zur Navigation springen

Wenig Besucher : Regen verwässert Freibädern in SH die Bilanz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Wetter lässt zu wünschen übrig. Die Besucherzahlen brechen um 25 Prozent ein. Jetzt will die Landesregierung helfen.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2017 | 08:43 Uhr

Kiel | Was für ein verrückter Sommer: Der Süden leidet unter Hitze, Wasser wird knapp, Rom ruft den Notstand aus. Und im Norden? Da kaufen Touristen Gummistiefel. Leidtragende im durchwachsenen Sommer 2017 sind in Schleswig-Holstein nicht nur Gastwirte und Strandkorbvermieter, denen Tagesausflügler fehlen, sondern auch die 105 Freibäder.

Weil der Sommer vorbei ist, bevor er überhaupt angefangen hat, machen sich die Kämmerer schon Gedanken, wie es angesichts dramatischer Umsatzeinbußen weitergeht. „Diese Saison ist für alle Freibäder schwer!“, berichtet Heiko Intemann, Chef vom Freibad Flensburg-Weiche. Es gab Tage „ohne einen einzigen Gast“. Hiobsbotschaften auch aus dem benachbarten Tarp. Dort schätzt man den Besucherschwund auf 25 Prozent im Vorjahresvergleich. Bei den Tagesgästen gebe es wegen des Schmuddelsommers „gewaltige Einbrüche“. Oldesloe meldet sogar 60 Prozent minus. 

Wie krass die Lage ist, beschreibt Betriebsleiter Bernd Ingwersen vom Erlebnisbad Bredstedt, der statt 30.000 Besucher nur noch 23.000 zählt: „Meiner Erinnerung nach habe ich einen solchen Rückgang noch nie erlebt“. Statt der nötigen drei Tage Sonnenschein am Stück, die nötig sind, um Besucher ins Freibad zu locken, herrscht seit Wochen ein Mix aus Sonne, Wolken und Regen vor – und von Gewittern. Die sorgten allein in Elmshorn in diesem Jahr schon neunmal dafür, dass Badegäste nach Hause geschickt werden mussten. 2016 war dies nur dreimal der Fall.

 

Ebbe herrscht auch im Freibad Schobüll bei Husum: „Bei gutem Wetter ist das Bad mit gut hundert Besuchern auch mal voll, aber das ist vielleicht ein Tag in der Woche. Bei dem Wind momentan haben wir mal gerade zehn Kinder da“, sagt Arved Linke, Bademeister und Fachangestellter für Bäderbetriebe.

Gut 1500 Badegäste weniger meldet für Juli das Kieler Sommerbad Katzheide. Nur noch 6111 besuchten das Waldbad. Negativbilanz auch im Freibad Rendsburg: Nach Angaben von Betriebsleiter Jürgen Langmaack kamen bis Ende Juli 25.870 Besucher – „Ziel waren 35.000“. Ein sehr starker Rückgang sei im Juli verzeichnet worden – traditionell eigentlich eine besonders gute Zeit für Freibäder. Betrieben wird das chronisch defizitäre Bad von den Stadtwerken. Geschäftsführer Helge Speer sagte: „Wir machen uns natürlich immer Gedanken, wie wir unabhängiger vom Wetter werden können.“ Sein Lob: „Neumünster ist ein gutes Beispiel für zeitgemäße Anpassungen.“

Hier hat das Bad am Stadtwald sogar steigende Besucherzahlen. Wegen Bauarbeiten bleibt zusätzlich zum Freibad auch das Hallenbad auf dem Gelände geöffnet – das zieht gerade bei dem schlechteren Wetter zusätzliche Besucher an. „Wir erfassen die Zahlen aber nicht getrennt, weil die Badegäste munter zwischen Halle und Freibad wechseln können“, sagt Badleiter Tom Keidel.

Bad-Betreiber können Kosten nicht decken

Doch die durchweg schlechten Zahlen im Land haben Folgen: Die Freibadbetreiber kämpfen mit wenig Erlösen bei gleichbleibend hohen Kosten für Wasseraufbereitung, Reparaturen, Pflege der Grünanlagen und Umkleiden, Sicherheit und Personal. Laut einer Expertise, die die Landeshauptstadt 2016 anfertigen ließ, beträgt der Kostendeckungsgrad bei Freibädern hierzulande nur noch 25 Prozent, 2009 hingegen deckten die Eintrittspreise noch rund 40 Prozent der Betriebskosten.

Damit Bürger zu sozialverträglichen Preisen im Becken ihre Bahnen ziehen oder planschen können, schießen die Gemeinden regelmäßig Geld zu – in Hamburg zum Beispiel subventioniert der Senat jeden Freibadbesucher mit 4,35 Euro. Das Geld kommt aus dem Gemeindesäckel, und jeder Wolken- oder Regentag im Norden erhöht das Defizit. Kein Wunder, dass Kämmerer derzeit Stoßgebete zum Wettergott schicken. Denn wie immer stirbt die Hoffnung zuletzt: Ein sonniger Restsommer könnte das Minus noch etwas ausgleichen. Und Hilfe aus Kiel.

Die Landesregierung betonte am Donnerstag, sie unterstütze Kommunen beim Erhalt und der Sanierung der Schwimmsportstätten. Allein in diesem Jahr wurden bereits 2,75 Millionen Euro gezahlt, unter anderem für betriebskostensenkende Maßnahmen. Die sollen Betreibern in Zukunft einen effizienteren Freibadbetrieb ermöglichen – auch wenn es regnet.

Warmes Wasser gegen schlechtes Wetter

Neben Neumünster schlagen sich aber auch andere Bäder wacker: etwa Wedel (Kreis Pinneberg) mit seiner Badebucht, einem kombinierten Freizeit-Bad mit zusätzlichem Freibad in der Sommersaison. „Mit den bisherigen Besucherzahlen dieser Saison sind wir sehr zufrieden“, sagt  Natali Steffen, Sprecherin der Stadtwerke, dem Betreiber des Bades. „Diese relativ stabilen Besucherzahlen verdanken wir dem kombinierten Konzept der Badebucht. Wir sind nicht so abhängig vom Wetter wie ein reines Freibad.“ Die Besucherzahlen der Badebucht seien aber auch generell relativ konstant. „Von Mai bis Juli haben uns immerhin 43.000 Gäste besucht“, ergänzt Badleiter Karsten Niß. 

In Aukrug im Kreis Rendsburg-Eckernförde hat sich die Zahl der Badegäste mit Inbetriebnahme einer Heizung für das Wasser im Freibad von 2015 auf 2016 mehr als verdoppelt. „Durch das warme Wasser haben wir eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung“, sagte Joachim Rehder, Vorsitzender im Förderverein Freibad Aukrug und stellvertretender Bürgermeister. Trotzdem werde es voraussichtlich kein berauschendes Jahr. „Die Tagesgäste fehlen.“

In der Gemeinde Bokel im selben Kreis kümmert sich ein Förderverein. Dank Mitgliedsbeiträgen, ehrenamtlicher Arbeit und Bandenwerbung schreibt das Bad schwarze Zahlen, wie der Vorsitzende des Fördervereins, Rolf Godt, mitteilt.

Betriebsleiterin Beatrix Jahn im Bargteheider Freibad will – wie die meisten Ansprechpartner – nicht aufgegeben. Fazit: „Wir hoffen, dass der August noch richtig schön wird.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen