Nils Jennrich : Rendsburger Spediteur prangert Haft in China an

Nils Jennrich und seine Verlobte Jenny Dam bei der Rückkehr nach Hamburg am 21. Mai. Foto: dpa
Nils Jennrich und seine Verlobte Jenny Dam bei der Rückkehr nach Hamburg am 21. Mai. Foto: dpa

127 Tage lang saß der Kunstspediteur Nils Jennrich aus Rendsburg in China im Gefängnis, stand danach unter Hausarrest. Zurück in Deutschland spricht er über seine Haft.

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04. Juni 2013, 09:01 Uhr

Hamburg | Knapp zwei Wochen nach seiner Ausreise aus China hat der deutsche Kunstspediteur Nils Jennrich Gesetzesbruch und unzumutbare Haftbedingungen angeprangert. "Später haben wir festgestellt, dass ich - auch nach chinesischem Recht - viel zu lange, mehr als zwölf Stunden, festgehalten wurde, bis mir endlich meine Rechte mitgeteilt wurden", sagte der 32-Jährige aus Rendsburg in einem Interview mit der "Welt am Sonntag". Dies sei auf Chinesisch geschehen, das er nicht verstand. Später sei ihm ein schlechter Dolmetscher zugeteilt worden. "Zudem setzten mich die Beamten unter Druck", beklagte Jennrich, "ich müsse die Verhörprotokolle unterschreiben und käme dann frei."
Stattdessen kam er ins Gefängnis. 127 Tage, bis zum August 2012, saß der Kunstspediteur in U-Haft, später stand er - ohne Pass - unter Hausarrest. Am 21. Mai ließen die Chinesen Jennrich und seine Verlobte auf Drängen der Bundesregierung ausreisen. Dem Ausländer war Steuerhinterziehung durch falsche Preisangaben vorgeworfen worden. Es kam nie zur Anklage.

Mit zwölf Männern in einer Zelle

Mit der Ausreise ging für ihn ein Albtraum zu Ende: Erst kurz vor dem Abflug bekam er seinen Pass zurück. Der deutsche Botschafter flog in der gleichen Maschine mit nach Frankfurt/Main. "Am Pekinger Flughafen stellte er uns als seine Delegation vor, wir durften durch den Diplomaten-Channel ausreisen", sagte Jennrich.
"Ich war fassungslos", berichtet der Deutsche über seine Haft in Zelle 402. "Zwölf Augenpaare starrten mich an." Das Licht sei niemals ausgeschaltet worden, "auch nachts ist es darin taghell. Mit mir in der Zelle schliefen überwiegend Chinesen und Mongolen, die wegen Taschendiebstahl, Betrug oder Mord in Untersuchungshaft saßen." Die kargen Mahlzeiten habe der "Zellenchef" unter den Insassen aufgeteilt. "Im ersten Monat habe ich 16 Kilogramm Körpergewicht verloren", erinnert sich der Deutsche. Es habe öfter "Ärger mit den Mongolen" gegeben. Ihn ließen die Häftlinge in Ruhe - mit 1,87 Meter war Jennrich "mit Abstand der Größte in der Zelle".
Im August 2012 wurde er auf Kaution freigelassen. Dass der Inhalt der ersten drei Vernehmungsprotokolle gefälscht war, habe er danach mit seinen Anwälten festgestellt. Seine Verhaftung habe zwar den "chinesischen Kunstmarkt erschüttert", sagte Jennrich. "Aber es liegt der Verdacht nahe, dass es eigentlich um unser Lager ging, das das modernste der Pekinger Kunstszene gewesen ist. Das Lager hat schließlich ein chinesischer Konkurrent übernommen."

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