Beim Mähen übersehen : Rehkitze mit Kreiselmäher schwer verletzt

Zwei Rehkitze auf einer Wiese. Bei Gefahr machen sich die Tiere klein und sind beim Mähen kaum zu erkennen. Deshalb sollten Landwirte vor das Mahd Vergrämungsmaßnahmen ergreifen. Foto: dpa
Zwei Rehkitze auf einer Wiese. Bei Gefahr machen sich die Tiere klein und sind beim Mähen kaum zu erkennen. Deshalb sollten Landwirte vor das Mahd Vergrämungsmaßnahmen ergreifen. Foto: dpa

Ein Landwirt ließ drei verletzte Rehkitze einfach liegen. Er hatte sie beim Mähen einer Wiese schwer verletzt. Jäger mussten sie Stunden später töten.

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12. Juli 2013, 08:49 Uhr

Lunden/Kiel | Der furchtbare Vorgang ist kein Einzelfall, Statistiken aber gibt es auch beim Landesjagdverband nicht: Beim Mähen seiner Wiese in der Feldmark der Gemeinde Rehm-Flehde-Bargen (Kreis Dithmarschen) hat ein Landwirt drei Rehkitze so schwer an den Beinen verletzt, dass die Tiere getötet werden mussten.
Was Beamte der Polizeistation Lunden entsetzte: Nachdem der Bauer seine Arbeit mit dem Kreiselmäher beendet hatte, verließ er die Koppel in den Abendstunden des vergangenen Sonnabend - "allem Anschein nach, ohne sich um die verletzten Tiere zu kümmern", wie es in einer Mitteilung der örtlichen Polizeidienststelle von Dienstag heißt.

Spaziergänger entdeckten zwei Tiere

Zwei der Tiere wurden gegen 21 Uhr von Spaziergängern entdeckt. Eine herbeigerufene Jägerin habe die Tiere von ihren Qualen erlöst. Ein weiteres verletztes Tier wurde Stunden später von einem Jagdpächter entdeckt. Der hatte mit einem Hund gezielt nach weiteren verletzten Tieren gesucht. Auch dieses Rehkitz musste getötet werden.
Dass Rehkitze den Mähtod erleiden, kommt nach Angaben des Landesjagdverbandes immer wieder in den Monaten ab Anfang Mai vor. Gemeinsam mit dem Bauernverband bemühe sich die Jägerschaft deshalb seit Jahren um eine Minimierung des Risikos, sagte Marcus Börner vom Jagdverband. So könnten Koppeln abgesucht oder mit Flatterband versehen werden. Danach führten die Ricken ihre Jungen in der Regel von Flächen fort, die vor der Mahd stehen.

Ermittlung wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz

Eine Verpflichtung, Jagdpächter über eine bevorstehende Mahd zu unterrichten, gibt es Börner zufolge nicht. Werde ein Landwirt von einem Jagdpächter auf den Einsatz von Mähmaschinen angesprochen, seien Vergrämungsmaßnahmen vorzunehmen.
Die Polizei in Lunden ermittelt nun gegen den betroffenen Landwirt, der selbst aktiver Jäger ist, wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Danach wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, "wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt."
Ein Polizeisprecher verwies auf Entscheidungen mehrerer deutscher Gerichte in ähnlichen Fällen. Danach sei vor dem Mähen der örtlich zuständige Jagdpächter zu informieren, "damit das Mähland zwecks Aufschreckens der Tiere durchstreift werden kann". Gefordert wird in solchen Fällen zudem das Durchgehen der Wiese mit einem Jagdhund oder das Anmähen der Wiese einen Tag vor dem eigentlichen Abmähen der Wiese. Damit könne die Ricke die Gefahr erkennen und habe genügend Zeit, die Kitze zu entführen. "Eventuell vorhandener Zeitdruck bei der Ausführung der Mäharbeiten ist kein vernünftiger Grund und rechtfertigt die Tötung der Rehkitze durch das Mähgerät nicht", heißt es in einem anderen Urteil.

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