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Nordbauern Schleswig-Holstein : Regionale Produkte: Hofläden verbünden sich

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Es ist ein regionaler Gegenentwurf zur industriellen Landwirtschaft: Die Bauern in SH wollen ihre Produkte verstärkt direkt in ihrer Region vermarkten und liefern an kleine Läden und Restaurants.

Osterrönfeld | Zwei bis drei Mal in der Woche fährt Klaus Heinrich Nissen (56) aus Quern bei Flensburg im 30-Kilometer-Radius ’rum. Der Landwirt des "Dingholzer Hofkiosk" beliefert 15 Märkte und Kioske sowie Gaststätten und Privatkunden mit Kartoffeln und frischen Eiern. Er gehört zu jenen Direktvermarktern in der Landwirtschaft, die sich im Frühsommer zu einem Verein zusammengeschlossen haben. "Das ist eine gute Möglichkeit, an neue Kunden heranzukommen", sagt Nissen. "Allerdings werden die Märkte immer größer - und da ist es wiederum schwieriger, als Produzent reinzukommen."
Das soll sich ändern: Ziel des Vereins sei, direktvermarktenden Betrieben eine stärkere Position beim Handel und in der Öffentlichkeit zu verleihen, so ihr Vorsitzender Ernst Schuster. Zudem solle das Marketing im Hofladen gestärkt werden.

Kunden wünschen Regionales

Am Mittwoch in der Halle der Landwirtschaftskammer in Osterrönfeld bei Rendsburg: Der neugegründete Verbund "Nordbauern Schleswig-Holstein" hat zur Auftaktveranstaltung geladen. Vertreter von Lebensmitteleinzelhandel, Gastronomie und Politik können sich in einer "Hausmesse", bei der sich 16 Anbieter aus dem ganzen Norden präsentieren, ein Bild von den landwirtschaftlichen Produkten aus der Region machen.
Einer, der sich umsieht, ist Sven Fiedler (47), Inhaber eines Edeka-Marktes in Kiel-Suchsdorf. Wie Landwirt Nissen verspricht er sich hier neue geschäftliche Impulse. Auf etwa 15 direkte Belieferer könne er zählen, sagt Fiedler. Mit Produkten von Eiern über Kartoffeln bis hin zu Honig oder Joghurt. "Regionale Produkte gehören heutzutage zur Profilierung eines Marktes." Davon ist Fiedler überzeugt. "Die Leute wollen das haben." Ja, manchmal seien es sogar die Kunden selbst, die auf regionale Anbieter aufmerksam machen.

"So etwas wie SH-Patriotismus"

Aus Sicht der Landwirtschaftskammer sind frische, hochwertige Lebensmittel aus der Region ein "anhaltender Megatrend". "Sie sind für die Verbraucher eine interessante Alternative zum Standardsortiment", sagt Kammerpräsident Claus Heller. Eine Vernetzung der Anbieter sei da folgerichtig, um die Vielfalt des Angebotes noch zu erhöhen. "Mit der Veranstaltung geben wir den Direktvermarktern ein Gesicht", so Heller weiter. "Zeigen wir, welch herausragende Qualität sie bieten - und zeigen wir nicht zuletzt, was der Weg der Direktvermarktung zu Lebensqualität und Ökologie beizutragen vermag."
Mehr noch: Nach Ansicht von Umweltminister Robert Habeck (Grüne) äußert sich in der Stärkung der Direktvermarkter auch mehr Heimatbewusstsein, ja sogar "so etwas wie SH-Patriotismus". "Es ist ein Stück weit eine Gegenbewegung zur Entfremdung zwischen Verbrauchern und Produzenten", so der Minister. Die Direktvermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte habe damit ein "ethische Komponente".

"Direktvermarktung ist eine Nische"

Diese Komponente beschreibt der Fleischproduzent Rainer Untiedt (46) aus Barsbek im Kreis Plön so: "Wir behüten unsere Tiere sorgsam bis zu drei Jahre lang - da wollen wir nicht, dass das Fleisch irgendwo anonym ausliegt." Seine Hofschlachterei wolle "wissen, wo die Produkte bleiben". Deshalb wolle er auch nicht an große Ketten herantreten, sondern ausschließlich die Vermarktung ab Hof und auf Wochenmärkten beibehalten.
Klare unternehmerische Konzepte - auf die sind auch Direktvermarkter angewiesen. "Lassen Sie sich frühzeitig professionell beraten", fordert Professor Dr. Martin Braatz (52) vom Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Kiel die Verbundmitglieder auf. Auch wenn immer mehr Verbraucher bereit sind, für regionale Qualität mehr Geld auszugeben - "Direktvermarktung ist eine Nische und bleibt eine Nische", sagt Braatz. "Und die ist schnell voll." Aber langsam wachsend. Etwa 5 Prozent aller Betriebe in Schleswig-Holstein setzten inzwischen auf Direktvermarktung, bundesweit seien es 6 bis 8 Prozent, so Braatz weiter. Unternehmerisch gibt Peter Levsen Johannsen, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer, den Direktvermarkter auch dies mit auf den Weg: "Die Vernetzung dient der Gemeinsamkeit. Fangt nicht an, in Konkurrenz gegeneinander anzutreten!"
Teils "op Platt" von RSH-Moderator Carsten Kock (56) durch den Vormittag geleitet, zeigen sich am Ende die Akteure vom Auftakt begeistert. "Eine tolle Veranstaltung", sagt Marktinhaber Fiedler. "Ich hoffe, dass jetzt viele Nordbauern den Weg zu mir finden." Und Landwirt Nissen hofft, dass der Nordbauern-Verbund erneut Experten hinzuzieht. "Sie geben wertvolle Tipps - die kriegt man nicht so oft zu hören."

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erstellt am 09.Aug.2013 | 01:49 Uhr

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