Marode Marine-Flotte : Rettungshelikopter: Bundespolizei soll einspringen

Die 'Superpumas' der Bundespolizei springen schon jetzt ein, wenn die Helikopter der Marine ausfallen. Foto: dpa
Die "Superpumas" der Bundespolizei springen schon jetzt ein, wenn die Helikopter der Marine ausfallen. Foto: dpa

Weil die SAR-Helikopterflotte der Marine schwächelt, soll die Bundespolizei in Schleswig-Holstein die Aufgabe übernehmen.

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02. Juli 2013, 06:30 Uhr

Berlin/Bad Bramstedt | Der Such- und Rettungsdienst aus der Luft ist in Deutschland zu teuer - daher soll die Bundeswehr ihn an die Bundespolizei abgeben. Die Hubschrauber für zivile Bergungsaktionen auf der Nord- und Ostsee stünden dann künftig nicht mehr im Marinefliegerkommando Nordholz bei Cuxhaven, sondern im Bundespolizei-Stützpunkt Fuhlendorf bei Bad Bramstedt; zwei weitere - wie schon jetzt - in Warnemünde und auf Helgoland. Das ergibt sich aus Forderungen des Bundesrechnungshofs in einem vertraulichen Gutachten an den Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestags. Bis Ende des Jahres soll die Entscheidung fallen.
Schon seit sieben Jahren bemängelt der Rechnungshof die hohen Kosten des zivilen SAR-Dienstes. SAR ist die Abkürzung für "search and rescue" und heißt auf englisch "suchen und retten". Hauptaufgabe ist die Suche nach verunglückten Flugzeugen und die Rettung der Insassen. Aber auch havarierten Schiffen wie vor drei Jahren auf der Ostsee der brennenden "Lisco Gloria" helfen die SAR-Teams. Offiziell zuständig für sie ist Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) - doch hat sein Ressort mit der Luftrettung über der See die Marine beauftragt und über dem Festland das Heer. Im Zuge der von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) geplanten Erneuerung der Hubschrauberflotte dringt der Rechnungshof jetzt allerdings noch stärker auf eine Übertragung der Aufgabe an die Bundespolizei.

"Superpumas" helfen 40 Jahre alten "Seakings"

Denn um die SAR-Anforderungen von Ramsauer zu erfüllen, müsste de Maizière gleich neun neue Helikopter kaufen: zwei größere "Superpumas" für den Einsatz auf See, drei kleinere "Eurocopter" für den Einsatz an Land und je zwei Maschinen als Reserve. Die Bundespolizei dagegen bräuchte nach Angaben ihres Dienstherrn und Innenministers Hans-Peter Friedrich (CSU) nur je eine neue Reservemaschine, da sie Ausfälle leichter aus ihrem großen Helikopterbestand decken kann. Schon jetzt hilft sie mit ihren "Superpumas" den Marinekollegen, weil deren fast 40 Jahre alten "Seakings" oft streiken.
Allein die zwei Reservemaschinen weniger sparen laut Rechnungshof 43 Millionen Euro. Zudem halten die Prüfer es für möglich, auf zwei weitere Neuanschaffungen zu verzichten, da der Maschinenpark der Bundespolizei für deren eigentliche Aufgabe der Überwachung von Seegebieten und Außengrenzen ohnehin zu groß sei. Auch im Bundestag unterstützen viele Parteien den Rechnungshof. "Es sprechen zahlreiche Argumente für die Zuweisung der Aufgabe an die Bundespolizei", sagt etwa die FDP-Rechnungsprüferin Claudia Winterstein. Die SPD ist ebenfalls dafür. Nur Union und Verkehrsressort sträuben sich und führen geringere Betriebskosten bei der Bundeswehr an. In der Opposition ahnt man allerdings einen anderen Grund für die Verweigerung: CDU-Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann hat seinen Wahlkreis in Cuxhaven - und wolle eine Schwächung des Marinestandorts Nordholz verhindern.

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