscheidungen gefallen.“ Zum anderen soll der Super-Tunnel eine reine Eisenbahn-Verbindung werden. „Der Belt-Tunnel hingegen hat beides – Schiene und Straße“, sagt der Femern-Sprecher weiter. Grundsätzlich begrüße die Femern AS jedoch jedes Projekt, das Skandinavien näher an Deutschland und damit an Mitteleuropa heranrücken lässt.

„Wir begrüßen generell jede Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur“, sagt auch Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). Es habe in den vergangenen Jahren immer wieder visionäre Ideen gegeben, um Skandinavien besser anzubinden. „Im Vordergrund steht für Schleswig-Holstein jedoch die feste Fehmarnbeltquerung, deren Umsetzung wesentlich realistischer ist“, stellt Meyer gegenüber unserer Zeitung klar.

In Mecklenburg-Vorpommern hingegen wird dies etwas anders beurteilt. „Die Projekte stehen sicherlich in vielerlei Hinsicht in Konkurrenz zueinander – bezüglich der Güter in Skandinavien oder auch um Transportkapazitäten“, erklärt Steffen Wehner, Sprecher des Verkehrsministeriums in Schwerin. Zudem scheine das Projekt im Moment „den Status von einer Idee hin zu einem Plan zu wechseln“. Sein Bundesland werde das Projekt, „wenn es tatsächlich zur Konkretisierung kommt, politisch verwaltungsseitig unterstützen“, sagt Wehner weiter. Denn: „Mecklenburg-Vorpommern ist bereits heute eine wichtige Drehscheibe in der Ostsee-Logistik und ein zentraler Hub von und nach Skandinavien. Ein solcher Tunnel würde diese Rolle des Landes stärken.“

Mit Blick auf ein Nebeneinander der Tunnel-Projekte von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern stellt der Ministeriumssprecher in Schwerin fest: „Es ist genau diese Konkurrenz, die zu möglichst effektiven Transportketten und somit zu möglichst geringen Umweltbelastungen und geringen Kosten führt.“

 
Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen