Sylt : Rettungsdienst findet Einsatzort nicht

Sanitäter fuhren zur falschen Adresse: Rettungswagen brauchte 20 Minuten bis zum Notfallort Wenningstedt. Grund für die Verwirrung könnten neue Straßennamen sein.

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19. August 2011, 10:36 Uhr

Wenningstedt | Zeit kann, wenn man glücklich ist, wie im Flug vergehen - Minuten können aber auch beängstigend langsam verstreichen. Vor allem, wenn man auf einen Rettungswagen wartet, so wie Birgit Carstensen und Horst Allmendinger vor ein paar Wochen: "Eine Nachbarin war gestürzt und hatte sich die Hüfte gebrochen", berichtet Allmendinger, der die hilflose Frau fand. Da er sein Handy nicht dabei hatte, klingelte er bei Carstensen. "Ich wählte die 112, erklärte was passiert war und nannte ausdrücklich unseren Straßennamen", so Carstensen.
Da der Rettungswagen nicht kam, rief sie erneut die Notrufnummer an. "Zwei, dreimal habe ich angerufen, es hat mindestens 20 Minuten gedauert, bis der Wagen da war." Grund für die Verspätung: Die Sanitäter waren zur falschen Adresse gefahren.
"Wir bekommen unsere Einsätze über einen digitalen Meldeempfänger", erklärte Karl-Heinz Kroll, Chef des DRK-Rettungsdienstes in Westerland. Die Anschrift erscheint im Display und die Besatzung des alarmierten Wagens fährt los. "Wenn uns eine Straße angegeben wird, die wir nicht kennen, fragen wir in der Leitstelle nach."
Straßenumbenennungen normalerweise kein Problem
Die Anrufer, mit denen es die Leitstellenmitarbeiter zu tun haben, seien oft ängstlich oder aufgeregt. "Manche wählen zum ersten Mal den Notruf, andere sind geschockt, so dass wir sehr genau nachfragen, wo Hilfe benötigt wird", erklärte Rüdiger Sibbersen, Schichtleiter der Rettungsleitstelle Nord (Harrislee), in der alle Notrufe für Feuerwehr und Rettungsdienste eingehen. "Wir fragen nach Ort, Straße und Hausnummer, um genaue Angaben zu haben."
Straßenumbenennungen wie vor einigen Jahren in Wenningstedt seien in der Regel kein Problem, da die Gemeinden die neuen Namen weiter geben, die dann ins System der Leitstelle eingepflegt werden und neben den als alt gekennzeichneten Namen stehen. "Wir fragen immer nach zum Beispiel Süderstraße oder Norderstraße, so dass wir vom Anrufer die Bestätigung bekommen, dass nichts falsch übermittelt wurde."
Missverständnisse sind - wie überall - möglich
Neben der Telefonnummer, die im Display der Leitstelle auftaucht (auch wenn die Rufnummer unterdrückt ist), stehen zwar manchmal auch Angaben, wo der Anschluss angemeldet ist. Sibbersen: "Auf die können wir uns aber nicht verlassen und tun das auch nicht." Werde ein Notruf vom Handy aus abgesetzt, sei die Ortsangabe hinfällig, da der Anrufer überall stehen könne. Dass es in Einzelfällen, wie jetzt in Wenningstedt, zu Missverständnissen komme, sei nicht auszuschließen, "da Menschen nun mal Fehler machen. Wir versuchen durch unsere Gesprächsführung jegliche Unklarheiten auszuräumen."
Carstensens Nachbarin hat die Aufregung um die falsche Adresse gut überstanden, ihr geht es mittlerweile wieder besser.

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