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Familiendrama in Glinde : „Religiöse Wahnvorstellungen“ als Motiv

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warum? Das ist die Frage, die viele nach dem Familiendrama in Glinde bewegt. Ein Vater hatte seine beiden Kinder (4 und 6 Jahre) getötet. Offenbar, weil er unter „religiösen Wahnvorstellungen“ litt, sagt die Staatsanwaltschaft.

shz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 19:45 Uhr

Glinde | „Es ist einfach nicht vorstellbar – der Vater hat immer so nett mit seinen Kindern im Garten gespielt.“ Ein Familiendrama erschüttert die Kleinstadt Glinde im Kreis Stormarn, wo ein Zahnarzt gestern seine vierjährige Tochter und seinen sechsjährigen Sohn umgebracht haben soll. „Es deutet vieles darauf hin, dass der Vater seine Kinder erstochen hat. Endgültige Klarheit muss aber die Obduktion bringen“, erklärte Lübecks Oberstaatsanwalt Joachim Möller. Als Motiv nennt die Staatsanwaltschaft „religiöse Wahnvorstellungen“. Aus diesem Grund wurde kein Haftbefehl beantragt, sondern eine Einweisung in eine geschlossene Psychiatrie veranlasst.

Gegen 6.50 Uhr ging gestern Morgen ein Notruf bei der Einsatzleitstelle der Polizei in Lübeck ein. Familienvater Fardeen A. (38) teilte mit, dass er seine beiden Kinder getötet habe. Der alarmierte Notarzt konnte wenig später nur noch den Tod der Kinder feststellen.

Am Morgen hatte die Polizei zunächst das Haus in der Straße Kreuzkamp und die Umbebung weiträumig abgesperrt. Später zogen die Beamten aus der Straße ab, die Kriminaltechniker der Bezirkskriminalinspektion Lübeck sicherten im Haus jedoch weiterhin Spuren.

Neben dem Vater und den Kindern hatte sich zur Tatzeit auch die Mutter in dem weißen Einfamilienhaus befunden. Nach Möllers Angaben war sie jedoch nach bisherigen Erkenntnissen nicht an der Tat beteiligt. „Die Mutter hat von dem Tod ihrer Kinder erst erfahren, als der Polizeieinsatz bereits lief“, so Möller. Die 30-Jährige wird psychologisch betreut. Der Vater, der aus Afghanistan stammt, soll eine Zahnarztpraxis in Hamburg-Bergedorf haben. Eine ältere Nachbarin sagte, dass der Vater häufig mit seinen Kindern auf der Straße und im Garten gespielt habe.

„Vor etwa drei Jahren“, sagt Nachbar Wolfgang Borkenhagen, „ist die Familie hier nebenan eingezogen.“ Der 61-Jährige hatte zunächst von den Geschehnissen im Nachbarhaus nichts mitbekommen. Als er zum Schneefegen auf die Straße kam, habe er drei Polizeiautos vor dem Haus stehen sehen, wenig später kamen die Rettungsfahrzeuge.

„Verstehen kann ich die Tat nicht. Das hätte ich dem Mann nie zugetraut. Bis gestern deutete nichts auf solch eine Tat hin.“ Als Borkenhagen über die beiden kleinen Kinder spricht, ihre rehbraunen Augen und ihre niedliches Wesen, kann er seine Tränen nur mühsam verbergen. Man habe ein gutes Nachbarschaftsverhältnis gepflegt.

Trauernde haben inzwischen Grablichter und eine kleine Windmühle vor dem Eingang des Einfamilienhauses aufgestellt. 

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